Reinhard Jellen hat einen Artikel unter dem Titel „Über die Frauenquote“ geschrieben, der hoffentlich dazu beiträgt, die im Grunde unglaubliche feministische Verblendung innerhalb der Mitte-Links-Parteien erst einmal wahrzunehmen, um sie dann aufzulösen.

Geschftsleute

Als Leitsatz des Artikels stellt er ein Zitat voran: „While feminism has delivered for some professional women, other women have been left behind. Many of the advances for women at the top have masked inequality at the bottom.“ (Dalia Ben-Galim)

Er schreibt (Auszüge):

„Im Neoliberalismus werden progressive Positionen von Reaktionären adaptiert und in das Gegenteil verkehrt. Nehmen wir den Feminismus: Dieser ist in seiner postmodernen Spielart von der Idee der Emanzipation für alle zu einer Kampagne zur Privilegierung weniger Frauen aus der oberen Schicht im Dienste der Eliten umprogrammiert worden. So gilt in diesem Zwei-Klassen-Feminismus z. B. die Frauenquote als emanzipatorische Antwort der Politik auf die Unterrepräsentanz von Frauen in gehobenen Wirtschaftspositionen, kommt aber in Wahrheit nur einer kleinen Lobby von ohnehin bereits privilegierten Frauen zugute. In der Tat scheint im öffentlichen Diskurs auch in puncto Feminismus die Logik eine mehrjährige Kreuzfahrt in die Antarktis unternommen zu haben.“

„In der neoliberalen Politik ist ausgerechnet das vorgeblich von den Postmodernen rauf und runter dekonstruierte Geschlecht zur zentralen sozialen Kategorie geworden. Nach einer Studie von Dalia Ben-Galim, stellvertretende Direktorin des Londoner Institute for Public Policy Research, ist jedoch der Faktor, der am meisten die Biographien der Frauen [und der Männer und Kinder ebenso, GB] beeinflußt, ihre Klassenzugehörigkeit. Somit ist es wahrscheinlich kein Zufall, wenn sich Frau von der Leyen für etwa 400 Luxusweibchen in DAX-Unternehmen stark macht, während die restlichen 41 Millionen eher bedröppelt in die Röhre gucken, weil es an Erwerbsmöglichkeiten, an Mindestlöhnen, an Krippen-, Kindergarten- und Hortplätzen, also generell an Gleichberechtigung fehlt.“ (Hervorhebungen: GB)

Kritisch anzumerken ist an diesem sonst treffenden Artikel die schlagwortartige Verwendung des Begriffs des Neoliberalismus bzw. neoliberaler Politik als Voraussetzung der Entwicklung der dritten Frauenbewegung (ab 1995). Zutreffend ist das nur insoweit, als sich die zweite und die dritte Frauenbewegung tatsächlich innerhalb eines jahrzehntelangen gesellschaftlichen Entwicklungsprozesses entfaltet haben, der ab ca. 1980 neoliberal dominiert war.

Allerdings setzt der letzte Halbsatz des Artikels einen zumindest schiefen, wenn nicht falschen Akzent. Denn eine unzureichende Daseinsvorsorge im Hinblick auf Kinderbetreuungseinrichtungen hat nichts mit Gleichberechtigung (im Sinne gleicher Berechtigungen) zu tun, sondern damit, dass zu wenig öffentliche Mittel in diesen Bereich fließen, so dass wünschenswerte Wahlentscheidungen real nicht wahrgenommen werden können – was finanzpolitisch geändert werden könnte und sollte.
Aber obwohl sich die Frauenbewegung seit den 80er Jahren in einem neoliberalen Kontext entwickelte, hat sie mit dem individualistischen Ansatz liberalen Denkens und Handelns nichts zu tun, ganz im Gegenteil: Man lese hierzu die treffenden Beiträge auf „Kritische Wissenschaft“.

Die 3. Frauenbewegung kombiniert mehrere Ideen: Erstens die Basisvorstellung, nicht soziale Klassen, sondern biologisch-geschlechtliche Kollektive stünden sich konflikthaft gegenüber (siehe dazu „Die biologische Klasse und die Auflösung von Klasseninteressen“). Ich nenne das die „feministische Dichotomie“. Zweitens wird axiomatisch mit der Vorstellung operiert, Frauen seien durch das „Patriarchat“ angeblich „strukturell“ benachteiligt oder gar „unterdrückt“, was, wie Dr. habil. Heike Diefenbach gezeigt hat, nicht stimmt. Drittens sei es legitim, nach einem schönen chinesischen Sprichwort „die Hälfte des Himmels“ einzufordern, also eine feministische Verteilungspolitik zugunsten des ideologisch konstruierten Kollektivs „der Frauen“ und zugleich zu Lasten „der Männer“ durchzusetzen, auch wenn das eine (verfassungswidrige) Diskriminierung und einen Verstoß gegen die Grundrechte (Art. 3; Art. 33 GG) einschließt.

