Warum es geschlechterpolitisch seltsamerweise ganz okay ist, wenn Frauen in Abhängigkeiten leben: Geld und Gender

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Gerade bewirbt die Familien- und Frauenministerin Giffey das Projekt „Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen“ und stellt aus Steuermitteln 120 Millionen Euro für den Ausbau von Frauenhäusern zur Verfügung. Warum aber reicht es nicht, gemeinsam gegen Gewalt Stellung zu beziehen? Warum werden Männer, die nun einmal ebenfalls unter häuslicher Gewalt leiden, vom Schutz ausgeschlossen?

Offensichtlich sind Gewalt- und Leiderfahrungen von Männern politisch immer noch ein Tabu, auch deshalb, weil sie herkömmlichen Männlichkeitsbildern nicht entsprechen. Noch ein anderes Tabu der Geschlechterpolitik hat aber vielleicht noch größere Konsequenzen.

Nils Heisterhagen ist ein Sozialdemokrat, der den identitätspolitischen Drall seiner Partei scharf kritisiert. Vor einer Weile hat er allerdings in einem Tweet gezeigt, dass Kritik am Feminismus – heute wohl die wesentliche Spielart der Identitätspolitik – nicht so einfach ist, wie sie aussieht.

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Nun ist die Abschaffung des Ehegattensplittings tatsächlich schon seit Ewigkeiten eine feministische Forderung, und auch Margarete Stokowski hat dazu schon etwas geschrieben und kommt dabei gewohnt souverän ohne Argumente aus. Nur ist trotzdem nicht so recht klar, was genau daran eigentlich „für Frauen“ gut sein sollte.

Sicherlich – das Splitting lohnt sich dann besonderes, wenn die Frau deutlich weniger verdient als der Mann, so wie umgekehrt übrigens auch. Es kann also Paare mit großer Einkommensungleichheit dazu motivieren, alles dabei zu belassen. Damit steht wiederum der weniger verdienende Partner, meist die Frau, in Abhängigkeiten vom anderen.

Wer sich versorgen lässt, begibt sich nun einmal in Abhängigkeiten – und wer diese Abhängigkeiten nicht will, muss sich selbst versorgen.

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Nun bedeutet das Splitting allerdings weiter nichts, als beide Einkommen als gemeinsames Familieneinkommen zu bewerten, unabhängig von der Höhe der einzelnen Beiträge – und so zu tun, als ob beide hälftig den gleichen Beitrag erbracht hätten. Das ist freiwillig, und jede Frau, die sich steuerlich einzeln veranlagen möchte, kann das tun.

Nicht etwa die Frauen, die gemeinsam mit ihren Männern einen erheblichen finanziellen Vorteil vom Splitting haben, sondern die Unverheirateten sind hier benachteiligt – denn sie finanzieren durch ihre Steuern das Modell ja faktisch mit.

Da Steuern wiederum zu einem Großteil von Männern aufgebracht werden, den Splitting-Vorteil in der Regel aber Frauen und Männer gemeinsam haben, würden Männer sogar stärker vom Ende des Splitting profitieren als Frauen. Warum also agitieren Feministinnen dagegen? Geht es darum, dass Frauen sich nicht durch die Versorgungsleitungen anderer in Abhängigkeiten begeben sollten?

Kaum – denn das müsste dann ja auch in anderen Bereichen gelten, im Gesundheitssystem zum Beispiel. Männer zahlen hier deutlich mehr ein als Frauen, Frauen verursachen aber deutlich mehr Kosten – sei es, weil Männer deutlich früher sterben, sei es, weil bestimmte Leistungen bei Frauen durch Kassen übernommen werden, entsprechende Leistungen bei Männern aber nicht.

Hier sind Frauen also rundweg in erheblichem Maße von männlichen Leistungen abhängig. Gäbe es gendergetrennte Kassen, würden also Frauen für die Kosten von Frauen und Männer für die Kosten von Männern aufkommen müssen, dann wäre auch das, ebenso wie die Abschaffung des Ehegattensplittings, eine gewaltige Motivation für Frauen, mehr als bislang zu verdienen und so auch mehr Leistungen in Anspruch nehmen zu können.

