Nicht nur im Bereich Menschenrechte kommen Männer zu kurz. Dasselbe gilt für die Gesundheitspolitik (was natürlich letzten Endes auch ein Menschenrecht, das Recht auf Leben, betrifft).

AIDS fbvdsthzNäheres verrät die akademische Analyse Men’s heightened risk of AIDS-related death: the legacy of gendered HIV testing and treatment strategies von Kathryn Dovel, Sara Yeatman, Susan Watkins und Michelle Poulin.

Dort heißt es:

Women are frequently depicted as the face of AIDS in sub-Saharan Africa (SAA) [1–3], where they comprise nearly 58% of all reported HIV infections [4]. Donor dollars, policies and HIV programmes have followed suit, resulting in a near-exclusive focus on women (e.g. [5]). Although African women are represented as particularly vulnerable to HIV infection [6], it is men, not women, who are more likely to die of AIDS [7–9]. AIDS prevalence may have the face of a woman, but AIDS mortality has the face of a man.

(...) Much of the literature implicitly blames men for their poor use of testing and treatment, focusing on the role of masculinity as the primary explanation [21,22]. Recent data, however, raise doubt that masculinity is the main culprit. Men are just as likely as nonpregnant women to initiate voluntary counselling and testing (VCT) in some settings [23,24], and once tested positive, men initiate ART at similar rates as women [25,26]. These findings suggest that institutional supply-side barriers, and not solely masculinity, contribute to men’s lower rates of testing and treatment.

Our research in Malawi shows that by prioritizing women, health policies and institutions implicitly sideline men. (...) The few men who attend antenatal services with their partners are ignored in health education talks given before ANC and are given cues that their partner’s health is more important than their own [29]. (...) Given men’s burden of AIDS-related mortality and the near exclusive focus of health institutions on women, we argue that HIV-positive men represent a new vulnerable population in the AIDS epidemics of SSA. (...) The tacit but systematic exclusion of men from targeted HIV testing and treatment strategies constrain the ability of HIV-positive men to manage the risks associated with their infections. (...) Speci?cally, the absence of institutional support for testing men during their peak ages of HIV incidence (as is the case for women via antenatal services) has contributed to the large sexual disparities in HIV survival [34].

Die Parallen zu (anderen) Menschenrechtsthemen sind offensichtlich: Frauen wird Hilfe zuteil; die offenbar unnötigen Männer hingegen lässt die herrschende Genderpolitik verrecken. Wenn es darum geht, Menschenleben zu retten, bleibt für eine internationale Männerbewegung in ganz unterschiedlichen Bereichen viel zu tun – und das alles vor einem medialen Hintergrund, der Männerrechtler als Nazis phantasiert.

Aber warum ist unter den vier Autoren dieser Studie eigentlich kein einziger Mann? Reiner Zufall? Institutionelle Hindernisse, weil Männer, die sich für ihre Geschlechtsgenossen einsetzen, als "bäh" gelten? Sind zu viele Männer ähnlich drauf wie Thomas Meinecke und Michael Kimmel, halten andere Männer also für minderwertig? Geht das so weit, Männer in letzter Konsequenz für irgendwie unwertes – oder zumindest "nicht ganz so wertvolles" – Leben zu betrachten? (Dass Männer mehrere Jahre früher als Frauen sterben, scheint die meisten Kerle ja auch nicht großartig zu interessieren.) Ich bin wirklich gespannt, wie lange unsere Leitmedien auf dem Thema Männerdiskriminierung noch den Deckel halten können.

Der Beitrag erschien zuerst auf Genderama.

 

Weitere Beiträge

Den Begriffen ihre eigentliche Bedeutung zurückgeben

Neulich hatte ich in einem Café ein interessantes Gespräch mit einem jungen Mann. Er las die FAZ. Ich sagte ihm, dass ich die gleichgeschalteten deutschen Leitmedien wie die FAZ seit 15 Jahren nicht mehr lese.
Der junge Mann war schockiert und verstand meine Äußerung nicht. Er sagte, dass es doch unterschiedliche Zeitungen wie die taz, die FAZ oder die Welt gibt, die jeweils unterschiedliche...

