Dieser Tage habe ich meine Korrespondenz mit einem Zuarbeiter der ARD in meinem Blog Genderama veröffentlicht. In dieser Korrespondenz kritisiere ich die manipulativen Praktiken der öffentlich-rechtlichen Sender.

microphones-5536284526

Dieser Beitrag stieß in diversen Foren und sozialen Netzwerken auf einige Begeisterung, und Cuncti bat darum, ihn übernehmen zu dürfen. Diesem Wunsch komme ich gerne nach.

Diese Zuschrift habe ich erhalten:

Sehr geehrter Herr Hoffmann,

als Redakteur der Hamburger TV-Produktionsfirma (...) bin ich seit ca. 1,5 Jahren für das Format (...) verantwortlich, welches wir für den Sender WDR/Einsfestival herstellen. (...)

Nun soll sich die kommende Folge dem Thema "Absolute Beginner" widmen und so habe ich innerhalb meiner Recherche just Ihr Buch "Unberührt" gefunden. Zum einen würde ich mich freuen, könnten wir zeitnah telefonieren, so dass Sie mir einige wesentliche Hinweise hinsichtlich des Umgangs mit diesem sensiblen Thema geben könnten. Zum anderen wollte ich fragen, ob Sie noch Kontakt zu den zehn Personen haben, die sich selbst in Ihrem Buch beschreiben, bzw. ob es Ihnen möglich wäre meine TV-Anfrage (diese würde ich Ihnen gesondert zukommen lassen) an diese Personen weiterzuleiten. Unter Umständen sind Ihnen auch weitere ("unberührte") Menschen bekannt, die kein Problem hätten, darüber vor der Kamera zu sprechen.

(...) Letztlich kann ich Ihnen versichern, dass unsere Produktionsfirma ausschließlich im Auftrag öffentlich-rechtlicher Sendeanstalten (3Sat, WDR, NDR, SWR, ARTE: Tracks, Open Opera) arbeitet, so dass keine voyeuristische oder reißerische Sendung zu befürchten ist.

Ich danke Ihnen schon mal im voraus und hoffe auf eine baldige Antwort!

Beste Grüße aus Hamburg

David C.

Und das war nach meinen bisherigen Erfahrungen mit der ARD meine Antwort darauf:

Sehr geehrter Herr C.,

herzlichen Dank für Ihre freundliche Mail. Anfragen wie die Ihre erhalte ich des öfteren, und ich habe dafür immer gern zur Verfügung gestanden.

Ein wenig schmunzeln musste ich allerdings bei ihrem abschließenden Absatz, in dem sie erklären, ich bräuchte keine reißerische Sendung befürchten, da Sie nur öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten zuarbeiten.rettet-unsere-soehne-5g7243tr23rf6q

Das letzte Mal, als ich jemandem ein längeres Interview gegeben habe, der den öffentlich-rechtlichen Sendern zugearbeitet hat, ist wenige Monate her. Das Thema war damals die Anliegen der Männerbewegung, wobei ich zu ähnlich sensiblen Themen gesprochen habe, wie Sie es jetzt von mir erwarten, beispielsweise über männliche Opfer häuslicher Gewalt. Entstanden ist daraus eine extrem reißerische Sendung, bei der bis auf einen einzigen Satz alles, was ich gesagt hatte, unberücksichtigt blieb, weil es ganz offensichtlich nicht in das Konzept des mich interviewenden Journalisten passte, der offenkundig vorhatte, unsere Bewegung auf das Übelste zu dämonisieren. Im Endeffekt wurden wir als eine Art Fanclub des norwegischen Massenmörders Anders Breivik dargestellt.

Eine gelungene Analyse dieser Sendung finden Sie im Blog des Oberstufenlehrers Lucas Schoppe:
http://man-tau.blogspot.de/2013/05/maskuline-muskelspiele-monstroser.html

Gegen Programmgrundsätze, derer sich die ARD gerne rühmt, insbesondere "die Pflicht, das gesellschaftliche Meinungsspektrum möglichst umfassend und fair widerzuspiegeln" sowie der Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung wird derzeit ungerührt verstoßen, solange es einer bestimmten Ideologie dient.