Natürlich fordert das niemand ernsthaft – es wäre ein Ende des Gesundheitssystems als Solidarsystem. Dass es aber niemand fordert, zeigt: Die feministische Kritik richtet sich keineswegs generell gegen Systeme, die durch Versorgungsleistungen Abhängigkeiten für Frauen schaffen. Ihre Kritik richtet sich gegen die Logik der Abhängigkeit durch Versorgung nur dort, wo sie in einer direkten Interaktion der Beteiligten und nicht durch große staatliche Institutionen organisiert wird.

Dasselbe gilt insgesamt für das Steuersystem. Der Beitrag von Männern ist hier deutlich größer als der von Frauen – aber geschlechtsspezifische staatliche Leistungen werden mit einem großen Überhang für Frauen erbracht. Die Organisation MANNdat hat dazu einmal vor einigen Jahren die wenigen verfügbaren Daten für das Bundesgebiet hochgerechnet, und dass sie das überhaupt tun musste, ist seltsam.

Denn mit dem Konzept des Gender Mainstreaming hat sich die europäische, auch die deutsche Politik eigentlich darauf verpflichtet, die geschlechtsspezfischen Konsequenzen aller politischer Entscheidungen zu bedenken. Ausgerechnet dann aber, wenn es um die Haushalte geht, also um den finanziellen Kernbestand der Politik, sind geschlechtsspezifische Daten kaum zu erhalten.

Gäbe es ein offizielles Gender Budgeting, dann würde sich allerdings vermutlich an der Situation kaum etwas ändern. Im Unterschied zu Identitätspolitikern denken weiterhin die meisten Menschen nicht strikt in Gruppen, und wenn mich meine eigene Erfahrung mit Männern nicht völlig täuscht, stört es die meisten überhaupt nicht, dass Männer deutlich mehr zu den öffentlichen Kassen beitragen als Frauen. Vermutlich finden es die meisten richtig, etwas zum gemeinsamen Gut beitragen zu können.

Dabei muss der Einwand gar nicht übergangen werden, dass Frauen doch gewiss mehr „Care-Arbeit“ leisten würden als Männer. Das gilt besonders für die Kindessorge. Natürlich hält diese Sorge vor allem Frauen von einer stärkeren Beteiligung am Erwerbsleben ab, es sind aber eben auch vor allem Frauen, die mit aller Kraft daran festhalten, dass Männer nicht dieselben Möglichkeiten zur Kindessorge haben wie sie.

Wenn die Sorge für Kinder also ein spezifisches Handicap für Frauen ist, dann ist es ein Handicap, das Frauen auf keinen Fall hergeben wollen. Einige jedenfalls – und zwar Frauen in Institutionen, die zu den wesentlichen Entscheidungen wesentlich mehr beitragen können als die betroffenen Männer.

Durch ein Gender Budgeting würde also lediglich deutlich werden, dass Männer weit über die Familieneinkommen hinaus enorme Versorgungsleistungen erbringen, die dann staatlich verteilt werden. Warum ist diese Einsicht – zu der doch jeder kommen kann, der die verfügbaren Daten kurz zusammenrechnet – so unerwünscht, sogar tabuisiert?

Wie eine Graswurzelbewegung von oben organisiert wird: Die Bedürftigkeit von Institutionen

Das lässt sich eben dann erklären, wenn einberechnet wird, dass die Schaffung von Abhängigkeiten durch Versorgungsleistungen geschlechterpolitisch nur dann als Problem erscheint, wenn sie nicht über Institutionen organisiert wird – wenn Menschen sie unter sich ausmachen. Es geht offensichtlich nicht, oder nur indirekt, um das Verhältnis zwischen Frauen und Männern, sondern eher um das zwischen Menschen und staatlichen Institutionen.

