Das Professorinnenprogramm ist schlicht Frauenförderung, um Chancengleichheit geht es dabei nicht. Auch Schirmherrin Annette Schavan profitiert in der aktuellen Plagiats-Affäre von unterwürfigen Männern, die Frauen ohne Rücksicht auf wissenschaftliche Evaluation unterstützen.

chromosomes

Das „Professorinnenprogramm“ mit der Schaffung von 200 unbefristeten Professuren nur für weibliche Bewerber geht dieses Jahr „erfolgreich“ zu Ende – fast unbemerkt von der Öffentlichkeit. Anlass genug, sich die Hintergründe dieses „Forschungsprogramms“ näher anzuschauen: Als Schirmherrin fungiert Professorin Annette Schavan.

Voraussetzung für eine Förderung (Fördervolumen 150 Mio. Euro) der Professuren war, dass ein Gleichstellungskonzept für die beantragende Hochschule vorgelegt wurde. Im Folgenden seien beispielhafte Themen genannt: Mentoring Karriereförderung, Anreizsysteme für Professorinnen, Konzepte für Uni-Kindergärten, Ökonominnen-Netzwerk, Genderforschung, Frauen-Förderpool, Gender und Musik, Dual Career und Diversity und entsprechende Fotoausstellungen (aus einem Ausstellungskatalog des BMBF, 2012).

Summa summarum geht es schlicht um Frauenförderung – umschrieben mit dem semantischen Missbrauch des Wortes „Chancengleichheit“ und nicht um wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn. Der allenfalls als erfreuliches Nebenprodukt. Die Evaluation der Forschungsförderanträge geschah nach dem Kriterium, inwieweit die vorgelegten Konzepte die Prinzipien der Chancengleichheit erfüllen. Von der in der Wissenschaft üblichen Ergebnis-Evaluierung („Peer Review“) nach Projektablauf war bisher – so weit bekannt – nicht die Rede.

Liebedienerisches männliches Verhalten

Es ist anzunehmen, dass dieses „Forschungsprogramm“ des Forschungsministeriums zur Förderung des weiblichen akademischen Nachwuchses vorwiegend männliche Gremien beschlossen haben. Seltsam. Was mag diese Männer dazu motiviert haben, 200 Professorinnen die akademische Laufbahn bis zu ihrer Pensionierung sicherzustellen … und Männern so den Erfolg ihrer Anstrengungen zu stehlen? 200 unbefristete Professuren, wäre das nicht ein Grund für die Professorenschaft, zu Protesten gegen diese himmelschreiende Ungerechtigkeit aufzurufen? Wo bleibt die männliche Solidarität? Wo sind die mutigen, kritischen Stimmen, die die Unwissenschaftlichkeit der Evaluation angreifen?

Der klassische, männliche Beschützerinstinkt (im Folgenden unwissenschaftlich mit „Beschützer-Gen“ bezeichnet), gepaart mit Ritterlichkeit, ist zu einem liebedienerischen Verhalten verkommen. Ein solches Verhalten beseitigt vorauseilend mögliche Probleme, die sich den potenziellen Professorinnen in den Weg stellen könnten. Die Instrumente dazu sind beispielsweise: Reduzierung der Leistungsanforderungen an die Professorinnen und deren Messbarkeit. Die daraus entstehenden Folgen für die Qualität und den Ruf der deutschen Wissenschaftseinrichtungen sind noch unabsehbar.

Und was hat das Professorinnenprogramm mit dem derzeitigen Kasus Schavan zu tun? Es ist das fast unterwürfige Verhalten von in Verantwortung stehenden Männern gegenüber Frauen – wie oben beschrieben. Das männliche „Beschützer-Gen“ hat seit Urzeiten die Frau vor Unbill der Außenwelt geschützt. Heute schützt es die Frau vor den selbstverständlichen Widrigkeiten des Erwerbslebens, denen jeder Mann und jede leistungswillige Frau ausgesetzt ist. Man hat den Eindruck, dass diese fast selbstlose Unterstützung der weiblichen Emanzipation das jahrhundertealte erlittene Unrecht der Frauen durch die Männer wieder gut machen soll.

Bevorzugte Behandlung von Annette Schavan

In dem gleichen Kontext sind die derzeitigen Solidaritätsbekundungen für die Wissenschaftsministerin Schavan von männlichen Vertretern der Wissenschaftsorganisationen, Kirchenoberen und männlichen Einzelpersonen zu sehen. „Ball flach halten“, heißt die Devise. Ohne die Plagiatsuntersuchung abzuwarten, schießen sie – mit Medienbegleitung – gegen die Plagiatskommission und deren Vorsitzenden, z.B. mit Argumenten der Verjährung und mit dem Anlegen weniger strenger Maßstäbe, verglichen mit anderen Plagiatsfällen. Und das, obwohl sich die Deutsche Forschungsgesellschaft vor einem viertel Jahr noch auf strengere Maßstäbe bezüglich des Plagiatsverdachts geeinigt hatte.

 

 

Mit der Kritik an der Plagiatskommission lenkt man elegant von dem Kasus Schavan auf einen Nebenkriegsschauplatz ab. Männliches „Beschützen“ der Frauen heißt heutzutage auch, Schaden von ihnen abzuwenden. So verstummen die Medienreaktionen auf den eigentlichen Kasus Schavan allmählich. Die Ministerin wird bevorzugt behandelt, genauso wie die 200 Frauenprofessuren. Sie darf nicht fallen. Ist das nicht der ganz traditionelle Paternalismus, das Feindbild der Frauenlobby?

Eine rühmliche Ausnahme in diesem irritierenden Geschehen ist Hans Michael Piper – Rektor der Uni Düsseldorf und Leiter der Plagiatskommission in Sachen Schavan. In einer sehr mutigen Stellungnahme in der „Süddeutschen Zeitung“ kritisierte er die Sympathie-Kundgebungen seiner Kollegen für Schavan. Piper legte zuvor ein ähnlich gradliniges Verhalten an den Tag, als feministische Kräfte versuchten, die zwei Männerkongresse an seiner Uni zu hintertreiben. Die Kongresse fanden statt – unter Einsatz universitärer Sicherheitskräfte.

Schlussbemerkung: Ob die Väter des Grundgesetzes eine solche Entwicklung der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, angestrebt haben, ist zu bezweifeln.

 

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