Interviewfrage an Karl Lagerfeld: „Wie halten Sie es mit Familie?“ Antwort: „Nein! Nein! Man kann nicht alles haben!“

Familie-kjui8956

Auf dem Feld der Familien- und Geschlechterpolitik gibt es eine mehr oder minder stark radikalisierte Minderheit von Frauen, die sich als selbst ernannte Avantgarde begreift und die tatsächlich - ohne erkennbare kritische Selbstreflexion - meint, sie hätte die nötige Einsicht und die Legitimation, gegenüber der Mehrheit der Frauen die politische Führung zu übernehmen, die Männer systematisch zu diskriminieren, um eigene Interessen durchzusetzen, und der Gesamtgesellschaft die Richtung ihrer Selbstveränderung vorzugeben.

Diese Ansprüche sind zwar entgegen der öffentlichen Wahrnehmung völlig unbegründet und unwahr, aber die Frauennetzwerke haben es verstanden, sich umfangreich öffentliche Mittel zu beschaffen und damit politisch-organisatorisch eine ganze Architektur von einflussreichen Frauennetzwerken zu schaffen, die auf allen Ebenen, von der EU-Bürokratie bis in die letzte Kommune und Hochschule tätig und wirksam sind. Es gibt zum einen die relativ verselbständigte Ebene der „Gender Studies“ in den Hochschulen, in denen „geforscht“ wird, dann die machtpolitisch fundamentale Ebene der Frauen- bzw. „Gleichstellungsbeauftragten“, weiter das Mycel der politisch organisierten Feministinnen in den NGO´s, den  Verbänden, den Kirchen,  den Parteien und Parlamenten, sowie die Ebene der Journalistinnen, die die kollektive Propagandistin verkörpert und für die nötige faktische Zensur sorgt. Schließlich gibt es noch die Juristinnenverbände, die die rechtspolitische Privilegierung „der Frauen“ konzeptionell vorantreiben. Die Gesamtheit dieser und weiterer Organisationsformen, etwa in Stiftungen oder privaten Verlagen, bündelt sich zu dem, was aufgrund der juristischen und institutionellen Verankerung „Staatsfeminismus“ zu nennen angemessen ist.

Die Tendenz dieser Politik ist, in Übereinstimmung mit privatwirtschaftlichen Interessen, denen es um die Erschließung des weiblichen Arbeitskräftepotenzials geht, u. a. gegen die traditionelle Familie gerichtet, so wie sie in Art. 6 GG gemeint war und ist. Die Berufstätigkeit der Frauen wird höher gewertet als ihre Tätigkeit in der Familie. Und die speziellen Bedürfnisse der Kinder werden bagatellisiert oder gleich ganz verleugnet. Allerdings ist die Berufstätigkeit als alleiniger Lebensinhalt nur für eine Minderheit von Frauen eine sinnvolle Perspektive, nämlich für jene, die aus diesem oder jenem Grund kinderlos bleiben und die ihre ideologisierte Selbstwahrnehmung unzulässig verallgemeinern.

Die große Mehrheit der Frauen dürfte zwar berufstätig sein wollen, aber eben nur zeitweilig oder nur mehr oder weniger in Abhängigkeit von den jeweiligen familiären Anforderungen, denen von den Frauen selbst meist eine Priorität zugewiesen wird. Es kommt entsprechend häufig zu mehr oder weniger tragfähigen Kompromissen, etwa durch die Ausübung von Teilzeitarbeit.

Diese Anforderungen an Haushalt und Familie sind in Zeiten der Kleinfamilie im historischen Vergleich drastisch geschrumpft, und zwar einerseits wegen der heute viel geringeren Kinderzahl und andererseits wegen der Halbautomatisierung der privaten Haushalte. Dennoch wird selbst auf hohem und höchstem Niveau weiter gejammert, so wie wir es aus dem Märchen vom „Fischer und seiner Frau“ immer schon kennen. Gleichwohl ist es plausibel und legitim, dass die Frauen ihre angewachsene disponible Zeit für eine berufliche Tätigkeit verwenden wollen, insbesondere, wenn die historische Anhebung ihres Qualifikationsniveaus berücksichtigt wird. Aber in diesen Kompromissbildungen setzt sich das Realitätsprinzip gegen die illusorische Vorstellung durch, man könne einfach alles haben. Das ist eben nicht und niemals so. Im Gegenteil gilt, dass niemand alles haben kann, Männer nicht, und Frauen auch nicht. Karl Lagerfeld war das völlig klar. Denn die Kehrseite einer Entscheidung für etwas ist immer der Verzicht auf etwas anderes. Männer beispielsweise, die lebenslang alternativlos voll im Berufsleben bleiben, verzichten, zumeist unfreiwillig, weitgehend darauf, die tägliche Entwicklung ihrer Kinder mitzuerleben und zu begleiten, also als Vater für sie anwesend zu sein. Das, zum Beispiel, wird gern übersehen.

