Im Gefolge der aktuellen Bundeswehr-Studie sind auch sexuelle Übergriffe bei unserer Armee wieder ein Thema in unseren Medien.

soldaten-lagh7639

Geliefert wird uns aber, wie gewohnt, nicht das ganze Bild – dafür ist der Pöbel in den Blogs und Kommentarspalten da, wobei immer mehr Journalisten freimütig bekennen, sich deren Wortmeldungen unter einem Artikel erst gar nicht mehr durchzulesen. (Zur Arroganz mancher Journalisten gegenüber Nicht-Journalisten siehe aktuell auch Stefan Niggemeier.)

Was etwa das Thema "Was sagt die aktuelle Bundeswehr-Studie über sexuelle Gewalt in der Truppe aus?" angeht, hat mich einer meiner Leser auf eine interessante Wortmeldung im Forum von Spiegel-Online hingewiesen. Der Zitierte hatte den Job übernommen, für den eigentlich Journalisten bezahlt werden, und sich die Bundeswehr-Studie genauer angeschaut. Dabei gelangt er zur folgenden bemerkenswerten Erkenntnis:

Das Thema sexuelle Belästigung wurde in 4 Kategorien eingeteilt (von einfachen Fällen bis hin zu Handlungen gegen die sexuelle Selbstbestimmung). Unter die letzte Kategorie fallen u.a. sexuelle Nötigungen und Vergewaltigungen.

Es wird beispielsweise von 113 solcher Vorfälle (Kategorie 4) begangen durch männliche Vorgesetzte berichtet, Opfer waren zu 2/3 weibliche Soldaten zu 1/3 männliche Soldaten ...

und von 57 solcher Vorfälle begangen von weiblichen Vorgesetzten, Opfer waren zu rund 45% Männer. Man höre und staune.

Ähnliche Relationen bei weiblichen Kameraden und Untergebenen. Zwei Vergehen männlicher Soldaten steht ein Vergehen weiblicher Soldaten gegenüber. Siehe Studie Seite 54, Tabelle 10.

Die Gleich"berechtigung" scheint hier langsam voll anzukommen ... diese Zahlen sind besonders bemerkenswert, da sich z.B. die Anzahl weiblicher Vorgesetzter mit Sicherheit noch in Grenzen hält.

Aufschlussreich ist in der Studie selbst im übrigen diese Passage, die erklärt wie sich diese aktuelle Untersuchung von der Vorgängerstudie von 2005 unterscheidet:

Ein weiterer wichtiger Unterschied zwischen den beiden Befragungen besteht darin, dass die männlichen Soldaten in der Befragung 2005 gefragt wurden, ob sie Kenntnis von sexueller Belästigung bei Soldatinnen in ihrer eigenen Einheit haben. In der vorliegenden Befragung wurden sie ebenso wie die weiblichen Soldaten zu selbst erfahrener sexueller Belästigung befragt.

Mit anderen Worten: Die Befragung von 2005 war sexistisch und kam gar nicht erst auf den Gedanken, dass auch Männer Opfer sexueller Übergriffe sein können. Womöglich aufgrund der Debatte über männliche Opfer sexueller Übergriffe beim US-Militär (Genderama berichtete) wurde dieser Sexismus jetzt aufgegeben. In der Studie. Nicht bei unseren Leitmedien. Die interessieren sich immer noch nur für weibliche Opfer. Und dass ihre Leser längst viel weiter sind, bekommen sie kaum noch mit.

Der Artikel erschien zuerst auf Genderama.

 

Weitere Beiträge

Gleichstellungspolitik und mediale Aushöhlung des Grundgesetzes


In der ARD wurde am 21. Mai 2014 ein Film über Elisabeth Selbert gezeigt, die sogenannte „Mutter der Gleichstellung“. Im Anschluss daran wurde über die Situation von Frauen in der Sendung PlusMinus diskutiert. Auf der Internet-Seite der ARD findet man auch eine Galerie mit Kommentaren zur Frauenquote. Auch von mir wurde dort ein Kommentar veröffentlicht.
Propaganda umgeht die kritische Vernunft oder...

Rot-grüner Beton


Vor der Abstimmung über die Frauenquote im Bundestag erregte sich Andrea Nahles über den CDU- Fraktionsvorsitzenden: „Unionsfraktionschef Volker Kauder hat die Frauen in der Union öffentlich aufgefordert, gegen ihr eigenes Gewissen zu stimmen.“
Tatsächlich wollten sich die Abgeordneten der Union, die mit dem Gedanken an eine Stimme für die Einführung von starren Frauenquoten in Unternehmen...

Der feministische (Selbst-)Betrug der SPD


Ich war heute bei der Tagung „Gender-Ungleichheiten und ihre Folgen – Wie arbeiten und wirtschaften wir weiter?” des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und der SPD-„nahen” Friedrich-Ebert-Stiftung (FES).
Sieht aus, als wäre der Feminismus primär gescheitert, in der Krise und in der Rettungsphase. (Ich war nur bis etwa 16.30 dort, zu mehr hat mir die Zeit heute nicht gereicht.)
...

Erschienen: "Gender Studies - Wissenschaft oder Ideologie?"

Was bedeutet “Gender”? Womit beschäftigen sich Gender Studies? Genügen ihre Grundkonzepte und Methoden wissenschaftlichen Standards? Wie beeinflussen Gender Studies die Politik? Die Publikation "Gender Studies - Wissenschaft oder Ideologie?" informiert über Gender Studies und ihre Auswirkungen auf die Politik.
Der Feminismus gehört zu den erfolgreichsten sozialen Bewegungen der neueren...

Immer neue Entmutigungen für junge Männer


Chancen bedeuten nicht Ergebnisse. Ergebnisgleichheit ist die Feindin der Chancengleichheit und Gleichberechtigung bedeutet nicht Gleichstellung!
Wie von Bettina Weiguny am 02. Juni 2012 vollkommen zutreffend konstatiert, steuert unsere Gesellschaft auf „Lauter verlorene Männer“ zu. Die ‚weibliche Brille‘, die uns im Rahmen unserer Sozialisation, die sich am ‚emanzipatorischen Fortschritt‘...

Lasst doch mal den Vati ran


In den Diskussionen um Familienpolitik gehen Väter meistens unter. Warum eigentlich?
Am Sonntag war es wieder so weit: Muttertag. Wir haben zwar nach wie vor nicht mehr Rente vom Staat, aber zumindest wieder Blumen von der Familie bekommen und Gebasteltes und kalten Kaffee ans Bett und wir haben uns gefreut.
 

Frauen - Opfer der Gesellschaft?


Wir alle haben es längst internalisiert: Frauen sind das diskriminierte, das benachteiligte, das unterdrückte Geschlecht.
In der Berufswelt, in der Familie, in der Partnerschaft und nicht zuletzt in der Sprache: Frauen sind das Opfer patriarchaler Strukturen. Seit bald zwei Generationen wird die Öffentlichkeit mit diesem Dogma bearbeitet.
 

Piratinnen – ein Frontbericht

23. Juni 2012, von Hadmut Danisch, zuerst erschienen in Hadmut Danischs Blog
Aus der deutschen Blogosphäre erreichte die Cuncti-Redaktion soeben folgende Meldung:
Ich hatte neulich gebloggt, dass ich der Piratenpartei beigetreten bin, allerdings erst mal probeweise für ein Jahr. Und dass ich darüber berichten wolle, im Guten wie im Schlechten. Hier nun ein Bericht über schlechte Erfahrungen.
Ich war vorhin...