Wie der sexistische Blick und totalitäres Denken die Limbo-Latte niedrig hält

lingerie

Stellen wir uns vor, aus dem Schwimmbecken im Olympiastation wäre das Wasser abgelaufen, und das Becken wäre stattdessen mit unzähligen kleinen Liebesperlen angefüllt. Die eine Hälfte der Perlen wäre rot, die andere weiß. Nun geht jemand mit verbundenen Augen an den Beckenrand und fischt zehn Perlen heraus. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass fünf davon weiß und die anderen fünf rot ist? Eher klein.

Die Wahrscheinlichkeit wird umso größer, je größer die Menge der Liebesperlen ist, die unsere Testperson angeln darf. Je kleiner die Menge ist, desto größer ist die Abweichung von einer „gerechten“ Teilung in zwei gleich große Hälften. Wenn es unsere Testperson schließlich geschafft hat, alle Perlen herauszufischen, ist das Verhältnis genau 50% zu 50%.

Schon an dieser Stelle sollte man die Forderung, die „Repräsentation von Frauen in Aufsichtsräten zu erhöhen“, ablehnen. Denn die Menge der Aufsichtsräte ist eine kleine - ja, eine sehr kleine Menge, die sich bezogen auf die Gesamtbevölkerung erst bei der vierten oder fünften Stelle hinter dem Komma bemerkbar macht. Bei so einer kleinen Menge kann man keine Repräsentation erwarten. Bei kleinen Mengen wird es immer „ungerecht“ und zufällig sein.

frauenquotenquotenfrauenDoch die Quotenbefürworter erkennen keine Untergrenze an, ab der es „statistisch nicht mehr relevant ist“, als wären sie mit großen Zahlen und mit den Grundlagen der Statistik sowieso überfordert. Eine Diskussion mit ihnen ist so, als würden sich Literaten mit Analphabeten unterhalten. Wetten, dass 98% der Quotenbefürworter noch nie etwas von der Gaußschen Glockenkurve gehört haben? Sie haben ein monochromes Bild vor Augen, bei dem an jeder Stelle, die Farbe gleich dick aufgetragen ist. Die Mengen, die sie sich vorstellen, sind komplett durchdrungen von einem überall gleichen Mischungsverhältnis – wie Mus. Man kann an jeder Stelle eine Kostprobe nehmen. Auch eine winzig kleine.

Und so kommt es, dass selbst für Minimengen eine Repräsentanz gefordert wird, wie das Drama um das legendäre Pixi-Buch zeigt, das einst zu einer Anfrage im Hamburger Rathaus führte. Denn in einem dieser Büchlein wurde doch tatsächlich eine Klasse abgebildet mit einer Vorschlagsliste für die Wahl zum Klassensprecher und unter den drei (in Zahlen 3) Namen war keiner, der einen Migrationshintergrund erkennen ließ. Diskriminierung! Rassismus!

Was soll man dazu sagen? Selbst wenn eine Diskriminierung nicht gewollt ist und auch wenn sie überhaupt nicht möglich ist – auch unsere Textperson hatte verbundene Augen – es erscheint ihnen immer so. Nie wird das Ergebnis den Anforderungen einer vorher festgelegten Quote entsprechen. Höchstens zufällig.

Das gilt auch für Bewerbungen. Stellen wir uns vor: Meister Zufall macht einen echten Blindtest. Die Bewerber verschweigen nicht nur Namen, Religionszugehörigkeit, Geschlecht und Aussehen – sie verschweigen alles: Die Mappen bleiben zugeklebt. Hundert Bewerbungen liegen vor, die Hälfte davon von Frauen. Meister Zufall muss sich in diesem Fall nicht extra die Augen verbinden, er wählt einfach eine aus. Und? Zeigt das Ergebnis, dass er Frauen diskriminiert hat? Und wenn nur zehn Bewerbungen von Frauen vorlagen? Wenn er dann einen Mann gewählt hat – war das ungerecht?