Von der Frauenemanzipation zur Frauenprivilegierung


Warum die Gleichstellungspolitik keine linke, sondern eine rechte Politik ist
Gleichheit meint in logischer Hinsicht immer die Gleichheit des Verschiedenen, denn sonst würde es sich um Identität handeln. Nur was verschieden ist, kann gleich sein. Gleichheit meint weder Identität noch enthält sie den Impuls, Ungleiches gleich machen zu wollen, sondern sie betont die Gleichwertigkeit der...

#Aufschrei: Das Schweigen der Männer und vegane Schweinshaxen


Ich wollte ja immer schon einmal einen Text über „Gender Mainstreaming“ schreiben, hatte dabei aber das kleine Problem, dass ich auch nach langen Überlegungen und der Lektüre vieler Texte noch immer nicht so recht weiß, was das ist.
Also habe ich auf der Seite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend nachgesehen, weil dort Gender Mainstreaming ja engagiert vorangetrieben...

Die politische Linke und der Feminismus

Interview mit Professor Günter Buchholz
Alexander Ulfig: Herr Professor Buchholz, Sie verstehen sich selbst als Linken. Was heißt für Sie links?
Günter Buchholz: In der bürgerlichen Gesellschaft steht politisch links, wer innerhalb der objektiven gesellschaftlichen und ökonomischen Herrschaftsverhältnisse für eine wirtschaftliche, soziale, rechtliche und politische Besserstellung der...

Double Bind im Kontext psychischer Männergesundheit

Diese zwei widersprüchlichen, aber beharrlichen Botschaften können der seelischen Gesundheit von Männern schaden.
In der vergangenen Woche fand in Kanada ein alljährliches Ereignis statt. Es war die  "Mens' Mental Health Week", die sich der seelischen Männergesundheit widmete. Sie wurde von Senator Bob Dole initiiert, um die seelische Gesundheit von Männern in den Blickpunkt zu rücken - ein gern...

Wer ist der bessere Chef?

Über feministische Mythenbildung zum Nachteil der Frauen
Deutschlands Großkonzerne wollen die Frauenoffensive auf die Chefsessel unterstützen. In der Telekom sollen bis 2015 rund 30 Prozent Frauen Führungsverantwortung übernommen haben.
Fast ein Drittel der Führungsmannschaft der Allianz-Versicherung soll, jedoch ohne Terminnennung, aus Frauen bestehen. Infineon will bis 2015 etwa 15 Prozent...

Doppeltes Opfer – Arbeiter Märtyrer: gleiche Rentenbeiträge, kürzeres Leben


Dass man eine Korrelation zwischen dem Einkommen und der Lebenserwartung zeigen kann, ist unter Sozialwissenschaftlern seit langem bekannt: Mit einem geringeren Einkommen geht eine geringere Lebenserwartung einher.
Je nach ideologischer Färbung wird das Ergebnis dann genutzt, um gegen “Bonzen” zu Felde zu ziehen, die sich einem Mindestlohn widersetzen, um die Leistungen der gesetzlichen...

Professor Gerhard Amendt: „Von Höllenhunden und Himmelwesen“ - eine Buchvorstellung


"Stell dir vor, es ist Geschlechterkampf und keiner macht mit" heißt es auf dem Backcover von Professor Gerhard Amendts neuem Buch Von Höllenhunden und Himmelswesen. Plädoyer für eine neue Geschlechter-Debatte.
Es handelt sich meines Erachtens um ein Schlüsselwerk im Moment des historischen Umbruchs, den wir gerade erleben und den Genderama begleitet: weg von den Jahrzehnten feministischer...