Der Publizist Harald Martenstein hat vor einiger Zeit einen Vortrag zum Thema „Politische Korrektheit“ gehalten. Er wollte herausfinden, was das größte Tabuthema in Deutschland ist. Er hat fünf Themen angesprochen, die in Deutschland tabuisiert werden. Nur bei einem Thema gab es Proteste und einen wütenden Zwischenruf seitens des Publikums.

Hier gekürzt die fünf Themen:

1. "Ohne Vorurteile können wir nicht leben ... Menschen, die ernsthaft von sich behaupten, sie hätten keinerlei Vorurteile, sind gefährlich, weil sie sich selbst nicht infrage stellen."

2. "Wir sind nicht alle gleich ... Entscheidend ist die Frage, was aus dem Wissen um unsere Ungleichheit folgt. Folgt daraus Unterdrückung oder nicht? Und ist das, was auf Jahrhunderte sexistischer und rassistischer Unterdrückung folgt, ein Nelson-Mandela-Regime oder ein Robert-Mugabe-Regime?"

3. "Es gibt neue Ungleichheiten."

4. "Es gibt neue Religionen. Zwischen Männern und Frauen existieren, auch im Verhalten und im Alltag, eine ganze Reihe Unterschiede, die biologisch bedingt sind und nichts mit Gesellschaft zu tun haben, sie können auch nicht wegerzogen werden. Diejenige Strömung der Gender Studies, die diese offensichtliche Tatsache leugnet, hat etwa so viel mit Wissenschaft zu tun wie der Voodoo-Kult auf Haiti. Gender-Professorinnen sollten folglich nicht aus dem Wissenschaftsetat finanziert werden, sondern aus der Kirchensteuer."

5. "Witze können ein Liebesbeweis sein ... Deshalb ist es in einer Gesellschaft wie unserer meist ein gutes Zeichen, wenn über eine Gruppe, etwa Gender-Professorinnen, öffentlich Witze gemacht werden dürfen."

 

Der Protest des Publikums bezog sich auf die Behauptung, „dass Gender-Politik und Voodoo aufs Gleiche hinauslaufen“. Natürlich hat Martenstein nicht alle in der Bundesrepublik existierenden Tabuthemen benannt. Aber die Reaktion auf seinen Vortrag ist bezeichnend. Es mehren sich die Zeichen dafür, dass die Kritik an dem Themenkomplex Feminismus/Gender-Mainstreaming/Gender Studies/Gleichstellungspolitik (im Folgenden kurz „Genderismus“ genannt) das größte Tabu in der Bundesrepublik darstellt.

Bekannt wurde der Fall eines Mainzer Professors, der in einem noch im Internet kursierenden Artikel den Gender-Mainstreaming als „totalitäre Steigerung der Frauenpolitik“ bezeichnet hatte. Er wurde daraufhin von der Universitätsleitung angewiesen, den Artikel von seiner Internet-Seite zu entfernen. Der Wissenschaftler schweigt bis heute zu diesem Thema, und zwar aus Angst um seine Arbeit und seine Nachtruhe. Bei dem 2010 an der Universität Düsseldorf stattfindenden „Männerkongress“ gab es seitens feministischer Kreise Drohungen gegen einen der Teilnehmer, den Geschlechterforscher Professor Gerhard Amendt. Er erhielt Personenschutz. Im Mai des letzten Jahres wurde Monika Ebeling vom Rat der Stadt Goslar als Gleichstellungsbeauftragte abberufen, weil sie sich auch für die Anliegen von Jungen und Männern einsetzte. Der israelische Historiker Martin van Creveld wurde von der Uni Trier dazu eingeladen, eine Vortragsreihe abzuhalten. Nach dem ersten Vortrag „Männer, Frauen, Kriegsspiele und Kultur“ wurde er auf Druck des Astas von der Universitätsleitung ausgeladen, weil er behauptete, dass viele Frauen Lust dabei empfinden, Männern bei kriegerischen Handlungen zuzusehen.

In der Politik findet keine Kritik am Genderismus statt. Auch in der Wissenschaft wird jegliche Kritik tabuisiert. In den Mainstreammedien erscheinen genderkritische Beiträge äußerst selten. Es sind absolute Ausahmen im Vergleich zu den fast täglich erscheinenden Artikeln, die den Genderismus propagieren. Es entsteht der Eindruck, man lässt die wenigen kritischen Artikel nur deshalb veröffentlichen, um den Anschein zu erwecken, dass in der Bundesrepublik Meinungsfreiheit herrsche.

Dabei sollte es doch für jeden aufgeklärten und kritisch denkenden Menschen eine Aufgabe und Herausforderung sein, sich dieses Tabuthemas anzunehmen, dieses Tabu (und auch andere Tabus) zu brechen. Nur auf diese Weise kann ein freier Diskurs stattfinden. Nur dann könnte man sagen, dass in Deutschland Meinungsfreiheit herrscht.
Harald Martensein hat die Konsequenz aus der Reaktion des Publikums auf seine Ausführungen zum Genderismus gezogen. Er schreibt: „Ich nehme dies, weil ich als ZEITmagazin-Kolumnist von Amts wegen zum Nonkonformismus verpflichtet bin, als Aufgabe und Verpflichtung, und vertrete das jetzt ununterbrochen.“

 

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