Aber wenn das Geschlecht erkennbar ist - und das ist es ja glücklicherweise im wirklichen Leben -, dann spielt es eine entscheidende Rolle bei Bewerbungen – oder? Dann ist das Geschlecht so wichtig, dass es noch wichtiger ist als das Gesetz der Wahrscheinlichkeit. Dann heißt es: Liebling, es gibt keine Zufälle. Aber ist es wirklich so?

Ein Unglück kommt selten allein. Nun kommt das nächste. Bei dem Club der Zuckstückchen-Sammler sind Motive mit Sternkreiszeichen besonders beliebt. Das sind Zuckerstücke, die haben auf der einen Seite das entsprechende Symbol und eine Definition nach Termin, also beispielsweise:

Widder: 21. März bis 20. April

Auf der anderen Seite finden wir die Beschreibungen, die das Horoskop nennt:

Eigenschaften: mutig, strebsam, unternehmungslustig, willensstark, zielbewusst
Launisch, jähzornig, rücksichtslos, ungeduldig

Auf der einen Seite haben wir ein hartes, klares Entweder-oder-Kriterium: Das Geburtsdatum fällt entweder in den angegebenen Zeitraum oder nicht. Auf der anderen Seite finden wir ein weiches Kann-Aber-Muss-nicht-Kriterium. Nicht jeder Widder ist mutig. Löwen und Jungfrauen können genauso gut mutig sein. Müssen aber nicht.

lassahn-achgutBei einer Stellenbesetzung werden jeweils ganze Bündel von Merkmalen, die all die verschiedenen Bewerber mitbringen, verglichen. Man darf sich nicht von dem Singular in der Formulierung „bei gleicher Qualifikation“ täuschen lassen. Hier werden viele Faktoren abgewogen. Es geht um mehr als immer nur um das eine. Der Betrieb sagt sich: Wir brauchen Mitarbeiter die mutig und strebsam, aber auch nicht allzu rücksichtslos sind; die einerseits willenstark sind, aber nicht launisch. Es ist sehr kompliziert.

Und dann kommt die Kritik, die sagt: Ihr habt zu wenig Leute eingestellt, die im Zeitraum vom 21. März bis zum 20. April geboren sind. Denn allein darauf kommt es an. Es gilt nur die eine Seite des Zuckerstückes. Der Diskriminierungsvorwurf ist also – wie man im Tennis sagt – ein Doppelfehler: Die Statistik wird falsch angewandt und das Zuckerstück wird umgedreht. Sexistisches und totalitäres Denken drängelt sich vor. Das Primitive will sich über das Komplexe erheben. Oder wie wir auf dem Land sagten, wenn einer mit der Axt eine Blume pflücken wollte: stumpf ist Trumpf.

Das Zuckerstück ist ein gutes Beispiel für den Schleiertanz, der mit den Begriffen „Gender“ und „Sex“ veranstaltet wird. Gucken wir uns das Stückchen noch einmal an. Die beiden Beschreibungen eines Tierkreiszeichens entsprechen den beiden Definitionen von Geschlecht. Die eine Seite zeigt uns „Sex“ – das biologische Geschlecht, da heißt es: entweder oder. Die andere Seite zeigt uns „Gender“ – das soziale Geschlecht, da werden die verschiedenen Rollenbilder genannt, die wir annehmen können und von denen wir möglicherweise beeinflusst sind.

Eigentlich ist alles in Ordnung. Die Auswahl der Bewerber, wie sie bisher gehandhabt wurde, ist nämlich durchaus „gendersensibel“, sie ist jedoch nicht „sextauglich“. Auch der „Gender-Pay-Gap“ ist ein irreführender Begriff, er müsste „Sex-Pay-Gap“ heißen: Die Statistik kennt nur „männlich“ oder „weiblich“. Dass ein Mutiger anders bezahlt wird als ein Sozialkompetenter, kann in der Welt der Zahlen nicht erfasst werden. Mit dem sozialen Geschlecht kann man nicht rechnen, „Gender“ passt in keine Statistik. Auch die Quote unterscheidet nach Sex, nicht nach Gender. Es wäre wirklich alles in Ordnung, wenn nicht Leute, die immer nur an Sex denken, ständig behaupten, dass das Zuckerstück nur eine Seite hat.