Den für die Sendung verantwortlichen Publizisten Ralf Homann habe ich mit ins CC dieser Mail genommen, um auch ihm zu verdeutlichen, dass die von ihm produzierte Form von "Journalismus" Auswirkungen auch auf Interview-Anfragen von anderen Mitarbeitern der Öffentlich-Rechtlichen haben wird. Dies gilt um so mehr, als mir bekannt ist, dass Stil und Inhalt dieser Sendung auch von höherrangigen Programmverantwortlichen der ARD gedeckt wird. Leider ist diese Art der Berichterstattung seitens der Öffentlich-Rechtlichen auch kein Einzelfall geblieben. Ralf Homann ist also nicht nur ein einzelnes schwarzes Schaf in dieser Branche.

Ich muss also erwarten, dass, wenn ich Ihnen ein Interview gebe, danach unbenommen von allem, was ich Ihnen ausführlich erkläre, eine Sendung entsteht, bei der Menschen ohne Beziehungserfahrung ähnlich verzerrt dargestellt und dämonisiert werden wie die Akteure der Männerbewegung, beispielsweise als sozial gestörte und potentiell gefährliche Sonderlinge. (Hört man nicht auch von vielen Amokläufern immer wieder, dass sie noch niemals eine Freundin hatten? Sind nicht die meisten Leute in den Internetforen der "Absoluten Beginner" Männer? Und gab es dort nicht auch schon von vereinzelten Autoren frauenfeindliche Sprüche zu lesen?) Vielleicht lassen auch Sie dann in Ihrer Sendung einen Halbsatz aus meinem Interview stehen, der in den von Ihnen konstruierten Kontext zu passen scheint. Und auch das würde vermutlich von den Programmverantwortlichen der ARD gedeckt werden.

Habe ich irgendeine Garantie, dass es nicht so abläuft? Vor vielen Jahren wäre das noch so gewesen. In dem Zustand, in dem sich die ARD mittlerweile befindet, leider nicht. Reißerische Darstellungen scheinen dort inzwischen den Vorrang vor seriöser Recherche und Berichterstattung zu haben.

Die Mitwirkung an einer solchen Sendung könnte ich nicht verantworten, und nach meinen eigenen Erfahrungen müsste ich auch jedem "Absoluten Beginner" davon abraten, sich einem Interview durch Vertreter der Öffentlich-Rechtlichen zur Verfügung zu stellen.

Wie ich an Artikeln wie diesem sehe:
http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/12/30/arroganz-pur-wdr-chefredakteur-verhoehnt-kritiker-nennt-gez-eine-demokratieabgabe/
nimmt sowohl die Unzufriedenheit der Zuschauer als auch die Selbstgerechtigkeit der Verantwortlichen bei der ARD zu. Letzeres erklärt sich natürlich aus einem System, das auch jene verpflichtet worden sind, durch ihre Gebühren zu finanzieren, die den dort inzwischen herrschenden Mangel an journalistischer Seriosität verabscheuen. Es dürften sich aber immer weniger Menschen finden, die diesem System auch noch kostenlose Zuarbeit leisten werden.

Weitere Anfragen seitens Mit- oder Zuarbeitern der ARD werde ich für die nächste Zeit in ähnlicher Weise beantworten. Ich hoffe allerdings sehr, dass sich die ARD möglichst bald wieder an ihre Programmgrundsätze halten und zu seriösem Journalismus zurückfinden wird. Im Jahr 2013 allerdings ist Ihre Betonung, nur für die Öffentlich-Rechtlichen zu arbeiten, kontraproduktiv, wenn es um Fragen der journalistischen Seriosität geht.

Mit freundlichen Grüßen

Arne Hoffmann

 

Weitere Beiträge

Antifeminismus zwischen Demagogie und Flirthilfe


Da lese ich, im Zug sitzend, unschuldig auf meinem Laptop ein paar Texte zum Thema „Antifeminismus“, kämpfe mich zum Beispiel ohne Rücksicht auf mich selbst durch Rolf Pohls „Männer – das benachteiligte Geschlecht? Weiblichkeitsabwehr und Antifeminismus im Diskurs über die Krise der Männlichkeit“
und bleibe trotz des wikipedia-Artikels mit der großen Überschrift „Antifeminismus“ wach – und in der...

