Geschlechterdebatte:

Der radikale Biologismus des Gender-Mainstreamings

Bei der Frauenquotenpolitik geht es darum, ein Mittel zu finden, um sich auf dem Arbeitsmarkt und in den Personalhierarchien privater Unternehmungen und öffentlicher Organisationen in der subjektiv als übermächtig erlebten Konkurrenz gegenüber Männern Sondervorteile zu verschaffen.

AnatomieMannFRau-klnj8767 In der Durchsetzung dieser Interessen gibt es bis hin zum offenen Verfassungsbruch kaum Hemmungen. Allerdings muss der feministischen Rechtfertigungsrhetorik, die hierfür entwickelt worden ist („Geschlechtergerechtigkeit“ usw.), Respekt gezollt werden.

Denn soviel Heuchelei auf einmal ist auf seine Weise eine historische Leistung. Aber wir haben es eben nur mit Rhetorik und nicht mit Begründungen zu tun. Begründungen müssen in logischer Hinsicht fehlerfrei und in empirischer Hinsicht gültig sein. Da die empirische Seite bereits hinlänglich kritisiert worden ist, soll hier der logischen Kohärenz Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Gideon Böss hat einen Artikel mit dem Titel „Mit Sexismus für die Frauenquote“ veröffentlicht. Er schreibt u. a. folgendes:

“Die SPD will eine Frauenquote in Führungspositionen. Als Teil der dazugehörigen Kampagne startete gerade #BockAufQuote. Dabei stellen Frauen ein Bild von sich online, auf dem steht: „Ich werde dann mal Chefin“. Dass Quotenregelungen immer automatisch die Diskriminierungen all jener zur Folge haben, die nicht in den Genuss der Quote kommen, scheint sie dabei nicht zu stören. Stattdessen betonen die Befürworter der #BockAufQuoten-Kampagne immer die wichtige Signalwirkung, die mehr weibliche Führungskräfte für die Frauen insgesamt hätten. Damit haben sie sich für die edlere von zwei möglichen Deutungen entschieden.”

“Unabhängig von allem anderem, ist dieser Quoten-Vorstoß natürlich der pure Sexismus. Schließlich soll der prüfende Blick auf die Genitalien darüber entscheiden, wer die Führungsposition bekommt. Die #BockAufQuote-Kampagne würde jedenfalls nichts an Glaubwürdigkeit verlieren, würde sie #BockAufSexismus heißen. Aber das klingt halt einfach zu hässlich.”

Die Kommentatorin Corinne schreibt dazu (ebd.):

“Beim Global Gender Gap Report des World Economic Forum ist Deutschland wieder auf einem hinteren Platz gelandet. Man kann doch nicht ständig so tun, als würden Frauen und Männer mit den gleichen Vorraussetzungen starten, wenn dem nicht so ist. Die strukturelle Benachteiligung von Frauen ist eine Tatsache. Wenn beide Geschlechter von der gleichen Basis aus starten, kann man all die Argumente oben diskutieren. Bis dahin braucht man die Quote.” (Hervorhebung: GB)

Aber Corinne befindet sich im Irrtum: Die - wie immer in solchen Fällen bloß behauptete - strukturelle Benachteiligung von Frauen ist eben k e i n e Tatsache, sondern ein feministisches Dogma, das ich „Patriarchatsdogma“ nenne. Im übrigen braucht niemand die Ziele und Maßstäbe zu akzeptieren, die dem Global Gender Report des World Economic Forum normativ vorausgesetzt sind. Sie müßten allererst einmal begründet werden, um akzeptiert werden zu können. Fehlanzeige: das Dogma schlägt überall durch.

Der Feminismus behauptet mit der Kategorie gender selbstwidersprüchlich, dass es nicht nur zwei Geschlechter gebe, nämlich Mann und Frau, sondern – soziologistisch gedacht – keines oder nur eines oder viele Geschlechter, und zwar im Sinne eines vermeintlich existierenden Kontinuums von Geschlechtlichkeit überhaupt, während er zugleich mit der Frauenquotenpolitik nach rein biologischen Kriterien nur diese Teilmenge (Frauen) zu Lasten der anderen (Männer) bevorteilen will.

Er ist also mit der ersten Haltung anti-biologisch und soziologistisch, mit der zweiten aber strikt biologisch und anti-soziologisch. Denn soziologisch ist nicht die Geschlechtszugehörigkeit relevant, sondern die Klassen- und Schichtzugehörigkeit von Personen, einerlei welchen Geschlechts. Deshalb gibt es auch in allen Klassen und Schichten notwendigerweise Männer und Frauen. Und deshalb geht die Argumentation von Judith Schoenen fehl; sie ist wie alle anderen Feministinnen gefangen vom falschen Schema der feministischen Dichotomie und sie versteht deshalb die Stratifikation der bürgerlichen Gesellschaft nicht.

