Gender-Mainstreaming ist Leitkultur – und steht damit vor allem für das produktivitätsoptimierte, uninorme Geschlecht.

Geschlechter-nhux1946 Im Grunde lässt sich nicht vieles zum Zeitgeist sagen, zumindest nicht viel gutes. Das, was sich hinter dem verharmlosenden Ausdruck des Mainstream versteckt, ist die Simplifizierung der Moralvorstellung einer führenden Elite auf die kognitive Auffassungsgabe bildungsferner Gesellschaftsschichten. Denn nur wenn auch diese angesprochen und mitgenommen werden, erfüllt der Mainstream den Anspruch der Mehrheitsmeinung, des vorwiegenden Gedankenstroms einer Gesellschaft.

Zeitgeist ist Mainstream und somit zumeist eher auf Emotionen als auf Inhalte gerichtet. Der Mainstream wird von Medien moderiert und geführt, im Auftrag derer, die wiederum über die Mittel verfügen, die Medien zu führen.

Auch nach den Zeiten der NS-Barberei, in der freiheitlich demokratischen Bundesrepublik, bewies der Mainstream seine ihm innewohnende Widerwertigkeit. Viele können sich noch gut erinnern, wie in den 60er Jahren die Gammler, die nach Ansicht der Springer-Presse – allen voran der Bild - an die Wand gestellt gehörten. Bis in die beginnenden 90er Jahre noch galten Homosexuelle als Perverse, vor denen die Jugend zu schützen sei. Wenn sie schon nicht mehr wie bis zu Beginn der 70er ins Gefängnis gehören, dann doch zumindest aus der Gesellschaft verbannt.

Der Mainstream ist flexibel, sowohl seines Inhalts als auch seines Ausdrucks betreffend. Mit der Zwangspositivierung aller gesellschaftlichen Themen – eine Strömung der 90er-Jahre, die die Globalisierung trug - wandelte sich auch der Mainstream aus einer ablehnenden in eine fordernd zustimmende Gesellschaftshaltung. Der Gutmensch seiner Tage fühlte sich befreit aus dem Negativismus, der für die vielen schlimmen Taten verantwortlich sein sollte, die seine Väter und Großväter im Geiste ihrer Zeit begingen. Das perpetuum mobile des Gutmenschentums, in dessen Folge der gute Gedanke und die gute Tat der zwingende Wirkmechanismus der nächsten Generation des Gutmenschen ist, und die Unfehlbarkeit des Guten im kollektiven Master-Gedanken waren geschaffen.

Die vermeintlich kollektive Unfehlbarkeit und Einfachheit, das Gute erkennen zu können, ja zu müssen, lässt jedoch an der Leitlinien-Befähigung des Mainstreams zweifeln. Ein individuelles und halbwegs widerspruchsfreies Wertesystem lässt sich daran nicht ausrichten. Zutreffender lässt sich der Mainstream eher als Indikator des Geisteszustandes einer Gesellschaft sehen. An dessen Absurdität kann sich ihre gefährdete geistige Gesundheit offenbaren.

Eine solche Absurdität wird offenbar, wenn aus dem Mainstream artikulierende Forderungen in direktem Widerspruch zu physikalischen und biologischen Entitäten stehen und in ihren Folgen jeglichen soziologischen Wesenszügen und gesellschaftlichen Strukturen widersprechen. Einer dieser Widersprüche ist das Gender-Mainstreaming.

Vereinfacht ausgedrückt bedeutet Gender-Mainstreaming die Dekonstruktion des biologischen Geschlechts bis zur Belanglosigkeit als Gesellschaftsziel. Demnach hat das biologische Geschlecht keinen Einfluss auf die Entwicklung der Persönlichkeit, die Identifikation des eigenen Geschlechts, die soziale und gesellschaftliche Stellung, als auch die Definition des Ichs. Mann ist nicht Mann und Frau nicht Frau, weil sie als männlich oder weiblich geboren wurden, sondern ausschließlich als Produkt der gesellschaftlichen und erzieherischen Formung.

