überprüfung lkmi8791

Vieles wurde diese Tage über das Online-Lexikon Agent*In geschrieben. Das Lexikon soll Informationen über „Antifeministen“ bereitstellen. Die Agent*In ist nach eigenen Angaben ein „Antifeminismus-kritisches Online-Lexikon“. Das Projekt wird von der Heinrich-Böll-Stiftung, der parteinahen Stiftung der Grünen, getragen. Es befindet sich im Aufbau. „Wir sammeln und organisieren Wissen, Daten, Fakten und Zusammenhänge über die Einflussnahme von antifeministischen Akteur_innen auf Politik und Öffentlichkeit.“ 

Man könnte sehr viel über den Inhalt des Online-Lexikons schreiben, über seine Unzulänglichkeiten und Falschheiten. Beispielsweise wird der zentrale Begriff des Lexikons, nämlich der Begriff des „Antifeminismus“, gar nicht bestimmt und es wird nicht der Unterschied zwischen „Antifeminismus“ und „Feminismuskritik“ erläutert. Ich könnte mir vorstellen, dass viele Personen, die im Lexikon als „Antifeministen“ gebrandmarkt werden, sich in Wirklichkeit als Feminismuskritiker verstehen.

Auch ich stehe auf der Liste der „Antifeministen“. Es wird dort über mich geschrieben: „Alexander Ulfig behauptet, dass die Frauenquote gegen Menschenrechte verstoße und dass Gender-Forscherinnen die fundamentalen Logik-Regeln nicht beherrschen würden.“ Dabei wird als Quellenangebe auf meine eigene Webseite verlinkt, und zwar auf meinen Hinweis auf den Artikel von Heike Diefenbach „Der Teufel und das Weihwasser ... Vertreterinnen von Gender Studies illustrieren vor breitem Publikum (einmal mehr) ihre Unwissenschaftlichkeit“. In dem Artikel weist Heike Diefenbach nach, dass einige Vertreterinnen der Gender Studies fundamentale Logik-Regeln nicht beherrschen. Streng genommen handelt es sich also um Ausführungen von Heike Diefenbach, auf die in dem Lexikoneintrag zu meiner Person hingewiesen wird (wobei ich mit ihr tatsächlich darin übereinstimme, dass einige Vertreterinnen der Gender Studies fundamentale Logik-Regeln nicht beherrschen). Das alles zeugt nicht von viel Sorgfalt bei der Arbeit am Lexikon. 

In den Medien wurde über dieses Online-Lexikon fast ausschließlich negativ berichtet. Für Christiane Florin vom Deutschlandfunk stehen die im Lexikon aufgelisteten Namen wie „Giftstoffe“ da. Bernd Matthies vom Tagesspiegel bezeichnet das Online-Lexikon als „eine Art Verfassungsschutzbericht der Gender-Szene“. Der Publizist Henryk Broder schreibt in der Welt vom „Grünen Online-Pranger“ und dem „Geheimdienst der Grünen“. Und sogar die grüne taz kritisiert die Methoden von Agent*In.

Am interessantesten von den mir bekannten Stellungnahmen zu Agent*In finde ich den Kommentar des Volkswirtschaftlers Norbert Häring. Er fängt seinen Beitrag mit einer Bewerbung an:

„Hiermit gebe ich mich als glühender Antifeminist nach den Maßstäben der grünen Heinrich-Böll-Stiftung zu erkennen und bewerbe mich um einen Eintrag in deren Online-Pranger ´Agent*In` für solche widerwärtigen Menschen. Gleichzeitig rege ich an, zu prüfen, ob man dieser Organisation nicht irgendwie das Steuergeld entziehen kann und fordere alle anständigen Grünen auf, sich öffentlich zu distanzieren.“

Andreas Kemper, einer der Mitarbeiter an dem Projekt Agent*In, verwahrt sich gegen die Bezeichnung „Pranger“: "Wir bestrafen aber niemanden, wir haben ja auch keine Sanktionierungsmacht". Norbert Häring kommentiert diese Aussage Kempers folgendermaßen:

„Erst werden vor allem leichte Opfer aus dem konservativen Lager genommen. Denen tut es nicht weh, wenn sie im grünfeministischen Milieu einen schlechten Namen haben. Mit Leuten wie Martenstein sorgt man für gehörigen Aufruhr, damit die Liste auch bekannt wird. Dann kommen immer mehr Leute und Organisationen hinzu, die durchaus geeignet sind, aus dem grünen Milieu Einladungen zu bekommen, die aber extremen Formen des Feminismus gegenüber kritisch eingestellt sind. Man stellt sie in die - zumindest aus grüner Sicht - unappetitliche Nachbarschaft derer, die bereits den Pranger bevölkern. Dann haben Agitatoren ein prima Instrument an der Hand, um diese Leute gegenüber Einladenden schlecht zu machen, mit der expliziten oder impliziten Drohung, wenn das nicht fruchtet, die Organisatoren entsprechender Veranstaltungen selbst zu diskreditieren.

