Regisseurinnen fordern eine Frauenquote in der Filmbranche. Sie beklagen „eine männliche Sicht auf die Welt“ in Film und Fernsehen.

FrauKamera 170 Regisseurinnen fordern eine Frauenquote für die Vergabe von Regieaufträgen und Fördermitteln. Zu den Unterzeichnerinnen von Pro Quote Regie gehören u.a. Doris Dörrie, Senta Berger und Veronica Ferres.

Da 85 Prozent der Regieaufträge an Männer vergeben werden, wird in 85 Prozent der Kino- und Fernsehfilme „eine männliche Sicht auf die Welt inszeniert.“ In der Logik der Initiatorinnen heißt das: Filme, die von Männern gemacht werden, vermitteln dadurch, dass sie von Männern gemacht werden, „eine männliche Sicht auf die Welt“.

Zunächst fällt hier der Essentialismus  der Formulierung auf: Es gibt „eine männliche Sicht auf die Welt“ und offensichtlich „eine weibliche Sicht auf die Welt“. Das widerspricht eigentlich der Gender-Ideologie, die jeglichen Essentialismus ablehnt, aber um Widersprüche scheinen sich die Initiatorinnen nicht zu kümmern.

Zweitens frage ich mich, was „eine männliche Sicht auf die Welt“ in der Filmkunst bedeuten soll. Ein Regisseur vermittelt in seinen Filmen seine eigene, individuelle Sicht auf die Welt, genauso  wie eine richtige Regisseurin ihre eigene, individuelle Sicht auf die Welt vermittelt. Auch was die Machart der Filme angeht, unterscheiden sich die Regisseure voneinander. Auch das macht ihre Individualität aus. Mit dem Geschlecht hat das nichts zu tun.

Kunst ist heute – ob wir es wollen oder nicht – Ausdruck von Individualität. Das haben die Initiatorinnen und Unterzeichnerinnen von Pro Quote Regie offensichtlich nicht verstanden. Oder haben sie selbst keine Individualität, können sie ihren Filmen keinen individuellen, originellen Stempel aufsetzen?

Zurück zur „männlichen Sicht“: Wie zeigt sich beispielsweise in den Filmen von Ingmar Bergman, Luis Bunuel oder Jean-Luc Godard „eine männliche Sicht auf die Welt“? Ich vermag eine solche Sicht in den Filmen der genannten Regisseure und auch in den Filmen anderer bekannter oder weniger bekannter Regisseure nicht zu erkennen.

Die Initiatorinnen von Pro Quote Regie schreiben ferner: „Eine konsequente Gleichstellung von Frauen bei der Verteilung von Regieaufträgen ist ein wesentlicher Schritt, um Pluralität zu fördern.“ Auch hier sind sie nicht in der Lage, den individuellen Charakter der Kunstproduktion zu verstehen, denn Pluralität bzw. Diversität kann nur Pluralität/Diversität von individuellen Leistungen sein. Die Initiative Pro Quote Regie kann daher nur als ein Rückfall hinter den Individualismus, als ein Rückfall in kollektivistische Denkmuster angesehen werden.

Regieaufträge und Filmfördermittel sollten nicht nach dem Geschlecht, sondern nach der Qualität der vorgestellten Filmprojekte vergeben werden. Es gibt Qualitätskriterien in der Filmkunst, und zwar hinsichtlich des Inhalts und der Form der geplanten Filme. Die Initiatorinnen und Unterzeichnerinnen möchten offensichtlich außerhalb der Qualitätskriterien und außerhalb des Wettbewerbs Regieaufträge und Filmfördermittel erhalten  - eine  Logik und eine Praxis der Frauenprivilegierung, die wir aus anderen Bereichen zur Genüge kennen.

 

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