Gordon Tullock, einer der Väter der public choice theory, hat sich insbesondere mit dem Phänomen des rent seekings beschäftigt und rent seeking dabei als alles, definiert, das einen “negative social impact” hat (Tullock, 2005, S.9).

Die breite Definition von rent seeking nimmt dem Konzept einiges von seiner Sprengkraft, ist damit doch der Versuch bestimmter gesellschaftlicher Gruppen gemeint, sich auf Kosten aller anderen Mitglieder einer Gesellschaft einen finanziellen Vorteil zu verschaffen ohne dafür eine entsprechende Mehrleistung zu erbringen. Anders formuliert: rent seeking verweist auf diejenigen, die sich zurücklehnen und für ihr bloßes Dasein oder ihre ganz alltägliche Tätigkeit im Vergleich mit anderen überproportional, d.h. über den Marktpreisen bezahlt werden wollen. Rent seeking ist somit ein eklatanter Verstoß gegen das Prinzip der equity, nachdem die Auszahlung, die jemand für seine Anstrengungen erhält, den Auszahlungen enspricht, die andere Akteure für vergleichbare Anstrengungen erhalten.

the-rent-seeking-societyGemessen an dieser Theorie ist die Anzahl der rent seeker in Deutschland enorm. So erhalten Bundestagsabgeordnete bereits nach zwei Legislaturperioden Altersbezüge in Höhe von mindestens 1.682 €. Die Durchschnittsrente für nicht-Abgeordnete, die nicht 8, sondern 45 Arbeitsjahre hinter sich haben, beträgt dagegen 1.176 €. Klassisches rent seeking. Eltern erhalten für eine Leistung, die nach wenigen Sekunden und neun Folgemonaten erbracht ist, staatliche Subventionen, die auch von Kinderlosen erbracht werden. Die Leistungen die sich rund um die Herstellung von Kinderbesitz ansgesammelt haben, bilden einen von allen Kinderlosen mitzufinanzierenden Speckgürtel, der das zu Hause bleiben von Müttern ebenso finanziert wie die Mitversicherung von Kindern in gesetzlichen Krankenkassen. Klassisches rent seeking. Landwirte, die Produkte herstellen, die mit Blick auf den Weltmarkt stark überteuert sind, werden durch Subventionen von Wettbewerb freigestellt. Konsumenten zahlen nicht nur die Subventionen, sondern auch überhöhte Preise für Agrarprodukte. Klassisches und in diesem Fall gleich doppeltes rent seeking.

Seit einigen Jahren hat sich der langen Reihe der rent seeker in Deutschland (und nicht nur hier) die Feminismus-Industrie hinzugesellt. Seither zahlt es sich aus, auf “Gender” zu machen. Für Beiträge, die gemessen an gängigen Standards nicht einmal in die Nähe von Wissenschaftlichkeit kommen, gibt es einen Gender-Lehrstuhl, in Betrieben sitzen nicht nur Vertreter der Gewerkschaften, sondern auch Gleichstellungsbeauftragte, freigestellt von Arbeit, ihren Hintern platt. In Parteien schaffen es Aktivisten, mit dem Verweis auf ihr Geschlecht, die Ränge empor zu krabbeln. Beim BMFSFJ genügt es, den magischen Begriff “Gender mainstreaming” fallen zu lassen, und schon erfolgt eine willige Finanzierung der entsprechenden “Institutionen”, natürlich aus Mitteln der Steuerzahler. Doch dies ist der feministischen Industrie, die immer mehr Mäuler mit den durch rent seeking ergatterten Mitteln zu stopfen hat, nicht genug. Ihre neueste Anstrengung gilt den Töpfen der privaten Unternehmen, die sie als besonders lukrativ ansieht, und deshalb versuchen uns seit mehreren Jahren, mittel- bis ganz alte Frauen im Kostüm einzureden, dass es in privaten Unternehmen eine Diskrimierung von Frauen gäbe, weshalb man dafür sorgen müsse, dass der Anteil von mittelalten bis ganz alten Frauen im Kostüm in Aufsichtsräten erhöht werde.

