Das Weltkulturen Museum in Frankfurt am Main (ohne Bindestrich offiziell so falsch geschrieben) zeigt derzeit eine Ausstellung namens „TRADING STYLE – Weltmode im Dialog“, mit den Modelabels A Kind of Guise (Deutschland), Buki Akib (Nigeria), CassettePlaya (Großbritannien), P.A.M. (Australien) und historischen Objekten aus der Sammlung des Weltkulturen Museums.

 Der Text der Ankündigung für die Ausstellung lautet:

„Was sagt Mode über unsere Gesellschaft aus? Wie verbreiten sich Stile und wie schaffen sie Identitäten? In einem beispiellosen Dialog zwischen vergangenen und zukünftigen Modewelten, präsentiert 'TRADING STYLE' mehr als 500 historische Objekte, Fotografien und Filme aus der Sammlung des Weltkulturen Museums gemeinsam mit neuen Designs für Kleidung und Accessoires von vier internationalen Modelabels (siehe oben). Während ihrer Residency 2012 arbeiteten sie im Weltkulturen Labor. Jedes Designer-Team erforschte die historischen Sammlungen, traf eine Auswahl und kreierte davon inspiriert neue Prototypen für Kleidungsstücke. Mit Artefakten aus Äthiopien, Australien, Angola, Bolivien, Brasilien, China, der Demokratischen Republik Kongo, Deutschland, der Elfenbeinküste, Feuerland, Grönland, Guinea-Bissau, Indonesien, Iran, Kamerun, Liberia, Malawi, Mali, Mexiko, Mikronesien, Namibia, Neuseeland, Nigeria, Panama, Papua-Neuguinea, Peru, den Philippinen, den Salomonen, Samoa, Südafrika, dem Sudan, Tansania, Thailand, Togo, Uganda, Venezuela und den Vereinigten Staaten.

Künstlerischer Leiter Teimaz Shahverdi. Unterstützt durch die Hessische Kulturstiftung, ARTE, Aventis Foundation, British Council und Ambiente. Medienpartner: Frankfurter Allgemeine Zeitung.“

Das Plakat für die Ausstellung zeigt einen Schwarzen in Freizeitkleidung (Hemd, kurze Hose, Flip-flops) zusammen mit einer Weißen, nackt bis auf ein Knitterhöschen. Das Plakat spielt auf Fotografien aus der Kolonialzeit an, als bekleidete weiße Kolonialherren sich gerne mit halbnackten schwarzen Frauen fotografieren ließen. Durchsichtig war die beabsichtigte Demonstration kultureller Dominanz, gemischt mit einer unterschwelligen sexuellen Faszination. Die spärliche Bekleidung der schwarzen Frauen war damals eine lokal übliche. Allerdings gab es auch Fälle, dass die Frauen für die Fotografien entkleidet wurden, wie man heute weiß. Die damals vordergründig „ethnologischen“ Fotografien sind heute in der Regel als rassistische entlarvt.

Die Nacktheit der Weißen auf dem Plakat ist keine heute übliche Mode, die Freizeitkleidung des Schwarzen sehr wohl. Den Ausstellern ist damit gelungen, die Rolle von Bekleidung für die Identität zu zeigen, die Symbolik von Mode überhaupt herauszustellen.

Es fragt sich aber, ob die Umkehrung eines rassistischen Motivs nicht auch umgekehrt rassistisch ist. Ferner spielt das Plakatmotiv mit sexuellen Konnotationen, die ebenso stereotyp sind wie die aus der Kolonialzeit. Das Team des Weltkulturen Museums in Frankfurt am Main besteht laut Webseite aus einem Stab von 27 Mitarbeitern, der bis auf zwei Gastkuratoren, einen Restaurator und (man ist versucht zu sagen: typischerweise) die Haustechnik rein weiblich ist. Der Künstlerische Leiter der Ausstellung ist Perser (Teimaz Shahverdi), die Direktorin des Museums Französin (Dr. Clémentine Deliss). Beide sind für den Katalog verantwortlich.

Wetten dass: Hätten Männer, insbesondere solche mit deutschen Namen dieses Plakat entworfen, wäre es als rassistisch und sexistisch gebrandmarkt worden. Ist es das?

