Harald Eia, mit einem MA in Soziologie und Norwegens bekanntester Komiker, kam nach seinem Studium zu der Erkenntnis, dass die Gendertheorie – nach der Mann und Frau gleich seien und alle Unterschiede ihre Ursache ausnahmslos in gesellschaftlichen Prägungen hätten nicht mit den klassischen Wissenschaften wie Biologie, Anthropologie etc. übereinstimmen.

Harald Eia

Sein Kommentar: „Ich fühlte mich von meinen Universitätslehrern betrogen“. Eia’s Idee war es, das „Gender Paradox“ in Norwegen zu hinterfragen. Dieses Paradox besteht in einem Widerspruch zwischen jahrzehntelanger „gendersensibler“ Erziehung zur Gleichheit (hier der Genderplan [1] des Europäischen Rats von 2011) und den nach wie vor unterschiedlichen männlichen und weiblichen klassischen Berufswahl. Dieser Unterschied war bezeichnenderweise seit langem größer als in vergleichbaren Ländern. Das Thema wurde mehr und mehr zu einem Tabu in der norwegischen Öffentlichkeit. Das wollte Harald Eia u.a. durchbrechen.

Er organisierte ein Kamerateam und stellte bekannten norwegischen Wissenschaftlern kritische Fragen zur Gendertheorie im Vergleich zu Erkenntnissen aus den klassischen Wissenschaften. Es waren Fragen über sexuelle Orientierung, Geschlechtsrollen, Gewalt, Rasse und Erziehung. Er tat dies mit seinem fundierten Vorwissen in einer geplant naiven, aber humorvollen Fragetechnik. Solche Art Fragen waren die Wissenschaftler nicht gewohnt, besonders nicht bezüglich der bis dato sakrosankten Gendertheorie. Viele Interviewte merkten erst danach, was da eigentlich abgelaufen war. Ehe sie sich beschweren konnten, gingen seine Interviews im Frühjahr 2011 beim staatlichen TV-Sender NRK in der Sendereihe „Gehirnwäsche“ auf Sendung. Die Öffentlichkeit war schockiert und die Wissenschaft entsetzt.

NRK sendete sieben EIA-Videos [2]. Das Video, was am meisten die Wissenschaftsszene und dann die politische Szene anheizte, war das Video Nr.1: „The Gender Equality Paradox“. Es war das Thema, was Harald Eia veranlasste, die „Basics“ der ganzen Gender-Theorie zu hinterfragen. Harald Eia thematisierte im ersten Video die hoffnungslosen, jahrzehntelangen, ”gendersensiblen” Umerziehungsversuche zu einer geschlechtsunabhängigen Berufswahl. Das Ergebnis: ein unverändertes Berufswahlverhalten von Mädchen und Jungen. Ebenso sehenswert ist das Video Nr 7 “Nature and Nuture”, in dem es um die klassische Frage der genetischen und kulturellen Einflüsse auf den Menschen geht.

Wissenschaftliche Diskurse waren in Norwegen generell bis zu den Eia-Videos öffentlich einfach nicht existent. Nach den TV Sendungen fand über Wissenschaft und speziell über das „Gender“ Thema eine landesweite Debatte statt. Über diese Entwicklung wird in der Pressemitteilung des Europäischen Journalistenverbandes [3] folgendes Resümee gezogen:

So even if Eia’s methods have been critisised, there is now a general agreement that the result of this project has been good for both the sciences and society as a whole. For the first time, science is really being discussed. Even if many strange things have been said and written, this has been (and still is) a unique educational process for both the general public and the scientific community.

Ein späteres Ereignis in diesem Zusammenhang war noch viel sensationeller: am 19.Oktober 2011 erschien eine Pressemitteilung, die die Schließung des NIKK, des Nordic Gender Institute zum Jahresende 2011 ankündigte. Damit war der Förderstop auch für Genderstudies des skandinavischen Institutes verfügt. Dies wurde mit einer einstimmigen Entscheidung des Nordic Council (ein Rat aller vier skandinavischen Minister für „Gender equality and migration“) beendet. Der Council begründete [4] seine Entscheidung damit, dass es dem NIKK mit seinen Genderstudies nicht gelungen sei, weder zur wissenschaftlichen Debatte in allen nordischen Ländern beigetragen, noch mit Umsetzung ihrer Ergebnisse die Brücke zur Gesamtgesellschaft geschlagen zu haben. Und das in dem „Genderland Nr. 2“ auf der Welt (nach dem Global Gender Gap Index 2011 [5])! Auch der Versuch, die Genderstudies durch sinnvolle Projekte zu ersetzen, wurde von dem Council abgelehnt.