Um der Öffentlichkeit die Notwendigkeit von Frauenquoten für Aufsichtsräte schmackhaft zu machen, werden vornehmlich drei Behauptungen aufgestellt:

  1. Mehr Frauen in Aufsichtsräten erhöhen die Diversifizität. Und Diversifizität ist gut für das Unternehmen.
  2. Mehr Frauen in Aufsichtsräten führen zu mehr Ideen und besserer Unternehmensführung, was zu besseren finanziellen Ergebnissen führt (Warum dies so sein sollte, sagen uns die Kostümierten leider nicht, obwohl dies in der Wissenschaft eigentlich üblich ist: Man begründet seine Behauptungen, wenn man eine Aussage macht, von der man zeigen will, dass sie korrekt ist. Aber es geht halt um rent seeking, nicht darum, ob etwas stimmt oder nicht stimmt. Beim rent seeking ist jede Behauptung, die sich auszahlt, gerne genommen.)
  3. Dass nicht mehr Frauen in Aufsichtsräten zu finden sind, und die versprochenen Wohltaten nicht erzielt werden können, liegt, wie Viviane Reding so gerne sagt, an einer “group of middle-aged, business suit wearing men”; Dies sagt die mittelalte (?) Justiz-Kommissarin der EU aus ihrem Kostüm heraus, und behauptet weiter, dass diese middle-aged …men Frauen diskrimieren, indem sie eine gläserne Decke einziehen.

Wie immer, wenn Politiker Töpfe öffnen, an denen sich trefflich partizipieren lässt, so schossen auch im Zuge der “Frauenförderung”, die Institutionen, die Frauen mit was und wie auch immer fördern wollen, aus dem Boden, wie die Pilze. Die Feminismusindustrie ist mittlerweile milliardenschwer, weidet an den Töpfen von Europäischem Sozialfonds, BMFSFJ und diversen sonstigen Quellen und ist darüber hinaus vor allem gierig nach mehr. Entsprechend haben sich unzählige Institutionen die lukrative “Frauenförderung” zu eigen gemacht und ihren Anteil  u.a. mit vermeintlichen Studien gesichert, die zeigen, dass mehr Frauen in Aufsichtsräten die wohltuenden Effekte haben, die oben aufgeführt sind und deren Fehlen auf die gläserne Decke zurückzuführen ist, die so gerne behauptet wird. Es ist ein Verdienst von wenigen Wissenschaftlern, dass die miserablen Studien von McKinsey, Catalyst, der finnischen EVA und wie die Kostgänger des Staatsfeminismus auch alle heißen, mittlerweile als das Blendwerk, das sie sind, enttarnt wurden. Insbesondere drei wissenschaftliche Untersuchungen haben die Mär von der Benachteiligung aufstiegswilliger Frauen in Unternehmen und der positiven Wirkung von Frauen in Aufsichtsräten zerstört und die Realität wieder hergestellt.

Es sind dies die Untersuchungen von

  • Kenneth Ahern und Amy Dittmar (2011): The Changing of the Boards: The Impact on Firm Valuation of Mandated Female Board Representation
  • Øyvind Bøhren und Øyvind Strøm (2010): Governance and Politics: Regulating Independence and Diversity in the Board Room
  • Thomas Ochsenfeld (2012): Gläserne Decke oder goldener Käfig: Scheitert der Aufstieg von Frauen in erste Managementpositionen an betrieblicher Diskriminierung oder an familiären Pflichten?

Das Besondere an diesen drei Studien, das nicht nur dazu führt, dass sie allen Studien, die vermeintlich belegen, dass sich Frauenquoten worauf auch immer positiv auswirken, haushoch überlegen sind, sondern auch dazu, dass die Ergebnisse dieser drei Untersuchungen, im Gegensatz zu den meisten anderen Studien, die sich auf dem Markt befinden, ernstzunehmen sind, besteht darin, dass alle drei Untersuchungen auf Paneldaten basieren, d.h. die Autoren untersuchen Veränderungen über Zeit: Ahern und Dittmar untersuchen die Entwicklung von Buch- und Marktwert sowie einer Vielzahl sie beeinflussender Faktoren für norwegische Firmen über mehrere Jahre, und zwar vor und nach Einführung einer verbindlichen Frauenquote in Aufsichtsräten von norwegischen und börsennotierten Unternehmen. Bøhren und Strøm untersuchen die Entwicklung von Einflussfaktoren auf Buch- und Marktwert norwegischer Unternehmen über mehrere Jahre vor der Einführung einer verpflichtenden Frauenquote, und Thomas Ochsenfeld verfolgt Absolventen von Hochschulen über mehrere Jahre und zeichnet ihren weiteren beruflichen Lebensweg nach, wobei er sich vor allem für diejenigen interessiert, die eine gehobene Managementposition anstreben. Entsprechend kann man auf Basis dieser drei Studien gesicherte Aussagen darüber machen, wie es sich um die Behauptungen, mit denen uns Staatsfeministen in den Ohren liegen, verhält.