Es kommt noch schlimmer. In Deutschland sind wir gebeutelt von einem „sexistischen Mantra“, mit der wir uns international schon genug blamiert haben – ich meine die so genannte Doppelnennung, wenn wir etwa von „Wählerinnen und Wählern“ sprechen und in der Bibelübersetzung in „gerechter“ Sprache von „Makkabäerinnen und Makkabäern“. Dagegen lässt sich viel sagen – was ich mir an dieser Stelle verkneife. Ich will nur kurz fragen: Um wie viele Mengen handelt es sich? Um eine oder um zwei?

Wenn wir schon mal Urlaubsvideos bearbeitet haben, kennen wir im Menu „Bearbeiten“ die Funktion „Auf Auswahl trimmen“. Mit einem Klick erscheint dann eine ausgewählte Episode als neuer Film, den wir noch weiter bearbeiten können. Unsere Doppelnennung wie bei „Wählerinnen und Wählern“ ist so, als würden wir sagen: „Die auf Auswahl getrimmte Menge und die Gesamtmenge“. Wenn nun eine Quote gefordert wird, stellt sich die Frage: bezogen auf welche Menge?

An dieser Stelle wird gemogelt. Wenn wir eine Ungerechtigkeit bei der Stellenbesetzung behaupten, müssten wir die „auf Auswahl getrimmte“ Menge der Bewerberinnen berücksichtigen und nicht die Menge aller Frauen. Wenn wir wissen wollen, wie viele Frauen die Pille nehmen, befragen wir auch nur die geschlechtsreifen Jahrgänge und nicht etwa alle Frauen jedweden Alters. Befürworter der Quote starren aber auf die Gesamtmenge und wünschen sich einen Prozentsatz, der tendenziell bei 50% liegt. Oder glaubt jemand, dass die Forderungen, die jetzt bei 40% liegen, da liegenbleiben?

Die Engländer haben den Trick bemerkt. Ich glaube nicht, dass es daran liegt, dass sie noch nicht so dusselig geworden sind wie wir, weil sie die manipulative Doppelnennung nicht kennen, es wird wohl eher daran liegen, dass sie den Vorgaben aus Brüssel mit größerer Gelassenheit gegenüberstehen. Ein so genanntes Select Commitee hat sich mit den Argumenten für und gegen eine Quote befasst. Michael Klein hat den Text, bei dem kein Argument für die Quote übrig bleibt, übersetzt und auf „Kritische Wissenschaft – critical science“ unter dem Titel „Eine Frauenquote ist rational nicht begründbar“ veröffentlicht. Die Engländer stellen fest, dass die angestrebte Förderung gar nicht „den“ Frauen nützt, wie behauptet wird, sondern nur einer kleinen auf Auswahl getrimmten Minderheit von Frauen. Sie haben richtig erkannt, um welche Menge es eigentlich geht.

Ob wir das auch können? Stellen wir uns einen Volksmarathon in Berlin vor. Es sind hunderttausend Läufer an den Start gegangen. Die ersten tausend kriegen einen kleinen Preis. Unter ihnen sind aber nur 10 % mit Migrationshintergrund. Das ist zwar viel, wenn man bedenkt, dass unter denen, die an den Start gegangen sind, überhaupt nur 5 % einen Mihigru haben. Dennoch ist es ein Skandal. Denn in Berlin haben ganze 40 % der Bürger einen Migrationshintergrund. Berlin ist tolerant und will noch toleranter werden. Und so wird beim nächsten Marathon eine Quotenregelung eingeführt: Die Läufer unterliegen einer Kennzeichnungspflicht. Sobald 600 Läufer, die keinen Migrationshintergrund haben, im Ziel sind, werden alle folgenden Läufer ohne Mihigru angehalten und müssen so lange auf der Stelle treten, bis 400 Läufer mit Mihigru im Ziel sind. Dann kann es weitergehen. Das kann man leicht regeln – mit einer Ampel und einer computergesteuerten Zählung und natürlich mit einer Strafandrohung, wenn einer trotzdem weiterläuft.

Wie gesagt: Nur die ersten Tausend kriegen einen Preis. Ein Zuckerstückchen.