Die dritte Frauenbewegung, die mit der Weltfrauenkonferenz 1995 in Beijing einsetzte, hat es bemerkenswerterweise verstanden, sich innerhalb eines insgesamt neoliberalen Prozesses und zugleich im Widerspruch zu ihm mit völlig illiberalen und nachweisbar falschen inhaltlichen Positionen politisch durchzusetzen und sogar einen Staatsfeminismus zu etablieren, dem jeglicher demokratischer Unterbau fehlt, und sie ist dabei auf eine feministische Elitenpolitik eingeschwenkt, die mit den heutigen autoritären politisch-praktischen Tendenzen des neoliberalen Regimes in der Europäischen Union kompatibel ist. In der Postdemokratie kann sich der Staatsfeminismus ganz fabelhaft top down austoben. Viviane Reding und Ursula von der Leyen marschieren dabei voran: immer den jeweils angepeilten Aufsichtsrats(vor)sitz im Visier. Der Staatsfeminismus allerdings ist mittlerweile ins Stadium seiner „Verbonzung“ eingetreten, und das ist ein Grund, seinem hoffentlich baldigen Ende entgegenzusehen (vgl. hierzu „Quote und Bonzenherrschaft“).

 

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren

Kommentare  

0 # affiliate marketing 2015-06-14 17:14
Trying a lіttle bit ߋf everythіng will jսst make
yoս frustrated Ƅecause you will noot give any one strategy thе attention youu need to іn ߋrder tօ succeed աith it.
Ιf someonne іѕ new in thіs field tҺen there aree few tɦings tto
know ɑbout affiliate marketing. Αt Commission Junction, people ϲan search theіr application programs by product oг advertiser namе.
Antworten
Weitere Beiträge

Zensur zum Weltmännertag


Ausgerechnet am Samstag, den dritten November, am Weltmännertag, veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung (SZ), Print wie Online, einen Artikel der Schriftstellerin Amelie Fried
Dass kaum jemand den Weltmännertag wahrnahm, entspricht meinen Erwartungen und bleibt zugleich bezeichnend. Den Weltfrauentag kann man(n) nie vergessen – dafür sorgen die gefühlten 62.487 Medienbeiträge, wochenlang. Gefühlt...

Autoritative Hochschul- und Gleichstellungspolitik

Die Normierung der Frauen- und Gleichstellungspolitik im Niedersächsischen Hochschulgesetz (NHG) in der Fassung vom 24. Juni 2002

Mit dem NHG von 2002 wurde von der damaligen SPD-Landesregierung in Hannover eine neoliberale Hochschulreform durchgesetzt, die die partizipative Gruppenhochschule, die eine tatsächliche Mitwirkung an internen hochschulpolitischen Entscheidungen und einen...

Dummheit 2.0: Die Piraten haben es voll verkackt


Das war kein Elfmeter, den sie verschossen haben. Die Piraten standen 3 Meter vor dem Tor, kein Torwart, keine Gegenmannschaft, viel Zeit – und trotzdem haben sie das Tor nicht getroffen.
Ich habe in meinem Blog schon mehrfach prophezeit, dass die Piraten als Mehrheitsbeschaffer in die Regierung kommen könnten, wenn sie es über die 5-Prozent-Hürde schaffen. Eigentlich hatte ich vermutet, dass es für...

Schichtzugehörigkeit als Ursache schulischer Diskriminierung


Bekanntermaßen hat das Bildungssystem in Deutschland wie in anderen Ländern das selbstgesetzte Ziel, Schüler individuell nach ihren Neigungen und ihrem Leistungsvermögen zu fördern.
So heißt es beispielsweise in Absatz 2 von §1 des Schulgesetzes von Nordrhein-Westfalen:
„Die Fähigkeiten und Neigungen des jungen Menschen sowie der Wille der Eltern bestimmen seinen Bildungsweg. Der Zugang zur...

Die neue Klassengesellschaft ist die alte - ein Kommentar


Der von Ralph Bollmann und Inge Kloepfer geschriebene FAZ-Artikel „Chancengerechtigkeit – Die neue Klassengesellschaft“ greift aus empirischer Sicht zu Recht das Problem der vertikalen sozialen Mobilität – insbesondere die intergenerationelle Aufwärtsbewegung - auf.
Positiv ist zu vermerken, dass der Blickwinkel zu Recht an der gesellschaftlichen Stratifizierung orientiert ist, denn es werden...

Sherlock Holmes und Professorin Moriarty

3. September 2012, von Prof. Günter Buchholz
Eine Rezension zu Hadmut Danischs Buch „Frauenquote“
Das hier besprochene und empfohlene Buch ist wichtig, weil es bewusst und begründet gegen die Political Correctness (PC) verstößt, die bekanntlich oft nicht mehr als ein öffentlicher sozial-psychologischer Zwang zur Verleugnung oder zur Lüge ist. Und manchmal nimmt sie sogar die Form offener Zensur...

Feminismus: die Zeiten ändern sich....


Bevor man sich erstaunt über das Schweigen der Männer gibt, sollte man sich einmal Gedanken über die Selbstverständlichkeit machen, wie deren Tod hingenommen und stillschweigend totgeschwiegen wird.
Wohingegen das Unbehagen von Frauen im Kleinen wie im Großen – wie bei kriegsbedingten Vergewaltigungen - zum Gesellschaftsskandal stets aufgerüstet wird. Wobei immer die Frage auftaucht, ob sich hinter...

Hochschulen: Füllhorn für Frauenförderung


Zunächst die Fakten: Studentinnen überholen Studenten, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit. betragen die Frauenquoten  im Vergleich zu 1992[1] bei den Immatrikulationen:  49,5 %, den Studienabschlüssen 51,8% und den Promotionen 44,1%.
Damit liegt die Frauenquote innerhalb der Studentenschaft bei beachtlichen fast 50% , die Nachwuchs-Förderung von Akademikerinn müßte eigestellt werden –...