Die Aussagen könnten eindeutiger nicht sein:

  • Thomas Ochsenfeld kann eindeutig nachweisen, dass es keine Diskriminierung von Frauen in deutschen Unternehmen gibt. Der geringere Anteil von Frauen in Führungspositionen des Managements, den er in seinen Daten findet, erklärt sich fast vollständig über die Wahl von Studienfächern, die einer Position im Top-Management nicht förderlich sind (Medienwissenschaft z.B.) und über die Entscheidung, Nachwuchs zu produzieren, die eine Entscheidung gegen eine berufliche Karriere ist und immer bleiben wird, denn sie geht in der Regel mit einer entsprechenden und geringen beruflichen Aspiration einher.
  • Kenneth Ahern und Amy Dittmar können zeigen, dass die Einführung einer Zwangsquote, die norwegische Unternehmen dazu verurteilt hat, ihre Aufsichtsräte zu 40% mit Frauen zu besetzen, verheerende Effekte auf Buch- und Marktwert der Unternehmen hatte, verheerende Effekte, die durch eine Verschlechterung der Qualität der Entscheidungen, die im nunmehr zu 40% aus Frauen bestehenden Aufsichtsrat getroffen wurden, verursacht wurde.
  • Øyvind Bøhren und Øyvind Strøm widerlegen die letzte noch verbliebene Behauptung der Staatsfeministen, die besagt: Diversifizität sei gut und befördert die Performanz von Unternehmen. Das Gegenteil ist der Fall. Wie Bøhren und Strøm zeigen, wirken sich Aufsichtsräte, die diversifiziert sind vor allem dann negativ auf die Entwicklung des Unternehmens aus, wenn die Diversifizität in einem höheren Frauenanteil besteht. Dagegen wirkt es sich positiv auf die Entwicklung von Unternehmen aus, wenn die Mitglieder des Aufsichtsrat auch in anderen Aufsichtsräten sitzen und ihre Informationen, die sie in unterschiedlichen Kontexten gewinnen, nutzenbringend einsetzen können. Wie Bøhren und Strøm am Ende ihres Beitrags schreiben, widersprechen ihre Ergebnisse allen Behauptungen, die Politiker in den letzten Jahrzehnten von sich gegeben haben, vom positiven Einfluss von Frauen im Besonderen und Diversifizität im Allgemeinen, über die Bedeutung einer Arbeitnehmerbeteiligung bis hin zur Notwendigkeit, die Anzahl von Aufsichtsratsämtern zu begrenzen.

Wer angesichts dieser vernichtenden Datenlage, wer angesichts dieser wissenschaftlichen Befunde weiterhin für eine Frauenquote eintritt, nimmt damit willentlich und wissendlich in Kauf, nicht nur die betroffenen Unternehmen, sondern die gesamte Gesellschaft zu schädigen. Und damit wären ich wieder beim rent seeking angekommen, dem Suchen eigener Vorteile auf Kosten der “Allgemeinheit”. Das ist, was Staatsfeminismus im Kern ausmacht, der Versuch, wenige auf Kosten vieler zu bereichern.

Literatur

  • Ahern, Kenneth & Dittmar, Amy (2011): The Changing of the Boards: The Impact on Firm Valuation of Mandated Female Board Representation.
  • Bøhren, Øyvind & Strøm, Øyvind (2010): Governance and Politics: Regulating Independence and Diversity in the Board Room. Journal of Business Finance & Accounting 37(9): 1281-1308.
  • Ochsenfeld, Thomas (2012). Gläserne Decke oder goldener Käfig: Scheitert der Aufstieg von Frauen in erste Managementpositionen an betrieblicher Diskriminierung oder an familiären Pflichten? Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 64(3): 507-534.

 

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