Das ist alles Monate her. Wir erfuhren von den Videos von unseren französischen Kollegen im Mai 2012. Allerdings konnten wir damit nicht sonderlich viel anfangen, weil die Hintergründe unklar waren. Erst kürzlich gelangte obige Pressemitteilung über diverse Google Alerts an unsere Adresse. Warum diese monatelange Verzögerung? Warum war darüber bisher in der deutschen Presse monatelang nichts zu finden? Gab es da ein Schweigekartell? Und wenn ja, warum? Wir vermuten: die Gründe für den Förderstop könnten auch in Deutschland zu einer möglichen Evaluation der deutschen Gender Studies führen:

Es braucht eine Art „Besessenheit“ eines Einzelnen (hier: ein Mann), so ein Evaluation – Projekt zu initiieren und gegen eine geschlossene ideologische Front durchzustehen. Die seit den 70ern praktizierte „Genderlehre“ – ohne Austausch mit den klassischen Wissenschaften – ist im sozialdemokratischen Norwegen wie ein Kartenhaus zusammengebrochen. Die befragten Genderexperten waren es offensichtlich nie gewohnt, dass ihre Theorie öffentlich hinterfragt wurde. Ihre Diskursfähigkeit wurde somit kaum auf die Probe gestellt. Die Staatsideologie „Gender“ wurde auch in Norwegen durch die Bürgergesellschaft nie legitimiert. Gender gehörte nicht zum öffentlichen Diskurs, obwohl es gerade ihn manipuliert hatte. Der Wohlfahrtsstaat (in Norwegen noch finanziert durch die Erdölförderung) ermöglichte eine Parallelwelt dieser Ideologie, beide sind allerdings eine schädliche Kooperation eingegangen. Harald Eia konnte zeigen: „Money corrupts science“.

Eine Google – Analyse der Netz-Reaktionen zu unserem Artikel hat ergeben: die Reaktionen stammen bisher fast ausschließlich aus der Bloggerszene, d.h. die online – Ausgaben der Printmedien schweigen und ebenso schweigt die Genderszene. Das bedeutet, dass der eigentliche Diskurs über die Gendertheorie noch nicht begonnen hat. Die Genderszene kann es sich schlicht „leisten“, zu schweigen. Und die Medien? Dazu hören wir von einem Journalisten der Printmedien: “Gender liegt nach wie vor unterhalb der Wahrnehmungsschwelle eines normalen Lesers“. Das ist wohl wahr, denn man sollte bedenken, dass schätzungsweise 90% der Bevölkerung noch nie etwas von „Gender“ gehört hat. Das ist Programm. Ein staatsideolgisches Programm, welches ungehindert durch eine parlamentarische Opposition, weiterhin ihre stetig fließenden Fördermittel in Millionenhöhe bezieht. Darüber besteht parteienübergreifend ein stillschweigendes Einvernehmen. Genderprojekte sind “Abnickprojekte”. Diese Tatsachen sind mit einzubeziehen, wenn man an eine Übertragung, an einen Transfer auf die deutsche Situation denkt:

Was lernen wir für unsere deutschen Verhältnisse aus dem norwegischen Vorfall? Der Gleichheitsgedanke ist in Norwegen seit Jahrzehnten stärker verankert als in Deutschland, und trotzdem hat es nur eines Komikers bedurft, um nachzuweisen, dass die Gendertheorie nur aus einer Ansammlung von unbewiesenen Behauptungen besteht. Es ist unfassbar: trotzdem meint die Genderideologie, einen universellen, ja sogar totalitären Anspruch zu besitzen – ohne öffentlichen Widerspruch, geschweige denn Empörung… Zunächst übertragbar auf deutsche Verhältnisse sind im besonderen die Argumente des Förderstops des Nordic Councils: die überwiegende Abkapselung der Gendertheorie von den klassischen Wissenschaften (ein interdisziplinärer Diskurs würde den ideologisch-totalitären Kern der Genderideologie bloßstellen). Eine Ausnahme stellt die Pädagogik dar. An den Hochschulen und in den Kultusministerien ist sie mit der Genderideologie in den letzten Jahren eine Art Symbiose eingegangen.

Genau wie in Norwegen wurden in Deutschland jahrzehntelang die Phänomene der Abkapselung und Scheu vor Öffentlichkeit einer Staatsideologie, wie die Genderideologie, von der Gesellschaft nicht hinterfragt. Im Gegenteil: die Gendertheorie konnte sich zu einem gut subventionierten Tabuthema entwickeln. Die Gründe für den Förderstop, beschlossen von den skandinavischen Ministern des Nordic Council, sollten für uns eine bedeutsame politische Signalwirkung haben, weil er u.a. den gesellschaftlichen Nutzen von Gender Studies prinzipiell in Frage stellt. Diese Entwicklung hat kürzlich auch an Universitäten in den USA eingesetzt. Ein Transfer der norwegischen Erfahrungen auf unsere Situation muss hier bei der Frage der sachgemäßen Mittelverwendung der Fördermittel und der fehlenden Umsetzbarkeit ansetzen.

 

[1] Genderplan: http://www.coe.int/t/dghl/standardsetting/equality/03themes/standards-mechanisms/EG(2001)7_en.pdf

[2] EIA-Videos: http://www.youtube.com/watch?v=-u_AnNTSujA%20

[3] Europäischen Journalistenverbandes: http://eusja.wordpress.com/2010/04/26/norway-brainwashed-science-on-tv-creates-storm/

[4] begründete: http://agensev.de/wp-content/uploads/NC-Beschlussvorlage-Schließung1.pdf

[5] Global Gender Gap Index 2011: http://www3.weforum.org/docs/WEF_GenderGap_Report_2011.pdf

[6] www.agensev.de: http://www.agensev.de

 

Bildnachweis: Harald Eia

 

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