Auch gesellschaftliche Klassen und Schichten reproduzieren sich - bei gegebenen gesellschaftlichen Verhältnissen – biologisch, und das heißt, einmal abgesehen von sozialen Auf- und Abstiegen, in sich, und zwar mittels Heterosexualität sowie der gesellschaftlichen Institution der Familie. Erodiert diese, u. a. wegen einer falschen Familienpolitik, dann geht das tendenziell zu Lasten einer gelingenden biologischen Reproduktion.

Wer also im Zusammenhang mit Frauenquoten die Gender-Kategorie benutzt, der befindet sich bereits in einem logischen Selbstwiderspruch, weil gender keinen Geschlechtsdimorphismus – also die Geschlechterpolarität von Mann und Frau – kennt.

Die Forderung nach Frauenquoten ist eine Forderung ausschließlich anhand eines biologischen Merkmals, nämlich der Geschlechtszugehörigkeit als Frau (vgl. dazu auch "Von Natur aus besser? Der Biologismus hinter der Frauenquote in Aufsichtsräten"). Und die Forderung nach Frauenquoten ist nichts anderes als Ausdruck eines nackten verteilungspolitischen Anspruchs, d. h. eines Anspruchs ohne irgendeine tragfähige Begründung, ein Anspruch, der bestenfalls mit dürftigen Rechtfertigungsversuchen bemäntelt wird.

Die machtpolitische Haltung dahinter ist eine nihilistische, weil allein die faktische Durchsetzung zählt. Das erklärt auch die Gleichgültigkeit gegenüber Wissenschaftlichkeit und Wahrheit und die auffällige Gleichgültigkeit und Hemmungslosigkeit von Feministinnen im Umgang mit diesen Eckpfeilern der Aufklärung.

Wer hingegen mit der Gender-Kategorie (Judith Butler, et. al.) operiert, der hat keine Grundlage dafür, für "Frauen" Subventionen und Privilegien (Quoten z. B., oder Forschungsmittel für Frauenforschung = Gender Studies) einzufordern, denn die Gender-Kategorie suspendiert den Geschlechtsdimorphismus – also die Kategorien Mann und Frau, die es aus dieser Sicht gar nicht gibt, weil die biologische bzw. anthropologische Grundlage der Gesellschaft, der Mensch als Natur, verleugnet wird.

Soviel zur „Logik“ des Feminismus.

 

Weitere Beiträge
Geschlechterdebatte

Was Frauen wollen und Männer wollen sollen


Die von der  „Bild der Frau“ beim Allensbach-Institut in Auftrag gegebene Studie „Der Mann 2013: Arbeits- und Lebenswelten – Wunsch und Wirklichkeit“ beginnt im Vorwort mit einem skurril wirkenden Kommentar zwischen Wunsch und Wirklichkeit:
„Und damit sind wir bei der großen guten Botschaft der Männer-Studie: Sein Respekt vor Frauen wächst! Das freut uns, nicht zuletzt, weil auch...

Geschlechterdebatte

Warum eine Frauenquote für Top-Positionen niemandem nützt – vor allem nicht den qualifizierten Frauen


Die vielzitierte „Gläserne Decke“, die besagt, dass Frauen auf ihrem Karriereweg (von Männern) behindert würden, ist ein Mythos – auch wenn deutlich weniger Frauen in Top-Positionen zu finden sind. Die Vorstellung von benachteiligten und unterdrückten Frauen einerseits und bestens verdienenden Männern, denen ein „roter Teppich“ für ihren Aufstieg an die Spitze gelegt wird, hält einer objektiven...

Geschlechterdebatte

So machen Sie Quotengegnergegner mundtot


"So machen Sie Quotengegner mundtot" verspricht die SZ anhand von den beliebtesten handentkräfteten Gegenargumenten zu erklären.
Was folgt, ist ein jeweils "beliebtes" Gegenargument zur Quote in Vorständen, um danach entsprechende Pro-Quote-Argumente zu bringen. Das ist natürlich ein Spiel, das zwei spielen können, daher soll hier Stellung zu den Quote-Argumenten genommen werden, zu deren...

Geschlechterdebatte

Wer braucht Feminismus? Na, wir!


Jasmin Mittag war in den USA und hat von dort etwas mitgebracht. Sie stellt beunruhigt fest, dass der Feminismus diejenige soziale Bewegung mit dem schlechtesten Image sei: „Sich für Umweltschutz, Tierrechte oder Frieden einzusetzen, ist zum Beispiel wesentlich angesehener“.
Natürlich ist es ein Mysterium, warum viele Menschen eine halbwegs intakte Umwelt oder die Vermeidung von Atomkriegen für...

