Die Abstimmung im Deutschen Bundestag über Frauenquoten in Aufsichtsräten könnte auch für Österreich Signalwirkung haben. Wie seriös aber ist die Rechnung, die dem Ansinnen zugrunde liegt?

Oft wird angenommen, dass politische oder andere gesellschaftliche Akteure versuchen, die Öffentlichkeit dadurch zu manipulieren, dass sie falsche statistische Daten in Umlauf bringen, doch diese Vermutung ist meistens falsch. Wenn jemand versucht, die Menschen mit statistischen Daten in die Irre zu führen, geschieht das meist mit richtigen Daten.

Oft kann man mit einem einfachen Kniff dafür sorgen, dass sie das Gegenteil dessen auszusagen scheinen, was sie tatsächlich aussagen. Der Kniff besteht darin, dass man die richtigen Zahlen an falschen Bezugsgrößen misst. Einen Fall, wo dies mit besonderer Dreistigkeit geschah, gab es im Bundestagswahlkampf 1998. 

Äpfel und Balken

In einer Fernsehdiskussion saßen sich damals Wolfgang Schäuble, damals Bundesinnenminister, und Oskar Lafontaine, damals SPD-Vorsitzender und Ministerpräsident des Saarlandes, gegenüber. Schäuble hielt Lafontaine die hohe Arbeitslosenquote im Saarland vor. Lafontaine, der diesen Angriff erwartet hatte, zog daraufhin eine Tafel hinter seinem Stuhl hervor, die eine Grafik zeigte, aus der hervorging, dass die Arbeitslosigkeit, gemessen an der Ausgangssituation, in den vorangegangenen Jahren im Saarland weitaus weniger zugenommen hatte als in Bayern.

Das Bild war beeindruckend: Bei Bayern war ein riesiger Balken zu sehen, beim Saarland nur ein ganz kleiner. Der Trick bestand in der Bezugnahme auf die vorherige Ausgangssituation. Ein kleines Rechenbeispiel: Hans hat zwei Äpfel und bekommt zwei Äpfel dazu. Das ist ein Zuwachs von hundert Prozent. Peter hat zehn Äpfel und bekommt vier Äpfel dazu. Das ist ein Zuwachs von vierzig Prozent. Preisfrage: Wer hat mehr Äpfel bekommen?

Verzweifelte Kandidatinnensuche

Einen in der Logik ähnlichen Fall erleben wir derzeit in der öffentlichen Diskussion um die Forderung, eine Frauenquote von 40 Prozent in den Aufsichtsräten großer Unternehmen einzuführen. Die Argumentation verläuft dabei meistens wie folgt: Frauen machen die Hälfte der Bevölkerung aus, stellen aber nur 15 Prozent der Aufsichtsräte in den DAX-Unternehmen. Das sei eine offensichtliche Benachteiligung der Frauen, der nun, nachdem sich über Jahre hinweg nichts Wesentliches geändert habe, mit staatlichen Eingriffen abgeholfen werden müsse.

Diese Argumentation wäre richtig, wenn Frauen im gleichen Maße Position in den Aufsichtsräten großer Unternehmen anstreben würden wie Männer. Doch es spricht nichts dafür. Wer sich einmal in den entsprechenden Kreisen in den Unternehmen umhört, wird feststellen, dass dort nicht die Männer von innen die Türen zuhalten um die hereindrängenden Frauen fernzuhalten, sondern dass die Unternehmen, in dem Bestreben, ja nur nicht als frauenfeindlich zu gelten, verzweifelt auf der Suche nach geeigneten Kandidatinnen sind.

Flehentliche Hinweise

Das gilt übrigens nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Spitzenpositionen in anderen Bereichen. In jeder Ausschreibung für eine Universitätsprofessur findet sich der geradezu flehentliche Hinweis, es möchten sich doch bitte, bitte Frauen um die Stelle bewerben.

Dies aber, die Bereitschaft, sich für eine entsprechende Position zur Verfügung zu stellen, und nicht der Anteil der Frauen an der Gesamtbevölkerung, ist die richtige Bezugsgröße, wenn man feststellen will, ob Frauen im Wirtschaftsleben benachteiligt werden oder nicht. Sind unter den Kandidaten für die Aufsichtsratsposten 50 Prozent Frauen, ist es in der Tat ein Kennzeichen für Diskriminierung, wenn nur 15 Prozent der Positionen von Frauen besetzt werden. Liegt der Anteil der Kandidatinnen, was der Wirklichkeit vermutlich wesentlich näher kommt, bei 10 Prozent, kann von einer Diskriminierung keine Rede sein.