„Lasst das mal den Papa machen“

Der „Stromberg“-Film ist sexistisch: Fragt sich nur, gegenüber wem
Bernd Stromberg ist zurück: Noch ein Mal – als Kinofilm. Die Büro-Satire spielt im (vermeintlichen) Alltag europäischer Durchschnittsbürger, in diesem Falle Versicherungsangestellter in Nordrhein-Westfalen.
So viel vorweg: Ich teile die Ansicht des Schauspielers – und Hauptdarstellers – Christoph Maria Herbst, wonach „Stromberg“...

Feministische Selbstgespräche, Filterbubbles und die Produktion von Nazis


Als der WDR-Talker Jürgen Domian auf seiner Facebook-Seite ein mild-kritisches Zitat über den neuen Papst veröffentlichte, Facebook dieses Zitat löschte, die Löschaktion von Domian kritisiert und von vielen als „Zensur“ bezeichnet wurde, trat die Bloggerin Antje Schrupp auf den Plan.
„Dummes Gerede“ sei das, mit Zensur habe das überhaupt nichts zu tun. Auf ihrem Blog, der ausgerechnet „Aus Liebe zur...

Die Politik heizt Feindseligkeit zwischen den Geschlechtern an

Gerhard Amendt im Interview mit MANNdat
Der Soziologe und Autor Prof. Gerhard Amandt ist Experte im Bereich Geschlechterpolitik und Geschlechterverhältnisse.
 Er war an der Universität Bremen Professor am Institut für Geschlechter- und Generationenforschung und hat die WHO in Familienplanungsfragen beraten. Wir haben ihn zu seinem neuen Buch „Von Höllenhunden und Himmelswesen“ interviewt.
...

Gleichstellungspolitik und mediale Aushöhlung des Grundgesetzes


In der ARD wurde am 21. Mai 2014 ein Film über Elisabeth Selbert gezeigt, die sogenannte „Mutter der Gleichstellung“. Im Anschluss daran wurde über die Situation von Frauen in der Sendung PlusMinus diskutiert. Auf der Internet-Seite der ARD findet man auch eine Galerie mit Kommentaren zur Frauenquote. Auch von mir wurde dort ein Kommentar veröffentlicht.
Propaganda umgeht die kritische Vernunft oder...

Wer braucht Feminismus? Na, wir!


Jasmin Mittag war in den USA und hat von dort etwas mitgebracht. Sie stellt beunruhigt fest, dass der Feminismus diejenige soziale Bewegung mit dem schlechtesten Image sei: „Sich für Umweltschutz, Tierrechte oder Frieden einzusetzen, ist zum Beispiel wesentlich angesehener“.
Natürlich ist es ein Mysterium, warum viele Menschen eine halbwegs intakte Umwelt oder die Vermeidung von Atomkriegen für...

Ansichten eines gefährlichen Clowns

Von Bernhard Lassahn   17. März 2012
„Glauben Sie’s doch einfach“, sagte sie, „einfach glauben. Sie können sich nicht vorstellen, wie der eiserne Wille, einfach etwas zu glauben, hilft.“ So heißt es bei Heinrich Böll in den ‚Ansichten eines Clowns’. Glauben muss man auch, was jüngst im Auftrag der Böll-Stiftung als „Studie“ über die „Antifeministische Männerrechtsbewegung“ veröffentlicht wurde. Überzeugen kann es...

Offener Brief an Cordt Schnibben, DER SPIEGEL


Einige meiner Leser haben die Bitte des SPIEGEL-Redakteurs Cordt Schnibben, ihnen über ihre Erfahrungen mit dem Niedergang des deutschen Journalismus zu schreiben, nicht nur erfüllt, sondern auch mich ins CC gesetzt. Einen dieser Briefe veröffentliche ich nach Rücksprache mit dem Verfasser gerne hier als Offenen Brief an den SPIEGEL.
Dass immer mehr Journalisten zu Ideologen werden und ihnen dabei...