Somit hat niemand ein Geschlecht dadurch, dass er ein biologisches hat, sondern erst weil er es unabhängig davon frei und selbst definiert. Das Ziel ist die gewünschte und absolute Gleichstellung aller durch konsequente Verweigerung der Akzeptanz biologischer Entitäten. Der Widerspruch einer die Realität verweigernden Ideologie zu den biologischen und damit natürlichen Gegebenheiten einer Geschlechtlichkeit, offenbart die Absurdität dieses Gedanken.

Aber das Gegenteil geschah: Der zwanghafte missionarische Eifer, mit der die Gleichstellungspolitik betrieben wird, kann hinter den Kulissen als vermeintlich wirtschaftliches Erfordernis der Produktivitätsoptimierung gedeutet werden. Längst hat sie sich in Staats- und Bildungsinstitutionen manifestiert. Nachdem die Bundesregierung 1999 das Gender-Mainstreaming als Regierungsziel aufnahm und damit als Gesellschaftsziel definierte, gibt es heute kaum noch eine Universität, die nicht über einen Lehrstuhl in Gender-Studies verfügt.

Erstaunlich sind auch die Begründungen zum Gender-Mainstreaming. Zum einen sind es die Feministinnen, die sich das Thema auf ihre Fahne geschrieben haben. Vermisste doch der harte Kern den großen Durchbruch ihrer Kampagne. Es liegt die Vermutung nahe, dass nicht mehr eine erstrebenswerte Gleichberechtigung ihr Ziel war, sondern Revanchismus zum erlittenen Patriarchat – das Matriarchat. Zwar lässt sich das Matriarchat nicht mit Hilfe der Gender-Theorie errichten. Da aber die Männlichkeit als Wurzel allen Übels stigmatisiert wird, lässt sich zumindest aus revanchistischer Sicht als Teilerfolg verbuchen, selbige in ein kritisches Licht gerückt zu haben.

Die Wirtschaft freilich hält die Gender-Theorie in ihrem Sinne aus ganz anderen Gründen für zielführend. Zerschlägt sie doch wirkungsvoll das traditionelle Familienbild und damit die Begründung des sich bisher noch verweigernden Anteils jener Frauen, die sich der Einverleibung in den Produktionskreislauf aus Gründen der familiären Lebensgestaltung entziehen.

Letztendlich am fatalsten droht der “wissenschaftliche” Beitrag zum Gender-Mainstreaming zu werden. Psychologen und Soziologen sehen sich vor einer einmaligen Möglichkeit und wissenschaftlichen Herausforderung. Gilt es doch nunmehr nicht den Menschen als gegeben zu betrachten und alles andere um ihn herum definieren zu müssen. Ohne Geschlecht, ohne biologische Prägung, ohne sozialen Status per Geburt lässt sich eine Kompatibilität mit jeder gewünschten soziologischen Rahmenbedingung herstellen, in der ein Mensch einen bestimmten und nicht mehr, einen bestimmenden Platz einnimmt. Der uninorme Mensch als wissenschaftliches Ziel.

Das Gender-Mainstreaming ist Teil des großen politischen Projekts der Umgestaltung der Gesellschaft, in der nicht mehr die Umstände an den Menschen angepasst werden müssen, sondern der Mensch an die Umstände. Geboren wurde dieser Gedanke nicht aus den vorgeschobenen Gründen, die sich die Gender-Befürworter zu eigen machen, sondern aus dem ökonomischen Bewusstsein, dass die Gesellschaften in der heutigen Form die für die Zukunft gewünschten Maßgaben der Marktkonformität nicht erfüllen können.

Es ist die Individualität, die eine umfassende Vereinfachung der Märkte durch übergeordnet geltende Regelwerke verhindert. Sie gilt es zu überwinden und kein Weg ist wirkungsvoller als die Aberkennung der biologischen Identität und Individualität.

Diese Außerkraftsetzung evolutionärer Prinzipien zur Erreichung marktwirtschaftlicher Zielvorgaben wird aber seitens Politik und Wirtschaft verschwiegen. Stattdessen kommt Gender-Mainstream als politisch gelenkter Populismus daher, der über die Banalitäten des Offensichtlichen debattiert.

Der Artikel erschien zuerst auf Le Bohemien und Freigeist Blog.

 

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