Gegenüber all diesem ideologisierten feministischen Anspruchsdenken zeigt nun die Allensbach-Studie, wie sich Männer und Frauen im Hinblick auf Berufstätigkeit und Familie und Kinder tatsächlich verhalten. Sie verbleiben nämlich, offenbar relativ unbeeindruckt, weit stärker in traditionellen Bahnen als es die diesbezügliche eifernde und nicht selten auch geifernde Propaganda vermuten ließe. Der Grund hierfür dürfte schlicht in der Dominanz des gesunden Menschenverstandes und zugleich in einem Pragmatismus der Praxis liegen, der die Verrücktheiten denen überlässt, die ihrer würdig sind. Und das ist gut so.

 

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren

Weitere Beiträge

Petition zur Förderung von Jungen - Das Potential von Jungen begreifen

Petition an Manuela Schwesig 03. April 2014
Bildung ist ein wichtiger volkswirtschaftlicher Faktor und die Grundlage für die Entwicklungsperspektiven von Kindern und Jugendlichen. Bildung und Bildungsförderung sind vielfältige gesamtgesellschaftliche Herausforderungen auf kommunaler sowie Länder- und Bundesebene.
Im Sinne eines von der Bundesregierung propagierten Gender Mainstreamings gehört...

Ice, Ice, Baby


Früher musste die Karriere auf Eis gelegt werden für die Kinder – heute soll es andersherum funktionieren. Was als weiterer emanzipatorischer Schritt gefeiert wird, ist in Wirklichkeit Abzocke, die mit den Ängsten von Frauen spielt.
Es wird als Sieg der Frau über ihre eigene Biologie gefeiert und schwappt als Trend gerade aus den USA nach Deutschland: Social Freezing. Frau lässt sich ihre...

#Aufschrei: Das Schweigen der Männer und vegane Schweinshaxen


Ich wollte ja immer schon einmal einen Text über „Gender Mainstreaming“ schreiben, hatte dabei aber das kleine Problem, dass ich auch nach langen Überlegungen und der Lektüre vieler Texte noch immer nicht so recht weiß, was das ist.
Also habe ich auf der Seite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend nachgesehen, weil dort Gender Mainstreaming ja engagiert vorangetrieben...

Familie, Arbeitsmarkt und Gleichstellungspolitik


Wirtschaft, Unternehmen, Profit, Arbeitsmarkt, Konkurrenz auf der einen und Ehe, Familie,  Kindererziehung, Liebe und Vertrauen auf der anderen Seite bezeichnen die beiden Seiten des Widerspruchs zwischen Produktivität und Reproduktivität.
Wenn die wirtschaftliche Seite aufgrund ihres Profitstrebens übergriffig wird, indem sie die privat-familiale Seite nicht mehr respektiert, indem sie versucht, auf...

Gleichstellung als Verteilungspolitik


Jutta Limbach hat unter dem Titel „Endlich halbe halbe!“ einen Artikel zur Gleichstellungspolitik geschrieben, der bei mir Erstaunen ausgelöst hat.
Denn Jutta Limbach ist eine habilitierte Juristin mit SPD-Parteikarriere, die sie bis in die Ämter der Vizepräsidentin und der Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts führte. Daher erwartet der Leser eine qualifizierte juristische Argumentation zum...

Lebenssituation junger Männer


Das Lebensgefühl vieler junger Männer ist geprägt von einer tiefen Verunsicherung.
Paradox sind sowohl die Erwartungen an „männliches“ Verhalten in den unterschiedlichsten Lebensbereichen als auch die Ausübung der „männlichen“ Rolle, deren genuine Existenz oft bestritten, dann ihre peinlich genaue Einhaltung jedoch neuerlich eingefordert wird.
 

Männerverbände: "Die Politik muss weniger weiblich werden"

"Die Politik muss zahlenmäßig weiblicher werden. Wenn es um Familien- und Geschlechterpolitik geht, muss die Politik jedoch weniger weiblich werden", formuliert Gerd Riedmeier, Sprecher der Interessengemeinschaft Jungen, Männer und Väter (IG-JMV) in einer aktuellen Presseerklärung.
Die um Regierungsbeteiligung verhandelnden Parteien haben Riedmeier zufolge die Aufgabe, den alleinigen Fokus der...

Fördert endlich die Jungen!


Ein Sammelband beschäftigt sich mit der Frage, ob wir eine Männerquote in Kitas und Schulen brauchen, anstatt endlich ideologiefreie Konzepte zur Jungenförderung zu entwickeln.
Seit Jahren stagnieren die schulischen Leistungen von Jungen. Sie haben im Schnitt schlechtere Noten als Mädchen, brechen die Schule wesentlich häufiger ab. Die Mehrzahl der Abiturienten und Studenten sind weiblichen...