In der österrechichen Zeitung „Der Standard“ gelangt man, wenn man in der Suchfunktion „gender“ eingibt, auf eine feministische Seite, die sich „Die Standard“ nennt.

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So wird man gleich eingestimmt auf das Niveau, das einen hier erwartet. Ich greife unter den verschiedenen Beiträgen den von Sonja Fercher mit dem Titel „Der Kampf gegen das ´andere Geschlecht´“ heraus.

Sie meint damit nicht etwa den Kampf der Feministinnen gegen „den weißen, gesellschaftlich etablierten heterosexuellen Mann“, sondern den gesellschaftlichen Widerstand gegen eben diesen feministischen Kampf. Man versteht das. Es wäre viel angenehmer, wenn die Genderfrauen mit einem solchen Widerstand und überhaupt mit Kritik nicht konfrontiert wären. Daher beginnen sie nun, verbal um sich zu schlagen. Nun denn: Ich beschränke mich kommentierend auf drei kurze Auszüge.

“Es ist inzwischen 65 Jahre her, dass Simone de Beauvoir ihre Schrift “Das andere Geschlecht” vorgelegt hat, in dem sie den berühmt gewordenen Satz formuliert: “Man wird nicht als Frau geboren, man wird dazu gemacht.” Eben diese soziale Konstruktion von Geschlechterrollen, wie sie der Begriff “Gender” bezeichnet, sorgt nun in der Heimat der Philosophin für hitzige Debatten und für eine immer breiter werdende Kampagne.”

Frau Fercher weiß so wenig wie die anderen Feministinnen, was dieses dümmste aller feministischen Zitate wirklich bedeutet. Simone de Beauvoir war eine hochintelligente Frau und – auch geistige – Partnerin von Jean-Paul Sartre, dem Exponenten der existenzialistischen Philosophie in Frankreich. Es ist ausgeschlossen, dass ihr nicht klar gewesen wäre, dass männliche und weibliche Kinder bereits als solche zur Welt kommen. Denn das ist ebenso trivial wie das Wissen darum, dass diese von Eltern und Lehrern erzogen werden.

Simone de Beauvoir war wie Sartre Existenzialistin, und der oben zitierte Satz muss im Kontext dieser Philosophie und gerade n i c h t  im Kontext postmoderner Schriften interpretiert werden. Der Existenzialismus bezieht sich auf die Freiheit des Menschen, das eigene Leben individuell selbst in die Zukunft hinein zu entwerfen und es dann selbstverantwortlich und unter Akzeptanz der sich daraus ergebenden Folgen zu gestalten. Genau das haben Sartre und Beauvoir getan, und die heutige Frauengeneration sollte dasselbe tun. Dass der Preis des Paares dafür Kinderlosigkeit war, das haben sie selbstverständlich akzeptiert. Denn man kann nicht alles haben. Niemand kann das, denn eine Entscheidung f ü r etwas ist zugleich unvermeidlich eine Entscheidung g e g e n etwas anderes. Simone de Beauvoir steht nach ihrer gesamten Lebensweise im Widerspruch zum heutigen Feminismus.

“Gender: Nur eine Theorie?
“Gender-Theorie”: Diese Formulierung der Gender-GegnerInnen ist kein Zufall, sondern vielmehr Ausdruck einer ideologischen Überzeugung. Mit dem Begriff “Theorie” will man unterstreichen, dass es sich bei der Vorstellung der Konstruktion von Geschlecht nicht um eine wissenschaftliche Erkenntnis handle, sondern um eine politische These, die abzulehnen sei.”

Die “Vorstellung der Konstruktion von Geschlecht” ist überhaupt keine wissenschaftliche Erkenntnis, sondern ein postmodernes, konstruktivistisches ideologisches Postulat, oder schlicht: eine völlig unbewiesene Behauptung, weiter gar nichts. Deshalb gibt es keine „Gender“-Theorie.

Frau Fercher mag an diese Behauptung glauben, mag sie für wahr halten, aber das ist ihre persönliche Angelegenheit. Sie darf auch an ihr Horoskop glauben; bitte sehr.

“Unter dem Dach der “Anti-Gender-Theorie”-Bewegung versammeln sich FundamentalistInnen aus dem christlichen wie muslimischen Milieu, katholische Würdenträger, aber auch Persönlichkeiten wie der umstrittene Journalist Eric Zemmour. Es sind ähnliche Personen, die Anfang des Jahres 2013 bei der “Demonstration für alle” auf die Straße gingen, um gegen die von der Sozialistischen Regierung später beschlossenen “Ehe für alle” zu protestieren.”

Das mag so sein, aber das einzige, was damit bewiesen wird, ist, dass Frau Fercher überhaupt nicht in der Lage ist, sachlich zu argumentieren.

Es kommt darauf an, w a s jemand sagt, nicht w e r etwas sagt.

Stattdessen diffamiert Frau Fercher Leute mit anderen Auffassungen. Aber:

„Die Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden.“ schrieb Rosa Luxemburg (Werk: Die Russische Revolution) dazu. Ich betone hier: immer!

Nichts zeigt – im Vergleich dazu – das niedrige intellektuelle und moralische Niveau des heutigen Feminismus so präzise an wie diese leider vielfach zu beobachtende Diffamierungspraxis.

 

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