 

 

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren

Weitere Beiträge

Über feministische Desinformation und Propaganda


Einige Anmerkungen zu den Sendungen: „Anne Will – Polit-Talk“, 17. 04. 2013 im ARD und „Maybrit Illner“, 18. 04. 2013 im ZDF
Die „Frankfurter Erklärung zur Gleichstellungspolitik“ (FE) steht seit Beginn des Jahres 2013 im Netz und hat bis heute über 500 Unterschriften zu verzeichnen. Das ist erfreulich und gibt der Initiative ein gewisses Gewicht.
 

Debatte in Schweden: Ist man mit der Gleichberechtigung der Geschlechter zu weit gegangen?


An schwedischen Schulen wird zunehmend eine geschlechtsneutrale Politik vorangetrieben. Unter anderem gehört hierzu die Verwendung einer geschlechtsneutralen Bezeichnung – „hen“ (es) statt „han“ und „hon“ (er und sie). Nun schlagen einige Schweden zurück.
Schweden trägt den langanhaltenden Ruf, ein egalitäres Land mit nur geringen Unterschieden zwischen den Geschlechtern zu sein. Doch eine...

„Schreib nicht von Deiner Nachbarin ab!“


„Lange bevor die PISA-Studie erschienen war, wussten wir beide, was in unserem Bildungswesen los ist, und ich habe einmal zu Ihnen gesagt, das komme daher, dass auf der einen Seite die Linke die Anforderungen in unseren Schulen immer weiter abgesenkt hat, um den Kindern aus nichtarrivierten Schichten den sozialen Aufstieg zu erleichtern (ein Motiv, das ich gut verstehe), und dass die...

Bin ich jetzt ne Frau?


Was hindert mich eigentlich daran, mich als Frau zu bewerben? Nur mal so zum Zwecke des Disputs, um Schwächen und Disploits gegen die Politik zu diskutieren:
Was hindert mich eigentlich daran, mich als Frau auf Vorstandsposten, Aufsichtsratssitze und Professuren zu bewerben und die Frauenquote für mich in Anspruch zu nehmen? Das beruht doch alles auf der Gender-Sichtweise, die rundweg...

Der unbegabte Jürgen Trittin


Die folgende Sequenz aus der Plenardebatte vom Freitag im Deutschen Bundestag hat mir Andreas Rheinhardt zugeschickt, dem ich hiermit ausdrücklich meine Bewunderung dafür ausdrücke, dass er sich offensichtlich durch die Protokolle von Plenarsitzungen liest – eine schlimmere Form der geistigen Folter kann ich mir kaum vorstellen.
Apropos vorstellen, zuweilen stellen wir uns beim Frühstück vor, was...

Eine Quote für das Eigenlob


Die Unterstützer der Frauenquote feiern sich selbst. Der Emanzipation der Frau haben sie nicht geholfen. Die Quote verstößt gegen grundlegende Freiheitsrechte.
Endlich haben Deutschlands Frauen es geschafft. Die Herrschaft der Männer ist überwunden. Das zumindest war die Botschaft des vor einem halben Jahr verabschiedeten Quotengesetzes. Ab Januar müssen die ca. 100 börsennotierten und...

Rot-grüner Beton


Vor der Abstimmung über die Frauenquote im Bundestag erregte sich Andrea Nahles über den CDU- Fraktionsvorsitzenden: „Unionsfraktionschef Volker Kauder hat die Frauen in der Union öffentlich aufgefordert, gegen ihr eigenes Gewissen zu stimmen.“
Tatsächlich wollten sich die Abgeordneten der Union, die mit dem Gedanken an eine Stimme für die Einführung von starren Frauenquoten in Unternehmen...

Diversity kann letztlich nur Individualität bedeuten


Diversity soll Vielfalt bedeuten. Doch die bestehenden Diversity-Programme orientieren sich nicht an der Vielfalt von Individuen, sondern an der von Kollektiven.
In immer mehr Unternehmen und Organisationen werden Diversity-Programme eingeführt. Beispielsweise bei der Deutschen Bahn AG. In einem Interview für das Portal ATKearney361Grad gibt Annette Gräfin von Wedel, Leiterin der Abteilung...