Ingbert Jüdt (djadmoros) hat hier gerade in einem Ausschnitt aus seinem Buch dargelegt,

dass es die Frauenbewegung vermocht hat, ihre ursprüngliche Mobilisierung und Rekrutierung in zwei neuen Folgegenerationen zu wiederholen.

Damit allerdings war zugleich eine feministische Institutionalisierung verbunden: in Ministerien, Gleichstellungsbüros, auch in Parteien oder Universitäten, und zudem in vielen nichtstaatlichen Institutionen, die aus öffentlichen Mitteln finanziert werden, etwa in Frauenhäusern.

Diese Institutionalisierung ist weit über die Akzeptanz bei Menschen – und zwar bei Männern und Frauen – hinausgewachsen. Nach Umfragen aus den USA und Großbritannien bezeichnet sich heute nur ein Fünftel der jüngeren Frauen als „feministisch, und in Deutschland braucht es eigens steuermittelfinanzierte Kampagnen oder Artikel in größeren Zeitungen,  um Frauen den Feminismus schmackhaft zu machen.

So sehr Feminismus auch als Graswurzelbewegung präsentiert wird, so ist er heute doch vor allem ein Set politischer Positionen, die über die großen politischen Institutionen verbreitet werden.

Dass Institutionalisierungen für politische Positionen nützlich sind, ist einleuchtend. Wie aber verhält es sich umgekehrt? Warum sind manche Positionen für Institutionen belanglos, während andere weit über ihre Akzeptanz bei der Bevölkerung hinaus gefördert werden?

Feministische Positionen sind politisch auch deswegen so interessant, weil sie Institutionen und ihre Ausweitung legitimieren. Wird die Hälfte der Bevölkerung als dringend schutzbedürftig und förderungswürdig betrachtet, wird aber die Gesellschaft (als „Patriarchat“ oder „Männerherrschaft“) so beschrieben, dass sie Förderung und Schutz verweigert – dann müssen eben politische Großinstitutionen tätig werden, um den bedrohten Menschen zu ihren Rechten zu verhelfen.

Steht die andere Hälfte der Bevölkerung wiederum als privilegiert und potenziell bedrohlich fantasiert da, dann rechtfertigt das, sie im Interesse allgemeiner Gerechtigkeit für die Finanzierung der Institutionen haftbar zu machen. Sogar Einschränkungen von Grundrechten, etwa in der Kindessorge, können als legitim dargestellt werden – schließlich ginge es um den Schutz Schutzloser.

Es ist daher irreführend, feministische Positionen lediglich auf das Verhältnis zwischen Männern und Frauen zu beziehen, das ohnehin so vielfältig ist, dass ihm einzelne politische Positionen kaum gerecht werden können. Feminismus ist auch keine Bewegung für die Frauen und keine gegen die Männer.

Heute steht Feminismus vor allem für das Verhältnis großer Institutionen zu einzelnen Menschen: In all seiner Widersprüchlichkeit ist er heute vor allem eine politische Fantasie, die eine Aufrechterhaltung und Ausweitung institutioneller Macht orchestriert.

Warum es ganz praktisch ist, wenn Frauen sich nicht allzusehr für Politik interessieren: Die Frauenquote

Obwohl beispielsweise der Frauenanteil in den Parlamenten schon heute höher ist als ihr Anteil an den Parteimitglieder, versuchen Kämpferinnen für die Frauenquote nicht etwa, den Anteil weiblicher Mitglieder zu erhöhen. Obwohl es dabei angeblich um politische „Partizipation“ geht, wird etwa das umkämpfte Parité-Gesetz in Brandenburg von keinen Überlegungen begleitet, wie denn neben dem Frauenanteil auf Wahllisten auch der Frauenanteil in den Parteien erhöht werden könnte.

Geschlechterpolitisch reproduziert die Frauenquote so schlicht diejenigen Versorgungsstrukturen, die Feministinnen doch eigentlich bekämpfen wollten – Männer leisten an der Basis überproportional häufig die nötige Arbeit, damit Frauen überproportional häufig Posten besetzen können.

