Er wird zum Euro-Gegner und Anti-Europäer stilisiert

Der gedruckte „Spiegel“ erschien in dieser Woche mit einem fünfseitigen Artikel „Die Taschenrechner“. Darin wird Heiner Flassbeck zum Gegner des Euro hochstilisiert und zu diesem Zwecke mit Olaf Henkel, Dirk Müller und dem AfD-Vorsitzenden Lucke vermanscht.

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Flassbeck hatte schon bei der Anbahnung des Gesprächs durch den Spiegel-Autor geahnt, dass hier ein Kampagnenjournalist tätig wird und sich den Vorgang gemerkt. Er berichtet davon hier.

Über der Überschrift des Spiegel-Artikels steht „Stimmungsmache“. Darunter als Vorspann: „Der Euro muss verschwinden – das glauben zumindest viele Deutsche. Angestachelt werden sie von wortmächtigen Populisten aus Wirtschaft und Wissenschaft. …“ Nutzer der NachDenkSeiten wissen, dass für Flassbeck dies nicht andeutungsweise stimmt. Jahrelang hat er zusammen mit uns und wenigen anderen davor gewarnt, die Basis der gemeinsamen europäischen Währung Euro zu zerstören. Immer wieder haben wir gemeinsam auf die Notwendigkeit hingewiesen, dass sich die Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Euro-Staaten und deshalb auch die Lohnstückkosten einigermaßen gleichmäßig entwickeln. In der letzten Zeit hat Flassbeck die Hoffnung verloren, dass die Berliner Riege unter Anführung von Bundeskanzlerin Merkel und Bundesfinanzminister Schäuble noch zur Vernunft kommt und deshalb das Auseinanderfallen der Eurozone vorhergesagt. Dies immer mit Bedauern und nie so, dass man daraus ablesen könnte, es sei seine Meinung, der Euro „müsse verschwinden“. Im Gegenteil. Er hat auch nie populistisch argumentiert. Das alles ist im Spiegelartikel in Bezug auf seine Person erstunken und erlogen. Für Henkel oder andere mag das gelten.

Die zum Zweck der Diffamierung betriebene Vermischung Flassbecks mit Lucke, Dirk Müller und Olaf Henkel grenzt schon an Beleidigung.

Offensichtlich hat sich die Spiegelredaktion vorgenommen, die Verantwortung der herrschenden Kreise in Berlin für das Desaster im Euroraum weiß zu waschen. Heiner Flassbeck ist einer der fundierten Kritiker des jetzigen Kurses. Also muss man ihm ans Leder gehen. Das war wohl der Auftrag an den Kampagnenjournalisten Stefan Willeke.

Dass diese Medien-Organe Kampagnen betreiben und dass sich einzelne Journalisten, nicht alle, dafür hergeben, hört man in diesen Kreisen nicht gern. Ich weise deshalb auf einen früheren Vorgang und auf zwei gerade erschienene Artikel aus dem Hause Spiegel hin.

Der frühere Vorgang: Eine Tagung in Leipzig. Journalisten und vor allem Chefredakteure verleugnen ihre Kampagnen

Am 30. April 2010 war ich zu einem Referat bei einem Kongress von Medienjournalisten, Medienvertretern und Medienwissenschaftlern in Leipzig eingeladen. Ich habe davon unter der Überschrift „Kampagnenjournalismus – das Gespinst von Verschwörungstheoretikern?“ berichtet. Auf dem Kongress sollte ich die Frage beantworten, was Medienjournalismus leisten sollte. Er müsste, so mein fünfter und wichtigster Punkt, über die Kampagnen aufklären, mit denen mittels Medien versucht wird, gefällige politische Entscheidungen herbeizuführen.

Beim etablierten Teil der anwesenden Wissenschaftler und Journalisten löste der Hinweis und die Beschreibung mehrerer Kampagnen das übliche Kopfschütteln und den Vorwurf „Verschwörungstheoretiker“ aus. Das ist immer wieder erstaunlich, werden wir doch täglich mit clever geplanten Kampagnen und ihrer Umsetzung über die Medien konfrontiert.

