Das Thema „Frauenquote“ ist ein Dauerbrenner. Es wird von der Politik immer wieder auf die Tagesordnung gebracht. In den Mainstreammedien wird eine Hurra-Propaganda für die Frauenquote betrieben, wobei gebetsmühlenartig immer wieder dieselben Parolen und Forderungen vorgetragen werden. Kritische Beiträge zur Frauenquote werden äußerst selten veröffentlicht. Umso erfreulicher und für die Quoten-Debatte förderlicher ist es, dass der renommierte Geschlechterforscher Gerhard Amendt seine kritischen Ansichten zur Frauenquote in dem Buch „Frauenquoten – Quotenfrauen. Oder: Einem geschenkten Gaul …“ zusammengefasst hat.

Frauenquoten QuotenfrauenAmendt behandelt zunächst arbeitsmarktpolitische Gründe für die Frauenquote. Angesichts der demographisch bedingten Verknappung an qualifizierten Arbeitskräften sollen Frauen mittels staatlicher Maßnahmen in den Arbeitsprozess integriert werden. Dass viele Frauen nur halbtags arbeiten möchten, steht den arbeitsmarktpolitischen Erfordernissen entgegen. Um vollständig in den Arbeitsmarkt integriert zu werden, sollen Frauen nicht halbtags, sondern ganztags arbeiten. Das soll notfalls mit Zwang durchgeführt werden. Dieser Aspekt wird in der gängigen Quoten-Debatte kaum genannt.

Doch die Analyse der arbeitsmarktpolitischen Gründe für die Frauenquote bildet nicht den Schwerpunkt des Buches. Amendt konzentriert sich vielmehr auf die soziopsychologischen Aspekte der Quotenpolitik. Um eine Frauenquote zu rechtfertigen, wird das Frauenbild idealisiert, wobei die Idealisierung auf die Berufswelt ausgeweitet wird. Den Satz „Frauen sind die besseren …“, z.B. die besseren Manager, lesen wir bis zum Ermüden in der Mainstreampresse. Diverse „Studien“ sollen dies belegen. „Gesellschaftspolitik ohne Idealisierung von Frauen ist in Deuschland offenbar nicht möglich“, konstatiert Amendt. Diese Idealisierung enthält ein „komplementäres Entwertungselement“: die Abwertung des Männlichen.

Die Frauenquote wird mit der Behauptung gerechtfertigt, dass Frauen von Männern am beruflichen Aufstieg gehindert werden. Da diese Behauptung empirisch nicht belegt ist, hat sich – so Amendts Beobachtung – die Argumentation der Quoten-Protagonisten verlagert. Es wird jetzt argumentiert, dass Frauen keine ausreichende Motivation für ihre Karriere entwickeln konnten. Daher sollen „äußere Erregungsquellen als emotionaler Beschleuniger“ konstruiert werden. Frauen, die Karriere machen möchten, sollen andere Frauen, die bereits Karriere gemacht haben, als Identifikationsobjekte dienen. Zu ihnen gehören Vorzeigefrauen aus Filmen wie „Sex and the City“ oder weibliche Vorstandmitglieder von DAX-Unternehmen. Daraus folgt, dass Quoten-Befürworter eine unrealistische Vorstellung von der Arbeitswelt und den Anforderungen an Spitzenkräfte haben: „Sie glauben, Frauen mit naiven Identifikationsangeboten von erfolgreichen Frauen auf Hochglanzbildern zu Spitzenpositionen ´verführen` zu können.“

Dass der Weg nach oben mit Anstrengungen und hartem Konkurrenzkampf verbunden ist, wird dabei verschwiegen. Bemerkenswert ist, dass die Quote häufig von Frauen gefordert wird, die selbst Quotenfrauen sind und denen die Leistungsorientierung fremd ist. Doch es reicht nicht aus, so wie andere Frauen sein zu wollen oder zeigen zu wollen, dass man es genauso gut wie Männer kann. Durchsetzungs- und Durchhaltevermögen sowie Risikobereitschaft gehören konstitutiv zum Arbeitsleben.

Paradoxerweise führt die Quotenpolitik zum Wiederbeleben von traditionellen Bildern von Männern und Frauen. Sie verstärkt die Vorstellung, dass Frauen im außerfamiliären Bereich nicht viel zuzutrauen ist. Von da aus ist der Schritt zu der Vorstellung nicht weit, dass der „eigentliche Lebensbereich“ von Frauen Heim und Herd sei. Frauen bedürfen der Hilfe von Männern bzw. vom Vater Staat. Sie sollen von den Härten des beruflichen Lebens verschont bleiben. Die Quotenpolitik ist somit eine „Regression zu traditionellen Arrangements von Männern und Frauen“.

Interessant ist die Frage, warum sich Männer für die Frauenquote einsetzen. Die genannten traditionellen Vorstellungen bilden dafür nur einen Grund. Der zweite Grund ist nicht minder wichtig: Männern, besser: einem abstrakten Kollektiv „die Männer“ oder „das Patriarchat“, werden Schuldgefühle „eingeredet“. Sie werden für das Leid der Frauen verantwortlich gemacht. Die Frauenquote kann als eine Wiedergutmachung für dieses Leid angesehen werden.

Quotenpolitik – so eine zentrale Aussage Amendts – ist eine Politik, die den beruflichen Aufstieg von Leistung entkoppelt und an deren Stelle leistungsfremde Kriterien, die Zugehörigkeit zu einem Kollektiv, setzt. Das widerspricht dem individualistischen Gerechtigkeitskonzept, wonach ein Mensch nach seinen individuellen Fähigkeiten und Qualifikationen und nicht nach seiner Gruppenzugehörigkeit beurteilt und eingestellt wird. Amendt plädiert abschließend dafür, dass der einzelne Mensch in den Mittelpunkt der arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gestellt wird. Dieses Plädoyer beinhaltet auch eine Mahnung: Der Kollektivismus führt notwendigerweise zu totalitären Gesellschaftsformen. Das beweist die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Wir sollten dieser Entwicklung entgegenwirken, bevor es zu spät ist.

Gerhard Amendt: Frauenquoten – Quotenfrauen. Oder: Einem geschenkten Gaul …, Manuscriptum Verlag 2011, 75 Seiten, 9, 50 Euro, ISBN 978-3-937801-73-5

 

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