Institutionenpolitisch aber sind Quoten sehr funktional, weil sie bei der Besetzung von Positionen den Einfluss durch unberechenbare Wahlen verringern und die Möglichkeit interner institutioneller Absprachen deutlich vergrößern. Die Kontrolle über zu besetzende Posten wird sogar umso größer, je weniger Frauen sich auf sie bewerben – was vielleicht schon das geringe Interesse an der Erhöhung des weiblichen Mitgliederanteils erklärt.

Ein Beispiel ist die grüne Urwahl der Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2017. Obwohl mit Karin Göring-Eckardt überhaupt nur eine einzige Kandidatin zur Verfügung stand, durften die Mitglieder ihre beiden Stimmen nicht auf zwei Männer verteilen. Obwohl Göring-Eckardt also faktisch schon dadurch gewählt war, dass sie überhaupt aufgestellt wurde, inszenierten die Grünen die Urwahl als einen basisdemokratischen Prozess – der sie aber allenfalls bei den männlichen Kandidaten war.

Ich selbst finde es übrigens wichtig, den Frauenanteil in den Parteien zu stärken – allein schon, um nicht weiter zu signalisieren, dass die politische Sorge für das Gemeinwohl vor allem eine Verantwortung von Männern wäre. Dass es aber überhaupt keine Debatte darüber gibt, ob Quoten dafür eigentlich geeignete Instrumente sind, obwohl sie sich in dieser Hinsicht als unwirksam erwiesen haben – das zeigt eigentlich schon, dass es den Quotenbefürwortern um anderes als um die politische Partizipation von Frauen geht.

Warum es dummerweise dann doch nicht ohne Männer geht

Doch auch ganz andere Institutionen bedienen sich längst schon feministischer Geschlechterklischees. Eine Kampagne der Sparkasse zeigt, wie sehr die Fantasie der schutzbedürftigen Frau sowohl Männern als auch Frauen schaden kann.

Böswillige Klischees gegen ein Geschlecht schaden in der Regel eben auch dem anderen. So wie die Sparkasse hier Männer für unnötig und überflüssig erklärt, so stellt sie Frauen zugleich als kleine zitternde Hascherl da, die schon bei dem Gedanken in Panik geraten, ein Konto ohne männliche Hilfe führen zu müssen.

Die Sparkasse aber braucht diese Degradierung der Frauen, um sich selbst als helfende Macht inszenieren zu können – und die Erklärung, dass Männer überflüssig wären, ist Teil dieser Inszenierung. Natürlich ist die Sparkasse auf Geld und Arbeit von Männern angewiesen, aber eben diese Leistung verschwindet hier ganz hinter der Inszenierung einer weiblichen Schein-Autonomie, die ohne institutionelle Hilfe nicht auskommt.

Das größte Tabu einer Geschlechterpolitik, die eigentlich eine Institutionenpolitik ist, ist also nicht einmal die Tatsache, dass auch Männer Leid und Diskriminierung erfahren. Das größte Tabu ist, darauf aufmerksam zu machen, in welch großem Maße Männer dafür arbeiten, dass diese und andere Politik überhaupt möglich wird.

Würde deutlich werden, in welchem Maße die institutionellen Selbstinszenierungen als präsente Helfer und Schutzmächte tatsächlich auf den Leistungen anderer aufbauen – dann würden wir sogleich zweifeln, ob diese institutionelle Hilfe tatsächlich so notwendig ist, wie sie uns präsentiert wird.

Würde deutlich werden, dass Männlichkeit eben nicht „toxisch“ ist, sondern dass Männer insgesamt weiterhin einen Löwenanteil der gemeinsamen Güter beitragen – dann würde sogleich fraglich werden, ob die institutionelle Hilfe gegen die Männerherrschaft sowie die Überwindung der angeblich männlichen Gesellschaft tatsächlich unerlässlich ist.