 

Weitere Beiträge

Eine „neue deutsche Leitkultur“ für die Einwanderungsgesellschaft? Sonderweg als Holzweg!


Multikulti ist tot. Das sagen viele. Das sagte sinngemäß die Kanzlerin. Das hoffen auch manche. Wenn das stimmt, brauchen wir dann aber gleich einen ganz neuen Kulturbegriff? Oder gar die Besinnung auf eine „neue deutsche Leitkultur"? Und wieso „neu"? Und warum gerade jetzt? In der aktuellen Zuwanderungssituation?
Aber was ist überhaupt Kultur? Ist Kultur alles, was der Mensch schafft,...

Gezeitenwechsel


Ich hätte nie gedacht, dass es mir mal so gehen würde. Eigentlich bin ich ein optimistischer Mensch. Noch nie hatten wir so viele Möglichkeiten, uns zu entfalten, wie heute. Jeder kann leben, wie er es für richtig hält. Geschichte vollzieht sich in Pendelbewegungen, doch unterm Strich wird das Leben besser. Von alledem bin ich noch immer überzeugt. Aber im letzten Jahr hat sich etwas in mir...

Evangelisches Männerbasteln (und andere Formen der Hate Speech)


„Macker sein klappt nicht auf Anhieb. Es gibt da so Übungen.“ Das steht auf der Titelseite einer Zeitschrift, die ich im Urlaub zufällig gelesen habe. 
Neben den Sätzen das Bild einer jungen Frau, die einen Mann darzustellen versucht und die sich zu diesem Zweck eine Mütze aufgesetzt hat und böse guckt.
 

Demokratie ist Kunst - Partizipation als soziale Plastik

Wie ich durch Joseph Beuys eine neue Beziehung zum Demokratiebegriff erhielt
Demokratie? Ganz früher war das ein Wort, das mir bestenfalls zum Gähnen Anlaß bot. Eines der vielen langweiligen, leblosen Worte, wie Tarifvertrag, Gewerkschaftsversammlung, Parteiausschuß und andere, bei denen mir auch jetzt noch ganz staubig zu Mute wird und gleichsam die Augen zufallen, wenn der Nachrichtensprecher sie sagt....

Die fünf Säulen unserer (Leit-)Kultur


Der Wirtschaftswissenschaftler Günter Buchholz hat in einem bemerkenswerten Artikel zum Thema „Leitkultur“ fünf geistige Strömungen genannt, die die Grundlage unserer Leitkultur bilden: die griechische (1) und die römische Antike (2), das Judentum (3), das Christentum (4) und die Philosophie der Aufklärung (5), die mit einer besonderen Form von Wissenschaftlichkeit verbunden ist.
Die Frage nach...

Frankfurter Buchmesse 2013


Wenn man gepflegte Unterhaltung sucht, ist ein Besuch der Frankfurter Buchmesse immer zu empfehlen.
Der Ehrengast war diesmal Brasilien. Schon die Eröffnungsveranstaltung brachte mit einer Wutrede des brasilianischen Autors Ruffato eine Überraschung: Er tobte angesichts der rassistischen Gesellschaft seines Landes.
 

Der Brüsseler Anschlag und der Islamofaschismus


Kürzlich hat Joseph Croitoru das neue Buch von Hamed Abdel-Samad über den islamischen Faschismus in der „SZ“ vernichtend besprochen. Dabei hat sich Abdel-Samad auf die ägyptischen Muslimbrüder konzentriert, deren Mitglied er ja einmal war und die er kennen sollte.
Croitoru verurteilt den Begriff des „Islamofaschismus“ und meint: „So ist er hierzulande bei Rechts- wie bei Linkspopulisten, die mit diesem...

Wie viele Frauen braucht man, um eine Glühbirne reinzudrehen?


Sexistische Witze. Was gibt es da zu lachen? Wer denkt sich so etwas aus?
Früher dachte ich, dass es Leute gibt, die sich Witze ausdenken, um Freude zu verbreiten und möglichst viele zum Lachen zu bringen. Ich wollte auch so einer werden, bescheiden im Hintergrund wirken und Gutes tun. Ich wusste, dass es kein Beruf ist, mit dem man seinen Lebensunterhalt bestreiten kann, aber ehrenamtlich...