So kann man dafür sorgen, dass man sich mit Argumenten nicht mehr auseinandersetzen muss. Man hat ja diejenigen, die sie äußern, als nicht satisfaktionsfähig klassifiziert. Es sind stalinistische Methoden, die hier befördert werden, wobei natürlich die ultimative ´Sanktionierungsmacht` fehlt, die Stalin hatte.“

Und ergänzend dazu eine Stellungnahme der bereits erwähnten Erziehungswissenschaftlerin Heike Diefenbach, die sich auch auf der Pranger-Liste befindet. Sie betont, „dass die Zeit, die mit Listen, auf denen ideologisch ´böse` zusammengestellt werden, besser dazu genutzt wäre, zu versuchen, POSITIV für die Genderideologie und deren Relevanz zu argumentieren, weshalb ich wiederum … denke, dass das anscheinend selbst in den Augen derer, die sich so gerne als pro-gender inszenieren, nicht möglich ist“.

Dem ist nicht viel hinzuzufügen. Die Methoden von Agent*In bedeuten das Ende einer rationalen Debattenkultur, in der der „zwanglose Zwang des besseren Arguments“ (Jürgen Habermas) herrschen sollte.

 

Weitere Beiträge

Italienischer Entzug


Mal Hand aufs Herz  - wer nimmt nach 20 Jahren Berlusconismus die italienische Demokratie noch ernst? Die Italiener wohl am allerwenigsten.
Da dürfte es auch kaum jemand mehr im Land aufregen, wenn der neue „starke“ Mann im Quirinalspalast, Matteo Renzi, seit Februar im Amt, das Wahlrecht für einen „guten Zweck“ eben mal so zurechtbiegt.
 

Brauchen wir Professuren für Genderforschung an Universitäten und Hochschulen?


In der von der Heinrich-Böll-Stiftung vor einigen Wochen veröffentlichten sogenannten Argumentationshilfe (für ansonsten anscheinend der Argumentation Unfähige) mit dem Titel „Gender, Wissenschaftlichkeit und Ideologie“ hat der mitverantwortliche, weil Mitautor, dieses Werkes Manfred Köhnen die Vermutung geäußert, dass es Bestrebungen gebe, Genderlehrstühle an deutschen Universitäten und...

Diversity kann letztlich nur Individualität bedeuten


Diversity soll Vielfalt bedeuten. Doch die bestehenden Diversity-Programme orientieren sich nicht an der Vielfalt von Individuen, sondern an der von Kollektiven.
In immer mehr Unternehmen und Organisationen werden Diversity-Programme eingeführt. Beispielsweise bei der Deutschen Bahn AG. In einem Interview für das Portal ATKearney361Grad gibt Annette Gräfin von Wedel, Leiterin der Abteilung...

Die infantile Republik

Nicht die Fridays for Future oder das Rezo-Video sind kindisch, sondern die Reaktionen darauf.
Über die Vermeidung von Gesprächen durch Umarmungen „Schule schwänzen für Klima: Wie lange noch?“  Die stillschweigende Unterstellung in dieser Überschrift beim Deutschlandfunk ist nicht unrealistisch: Ganz sicher werden bei den Fridays for Future auch Schüler dabei sein, denen es vor allem darum geht,...

Gendermedizin – eine Einordnung

Gendermedizin ist eine junge, vielleicht 20 Jahre alte Disziplin, die in einer 2010 erschienenen Philosophie der Medizin noch gar nicht aufgeführt ist[1]. Natürlich gab es diese Disziplin schon früher, sogar noch bevor sie so genannt wurde.
 
Der holländische Psychosomatiker Appels führte 1973 soziale Gründe für eine unterschiedliche Herzinfarktgefährdung bei Männern und Frauen an und nannte das...

Gewalt gegen Jungen ist okay: Bitte spenden Sie jetzt!

Ein Brief an das Kinderhilfswerk Plan
Sehr geehrte Damen und Herren vom Kinderhilfswerk Plan,Ich hatte zunächst lange nach der Pointe gesucht. „Gewalt gegen Mädchen“ steht auf Ihren Plakaten, das Wort Gewalt ist dick und rot durchgestrichen, und daneben sieht uns ein großes Mädchengesicht an. Eine aggressive Kampagne, mit Anzeigen und Beilagen in vielen Medien und Plakaten in mehreren...

Die Scharia der Grünen


Rund 2/3 der befragten Bundesbürger trauen sich nicht mehr, laut einer Allensbach – Umfrage, ihre Meinung in der Öffentlichkeit frei zu äußern. Und: über die Hälfte der Jugendlichen hat Angst vor einer wachsenden Feindlichkeit zwischen Menschen, die unterschiedlicher Meinung sind (Shellstudie 2019). An Universitäten werden Redeverbote erteilt, und die Redefreiheit kann dann häufig nur mit...