Ich hatte einmal in einer kleinen Geschichte durchgespielt, was denn passieren würde, wenn Männer ihre Leistungen tatsächlich einstellen würden, um die Gesellschaft vor ihrer toxischen Männlichkeit zu bewahren. Mir ging es nicht darum zu suggerieren, dass Frauen nichts leisten würden – sondern lediglich darum, dass Männer einen unerlässlichen Beitrag leisten. Als sie wieder einmal über alte weiße Männer herzog, machte ich die bayerische Grüne Katharina Schulze mit freundlichen Worten auf diesen Beitrag aufmerksam – woraufhin ich sofort von ihr geblockt wurde.

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Nun wäre es vermutlich vielen Männern eher unangenehm, wenn ihre Leistungen beständig öffentlich anerkannt und gefeiert würden, und natürlich tragen nicht nur Männer, sondern auch Frauen zu Gemeinwohl bei. Das Problem aber ist:

Es gibt eigentlich keinen vernünftigen Grund, institutionell in jedem Jahr Milliardensummen von einem Geschlecht zum anderen zu verschieben. Frauen und Mädchen haben aufgrund ihrer schulischen Vorteile eher bessere Ausbildungsmöglichkeiten als Männer und Jungen, und die meisten Berufe können heute von Frauen ebenso gut wie von Männern ausgeübt werden. Es gibt in einer modernen Massengesellschaft keine Notwendigkeit, staatliche Institutionen zur Versorgung von Frauen durch Männer aufrecht zu erhalten. Also müssen sich solche Institutionen Legitimationen schaffen.

Vom politischen Nutzen der Menschenfeindlichkeit

Das aber bedeutet eben auch, Männer auf eine Weise zu beschreiben, die ihre Funktionalisierung für die Interessen anderer rechtfertigt. In seinem gerade erschienen Buch „Feindbild weiße Männer: Der rassistische Sexismus der identitätspolitischen Linken“ analysiert Arne Hoffmann eine tatsächlich überwältigende Menge männerfeindlicher Klischees im politischen Diskurs – und insbesondere im Diskurs von Akteuren, die sich selbst für links halten.

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Ohne Memes müsste der moderne Feminismus wohl verstummen: Eine kleine Auswahl von direkten Reaktionen auf Heisterhagens eingangs zitierten Tweet. Ähnliche Memes werden sogar von der Initiative No Hate Speech bereitgestellt, die wiederum aus Steuermitteln finanziert wird.

Nun sind Slogans wie „#KillAllMen“ oder die männerfeindlichen Holocaustwünsche der feministischen Autorin Valerie Solanas nicht deshalb so gravierend, weil tatsächlich irgendjemand gerade Arbeits- und Vernichtungslager bauen würde. Sie machen aber deutlich, dass es irgendwie in Ordnung wäre, auf solch eine Weise über Männer zu sprechen oder zu schreiben, sie als Abfall („MenAreTrash“) oder als Vergiftung der Gesellschaft (Toxic Masculinity) hinzustellen.

Wichtig ist: Diese Art, über Menschen zu sprechen, steht im denkbar schärfsten Gegensatz zu klassischen linken Vorstellungen von sozialer Gerechtigkeit. Die Arbeiterbewegung argumentierte noch, dass eben die Menschen, die den Reichtum der Gesellschaft überhaupt erst produzierten, von seiner Nutzung ausgeschlossen wären. Eben darauf konnte die Arbeiterbewegung auch ihre Stärke gründen: Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will.

Die routinierte männerfeindliche Rhetorik hingegen hat das Ziel, Menschen auf ihre bloße Funktionalität für andere zu reduzieren und die Leistungen, die sie fortlaufend erbringen, sogleich aus dem Blickfeld zu schieben, nachdem sie genutzt werden konnten. Wer von einer mehrtausendjährigen Unterdrückung der Frauen durch Männer ausgeht, der wird niemals irgendeine Leistung von Männern ausreichend finden, um die Schuld zu tilgen.