Der Spiegel wird auch jetzt leugnen, dass er in eine Kampagne eingebunden ist. Und dies obwohl dies inzwischen bei diesem Blatt wie vor allem auch bei SpiegelOnline wie bei der Bild-Zeitung und einer Reihe anderer Medien üblich geworden ist. Zwei Beispiele kamen gerade heute wieder auf den Tisch:

SpiegelOnline zur Rolle der SPD-Kampa 1998 und zu Putin und Syrien

Im ersten Artikel wird berichtet, dass jetzt ein Ex-SPD-Mann aus der SPD-Kampa von 1998 Merkels Wahlkampf flottmachen soll. Dabei wird behauptet, die „Kampa“, also die ausgelagerte Wahlkampftruppe der SPD, habe Gerhard Schröder 1998 zum Wahlsieg geführt. Der jetzige Merkel-Werber sei „die rechte Hand von Matthias Machnig, dem Erfinder der legendären SPD-”Kampa”, die 1998 als letzter Schrei modernen Wahlkampfs nach amerikanischem Vorbild galt“, gewesen.

Dass die ausgelagerte Kampa den Erfolg von Gerhard Schröder bewirkt habe, ist eine Legende, die der eigentliche Chef der Kampa, Franz Müntefering und seine rechte Hand Matthias Machnig mit großer Lust streuen. Das stabilisiert ihr Ansehen und hilft offensichtlich bis heute – siehe die Aufnahme von Machnig in die Truppe um Steinbrück – bei der Personalrekrutierung.

Die Fakten waren 1998 ganz andere. Die eigentlichen Macher des Wahlkampfes waren unter Gerhard Schröder Bodo Hombach, Uwe Karsten Heye und der inzwischen leider gestorbene persönliche Mitarbeiter von Schröder Heinz Thörmer. Zwischen dieser Truppe und der Kampa von Müntefering und Co. gab es nicht einmal räumlich eine enge Verbindung. Sie saßen im gleichen Haus aber deutlich getrennt.

Auch wenn man Schröders und Hombachs politisches Wirken nun wirklich nicht sympathisch findet, ihre Verdienste und die des damaligen Parteivorsitzenden Lafontaine in der Schlussphase des Wahlkampfes um den SPD-Wahlsieg von 1998 sind jedenfalls größer als die von Müntefering, Machnig, Kampa und Co.

Bei den Journalisten wird sich aber die Legende von der Kampa und ihrem amerikanisierten Wahlkampf halten. Reihenweise haben so genannte Wissenschaftler an dieser Legende schon 1998 gestrickt. Ich habe diese Geschichtsfälschung in der Studie „Von der Parteiendemokratie zur Mediendemokratie“, erschienen 1999, analysiert.

Der zweite aktuelle einschlägige SPON-Beitrag ist dieser:
„18. Juni 2013, 21:02 Uhr

G-8-Gipfel:

Assads Schutzpatron Putin

Vom sattsam bekannten Kampagnenjournalisten Carsten Volkery.

Dort heißt es:

„Der G-8-Gipfel einigte sich auf einen Minimalkompromiss in der Syrien-Frage: Eine Konferenz soll bald Klarheit bringen. Die Zukunft von Diktator Assad wurde jedoch ausgeblendet – so kann Russland die Friedenspläne weiter torpedieren.“

Russland ist der Bösewicht. Sie torpedieren Friedenspläne. Die USA, die jetzt auf der Basis fragwürdiger Giftgas-Behauptungen, militärisch intervenieren und die ohnehin kriegslüsternen Briten und Franzosen sind die Guten.

Wieder ein deutlicher Beleg für den im Bereich des SPIEGEL üblichen Kampagnenjournalismus.

Wer dieses Medium noch ernst nimmt und dafür sogar Geld bezahlt, ist selbst schuld.

Der Artikel erschien zuerst bei den NachDenkeSeiten.

 

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