Instrument zur Etablierung von Chancenungleichheit

Es ist also ein simpler statistischer Taschenspielertrick, mit dessen Hilfe die verpflichtende Frauenquote als Instrument zur Durchsetzung von Chancengleichheit erscheint. Tatsächlich ist sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das Gegenteil: Ein Instrument zur Etablierung von Chancenungleichheit. Sie bedeutet eine massive Benachteiligung von männlichen Kandidaten, widerspricht damit dem Antidiskriminierungsgesetz und ist vermutlich darüber hinaus verfassungswidrig. Es wird spannend sein zu sehen, ob sich im Ernstfall jemand traut, gegen sie in Karlsruhe zu klagen.

 

 

Weitere Beiträge

Gewalt gegen Jungen ist okay: Bitte spenden Sie jetzt!

Ein Brief an das Kinderhilfswerk Plan
Sehr geehrte Damen und Herren vom Kinderhilfswerk Plan,Ich hatte zunächst lange nach der Pointe gesucht. „Gewalt gegen Mädchen“ steht auf Ihren Plakaten, das Wort Gewalt ist dick und rot durchgestrichen, und daneben sieht uns ein großes Mädchengesicht an. Eine aggressive Kampagne, mit Anzeigen und Beilagen in vielen Medien und Plakaten in mehreren...

Quoten-Kunst-Kanon


Es gibt immer noch Bereiche, in denen Männer und Frauen nicht zu gleichen Teilen repräsentiert sind. Dazu gehören die Müllabfuhr und die Stahlgießerei. Auch in den Bergwerken und beim Militär kann es noch vorkommen, dass man auf mehr Männer als Frauen stößt.
Das macht den Genderideologen aber nichts aus, denn diese Jobs sind viel zu anstrengend und schlecht bezahlt, als dass da eine Frauenquote...

So machen Sie Quotengegnergegner mundtot


"So machen Sie Quotengegner mundtot" verspricht die SZ anhand von den beliebtesten handentkräfteten Gegenargumenten zu erklären.
Was folgt, ist ein jeweils "beliebtes" Gegenargument zur Quote in Vorständen, um danach entsprechende Pro-Quote-Argumente zu bringen. Das ist natürlich ein Spiel, das zwei spielen können, daher soll hier Stellung zu den Quote-Argumenten genommen werden, zu deren...

Eine Stimme der Vernunft


In einem Beitrag auf der Seite der ARD wird wieder mal das Thema „Frauenquote“ diskutiert.
Warum eine Frauenquote für die Wirtschaft, von der ca. 200 Frauen aus der Oberschicht profitieren würden, ein wichtiges Thema ist, wird dabei nicht erläutert. Warum berichten die ARD und andere Leitmedien nicht in ähnlicher Häufigkeit und Ausführlichkeit über beispielsweise die Obdachlosigkeit, von der in der BRD...

Wo steht der Feind? Markus Theunert über Geschlechterpolitik


Erinnern wir uns rasch: Im Frühsommer 2012 hatte der Kanton Zürich für seine Gleichstellungsarbeit einen „Männerbeauftragten“ eingestellt: Markus Theunert. Nach rekordverdächtigen drei Wochen war das Arbeitsverhältnis schon wieder aufgelöst.
Wenn Theunert nun ein Buch zur Geschlechterpolitik vorlegt, könnte erwartet werden, dass er  dieses persönliche Erlebnis mit der Gleichstellungswirklichkeit in...

Von Natur aus besser? Der Biologismus hinter der Frauenquote in Aufsichtsräten


Das Bundesministerium für FSFJ hat einen freiwillig verpflichtenden Stufenplan erstellt, dem sich Unternehmen erst unterordnen dürfen, dann unterordnen müssen, Ziel: “Mehr Frauen – mehr Vielfalt in Führungspositionen”. Eine Initiative, “Frauen in die Aufsichtsräte”, FidAR e.V., die in Berlin ansässig ist und die vom BMFSFJ finanziert wird, hat nichts anderes zum Ziel, als den Frauenanteil in...

Weiblicher Narzissmus, Männerhass und Frauenpolitik


Für den Narzissten zählen nur seine Gefühle, Wünsche und Interessen. Werden die Erwartungen, die er an andere Menschen stellt, nicht erfüllt, so fühlt er sich gekränkt. Er reagiert auf die anderen mit Wut und nicht selten mit Hass.
Übertragen auf das Verhältnis der Geschlechter heißt es: Erfüllen Männer nicht die Erwartungen von narzisstischen Frauen, Erwartungen, die oft dem traditionellen...

Catherine Hakims Präferenztheorie: Was Frauen wollen


Ein alternativer Ansatz zur Diskriminierungsthese In Deutschland werden ungleiche Verteilungen zwischen den Geschlechtern in den Spitzenpositionen in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik vor allem auf Diskriminierung zurückgeführt. Dies ist ein Erklärungsansatz, aber nicht der einzige.
Die britische Soziologin und Arbeitsmarktexpertin Catherine Hakim hat schon vor einigen Jahren einen...