Für die Härte und Inhumanität dieser Klischees ist es entscheidend, dass sie eben nicht zur Organisation des Geschlechterverhältnisses taugen, sondern dass sie institutionelle Machtausübung orchestrieren.

Denn in der lebensweltlichen Interaktion sind wir fast ausnahmslos darauf angewiesen, die Würde und Selbstachtung unseres Gegenüber nicht völlig zu verletzen – sonst wird er, oder sie, nicht weiter mit uns kooperieren. Akteure in Institutionen aber agieren aus einer so überlegenen Machtposition, dass sie Beschränkungen der Verachtung durch die lebensweltliche Interaktion nicht beachten müssen: Die anderen müssen ja ohnehin kooperieren, ob sie es nun wollen oder nicht.

Ein einschlägiges Beispiel ist die Situation von Trennungsvätern, denen ohne Angabe von Gründen der Kontakt zu ihren Kindern genommen werden kann, die zugleich dafür herangezogen werden, diese Situation zu finanzieren – und die öffentlich verächtlich gemacht werden, wenn sie diese Finanzierung nicht leisten.

Die Verachtung gegenüber solchen Vätern wird unbeirrt in Medien und politischen Institutionen weiter exerziert – obwohl längst klar ist, dass nur ein verschwindend geringer Teil von ihnen (nach Angaben des zuständigen Ministeriums höchstens 4%) zahlen könnte, es aber nicht tut. (Hier lohnt es sich sehr, den gesamten Thread zu lesen, auch wenn er sehr lang ist.)

Ein anderes Beispiel ist die Verweigerung der Hilfe für Männer bei häuslicher Gewalt.  Die IG Jungen, Männer und Väter kritisiert in einer Pressemitteilung, dass die Familienministerin Giffey gerade 120 Millionen Euro für den Schutz von Frauen vor Gewalt ausgebe, den nötigen Schutz für Männer aber völlig ignoriere. Da häusliche Gewalt in aller Regel Ergebnis einer Dynamik ist, zu der Männer und Frauen beitragen, wären Hilfsangebote für beide tatsächlich deutlich effektiver.

Dass Männer aus dem Schutz ausgeschlossen werden, markiert sie jedoch als Tätergeschlecht, das Schutz und Hilfe gewiss nicht nötig habe. Davon haben Frauen zwar nichts, es legitimiert aber die bestehende Infrastruktur.

So produziert die Geschlechterpolitik, die eigentlich eine Institutionenpolitik ist, eben das, was Marx als „Entfremdung“ bezeichnet hat: Menschen trete das Produkt ihrer eigenen Arbeit und Anstrengung als fremd und feindlich gegenüber.

Väter machen durch ihre Arbeit überhaupt erst Bedingungen möglich, in denen ihnen und ihren Kindern der Kontakt zueinander willkürlich vorenthalten wird.

Menschen, Männer und Frauen, finanzieren Institutionen, die ihnen im Gegenzug eine Hilfe anbieten, die sie gar nicht brauchen, und von denen sie in toxische Gewalttäter und hilflose Hascherl unterteilt werden.

Frauen aber sind deutlich selbstbestimmter und eigenständiger, Männer sind deutlich weniger macht- und gewaltfixiert, Männer und Frauen sind weitaus stärker auf die Kooperation miteinander angewiesen, als feministische Positionen der politischen Institutionen ihnen das zugestehen.

Natürlich brauchen wir funktionierende Institutionen, ein Bildungssystem, ein Gesundheitssystem, Polizei und Justiz, eine öffentliche Infrastruktur, und es ist eines der wesentlichen Versäumnisse der Politik der vergangenen zwei Jahrzehnte, sich für diese Infrastruktur kaum interessiert zu haben. Aber wir brauchen keine Institutionen, deren einzige wesentliche Leistung darin besteht, wieder und wieder Gründe für die dringliche Notwendigkeit ihrer eigenen Existenz zu produzieren.

Der Artikel erschien zuerst auf man tau.

 

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