Geschlechterdebatte

Der Mann 2013: Arbeits- und Lebenswelten - Wunsch und Wirklichkeit


Die Studie "DER MANN 2013: Arbeits- und Lebenswelten - Wunsch und Wirklichkeit" (in der Presse kurz und plakativ "Wie tickt der Mann?" bezeichnet) beschäftigt sich mit dem Thema Gleichberechtigung. Natürlich in erster Linie aus Sicht der Frau.
Immerhin wurde diese Studie im Auftrag von Bild der Frau angefertigt. Bemerkenswert für MANNdat ist, dass immerhin 76% der befragten Männer angaben,...

Geschlechterdebatte

Wie uns die „Zeit“ wieder mal davonlief


Ich schaue ja immer gerne nach, wo Artikel des man tau-Blogs verlinkt worden sind. Als ich heute Abend nach Hause kam, fand ich in meinen Statistiken beispielsweise Besuche von der Seite der Zeit – dort hatte der Leser gran_torino77 einen Text von mir im Kommentarbereich verlinkt.
Vielen Dank dafür! Am selben Tag wurde mir noch ein weiterer Link aus der Zeit angezeigt, aus deren mit Abstand...

Politik

Wie der Liberalismus eine Zukunft hat

Vom Liberalismus des Besitzbürgers zum Liberalismus des Staatsbürgers. Eine Denkschrift
Das Ausscheiden der FDP aus dem Bundestag, das in den Medien mit viel Spott und Häme kommentiert wurde, legt den Gedanken nahe, dass der Liberalismus in Deutschland tot sei.
Allerdings ist die FDP noch in einigen Bundesländern in den Parlamenten vertreten, und sie mag sich wieder erholen. Auch wird die...

Geschlechterdebatte

Linkes Selbstverständnis als Anspruch und Irrtum


Alban Werner, ein Mitglied der Partei der LINKEN, hat in den Blättern für deutsche und internationale Politik einen lesenswerten Artikel über die „Alternative für Deutschland“ (AfD) veröffentlicht, in dem er sich, auch wenn es ihm, wie manche Formulierungen erkennen lassen, schwer gefallen und nicht immer gelungen ist, doch erkennbar um eine gewisse Sachlichkeit und Differenzierung bemüht hat.
...

Politik

Dummheit 2.0: Die Piraten haben es voll verkackt


Das war kein Elfmeter, den sie verschossen haben. Die Piraten standen 3 Meter vor dem Tor, kein Torwart, keine Gegenmannschaft, viel Zeit – und trotzdem haben sie das Tor nicht getroffen.
Ich habe in meinem Blog schon mehrfach prophezeit, dass die Piraten als Mehrheitsbeschaffer in die Regierung kommen könnten, wenn sie es über die 5-Prozent-Hürde schaffen. Eigentlich hatte ich vermutet, dass es für...

Politik

Rezension: „Piraten - Auslaufen zum Kentern! Wie man eine Partei erfolgreich versenkt“


In der letzten Woche waren die Absurditäten in der Piratenpartei einmal mehr Thema auf Genderama. Das brachte mich dazu, mich intensiver mit der Frage zu beschäftigen, warum eine Partei, die weit überwiegend von Männern gegründet und etabliert wurde, für Sektierer aus dem feministischen Lager derart anfällig ist.
Und wie kam es überhaupt zum Niedergang dieser Partei? Noch vor wenigen Jahren...

Geschlechterdebatte

Der undressierte Mann


2oo8 veröffentlichte Walter Hollstein im Aufbau-Verlag sein Buch „Was vom Manne übrig blieb“. Es entwickelte sich rasch zu einem Standardtext zur Problematik der wachsenden Männerfeindlichkeit. Seit Frühjahr 2012 ist der Band vergriffen. Er erscheint nun ganz neu bearbeitet, aktualisiert und um einige Kapitel erweitert im Verlag „Opus Magnum“ (Stuttgart). Wir veröffentlichen einen Ausschnitt aus...

Geschlechterdebatte

Die Frauenquote und ihr Rattenschwanz


Die Beseitigung der Benachteiligung aufgrund des Geschlechtes am Arbeitsplatz war eine der Hauptforderungen der Frauenpolitik vor 30 Jahren. Jetzt setzt die gleiche Frauenpolitik durch, dass die Benachteiligung aufgrund des Geschlechtes in immer mehr Bereichen gesetzlich festgelegt wird: Per Frauenquote.
Dabei wird es nicht nur Dax-Unternehmen treffen, sondern weitgehende negative Veränderungen...