Tierrechte

So vielversprechend sich die Vorgehensweise mittels der Interessenabwägung auch anhört, so hat sie doch eine kleine Schwäche, welche sich jedoch durchaus negativ auf die Anwendung des Gleichheitsprinzips in Fragen der gerechten Interessenabwägung von menschlichen und nichtmenschlich-tierlichen Interessen auswirken kann.

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Der amerikanische Tierrechtler Gary L. Francione hat nämlich darauf hingewiesen, dass eine gerechte Interessenabwägung heutzutage gar nicht möglich sei, weil nichtmenschliche Tiere als Eigentum des Menschen behandelt werden dürfen.

Das Problem des Eigentumsstatus‘ nichtmenschlicher Tiere sei darin zu sehen, dass das Interesse des Eigentümers an der Nutzung seines Eigentums stets stärker gewichtet werden müsse als etwaige Interessen des Eigentums gegenüber seinem Eigentümer. Mit anderen Worten: Francione meint, es könne nie zu einer gleichen Interessenberücksichtigung kommen, solange nichtmenschliche Tiere Eigentum des Menschen sein bzw. als solches behandelt werden können.

Um Speziesismus zu vermeiden und eine gerechte Interessenabwägung gemäß dem Gleichheitsprinzip zu garantieren, schlägt Francione vor, bewusst empfindungsfähigen nichtmenschlichen Tieren ein moralisches Grundrecht zuzuerkennen, welches verhindern soll, dass die Interessen dieser Tiere automatisch schwächer gewichtet werden als vergleichbare Interessen von Menschen. Francione meint dabei das Recht, nicht als Eigentum eines anderen behandelt zu werden. Dieses Recht wird von Francione allerdings nicht als juristisches Recht verstanden, sondern soll einen moralischen Anspruch des Tieres gegenüber dem Menschen betonen, welcher das Tierindividuum als Individuum gegenüber etwaigen schwächeren Ansprüchen des Menschen schützt.

Wenn also Menschen ihren eigenen moralischen Grundprinzipien gemäß handeln möchten, dann kommen sie nicht umhin, anzuerkennen, dass nichtmenschliche Tiere elementare Interessen haben, die in gleicher Weise behandelt werden müssen wie vergleichbare menschliche Interessen, und dass deshalb diese Tiere nicht mehr als Eigentum behandelt bzw. angesehen werden dürfen, mit welchem der Mensch machen dürfe, was er wollte. Francione versteht demnach unter dem Begriff des „Tierrechts“ keine juristischen Rechte, sondern in erster Linie moralische Rechte (moralische Ansprüche), die gewährleisten sollen, dass die elementaren Interessen von bewusst empfindungsfähigen Individuen angemessen geschützt sind. Selbstverständlich kommt nach Franciones Auffassung auch allen Menschen dieses fundamentale moralische Grundrecht zu.(1)

Animals, like humans, have an interest in not suffering, but, as we have seen, the principle of equal consideration has no meaningful application to animal interest if they are property of others just as it had no meaningful application to the interests of slaves. The interests of animals as property will almost always count for less than do the interests of their owners. […] If we are going to take animal interests seriously, we must extend to animals the one right that we extend to all humans irrespective of their particular characteristics.“(2)

Ein weiterer bekannter Tierrechtsadvokat, der eine Tierrechtstheorie entwickelt hat, ist der amerikanische Philosoph Tom Regan. In seinem Klassiker The Case for Animal Rights (1984) entwickelt er als erster Denker des 20. Jahrhunderts eine komplexe Rechtstheorie, auf deren Grundlage nicht nur Menschen-, sondern auch Tierrechte begründet werden können. Regan möchte zeigen, dass nichtmenschliche Tiere erst dann angemessen vor etwaigen Fehleinschätzungen im Rahmen von Interessenabwägungen geschützt sind, wenn man sie nicht nur als „Behälter“ von Interessen, sondern in erster Linie als Individuen wertschätzt, die eine je eigene Perspektive auf die sie umgebende Welt haben. Regan prägt für Lebewesen, welche eine solch subjektive Perspektive auf die Welt haben, den Begriff „Subjekt-eines-Lebens-sein“(3). Diese grundlegende Eigenschaft haben nach Regan viele nichtmenschliche Tiere (mindestens alle Säugetiere und Vögel, vermutlich auch Fische)(4), aber natürlich auch Menschen, sodass bezüglich der Eigenart, ein Jemand und nicht einfach nur ein Etwas zu sein, eine wesentliche Gemeinsamkeit zwischen Menschen und vielen anderen Tiere besteht. Ferner kommt hinzu, dass nichtmenschliche Tiere, ebenso wie wehrlose und noch nicht voll entwickelte Menschen (z.B. kleine Säuglinge), in ähnlicher Weise geschädigt werden können wie normale erwachsene Menschen, was eine gleiche moralische Berücksichtigung all dieser Wesen notwendig macht.(5)

Die Gleichheit der moralischen Berücksichtigung besteht für Regan darin, dass alle Lebewesen, die Subjekt-eines-Lebens sind, das moralische Recht haben, mit Respekt behandelt zu werden.(6) Das heißt, sie sind als Wesen anzusehen und zu behandeln, die einen „inneren Wert“ haben, die also in sich – unabhängig von einem etwaigen Nutzen für andere und unabhängig davon, welche Art Leben sie zu führen imstande sind – wertvoll sind.(7)

Francione und Regan ziehen aus ihren Überlegungen die Konsequenz, dass die Abschaffung der Nutzung nichtmenschlicher Tiere durch des Menschen Hand aus moralischen Gründen geboten sei. Nicht nur sollen wir nichtmenschliche Tiere als Individuen mit Eigenwert behandeln, weil wir mit ihnen und ihrem Schicksal mitfühlen, sondern weil es die Gerechtigkeit von uns fordert, kurz, weil es unsere moralische Pflicht ist, den moralisch gut begründeten Ansprüchen dieser Lebewesen Genüge zu tun.

Ob der Mensch seine moralischen Überlegungen nun vom Gleichheitsprinzip allein oder von den Grundannahmen der unterschiedlichen moralischen Rechtstheorien herleiten lässt, spielt im Hinblick auf die Frage, wie er sich bewusst empfindungsfähigen Tieren gegenüber zu verhalten habe, letztlich keine allzu große Rolle, da die Konsequenzen für das alltägliche Handeln des Menschen in beiden Fällen weitgehend gleich sind. Der Mensch, welcher in den modernen Industrienationen lebt, ist aus moralischen Gründen verpflichtet, die elementaren Interessen nichtmenschlicher Tiere angemessen zu berücksichtigen. Das  bedeutet, dass er all die Arten der Nutzung nämlicher Lebewesen, welche heutzutage üblich sind, aus moralischen Gründen einstellen sollte; weil seine Freiheit dort endet, wo das moralisch zu berücksichtigende Interesse anderer Tiere (und nicht nur anderer Menschen) beginnt.

Die Übernahme einer veganen Lebensweise, welche nicht nur die Auslassung tierlicher Produkte auf dem Speiseplan, sondern in eben solcher Weise die Auslassung tierlicher Produkte in Bezug auf Kleidung und Kosmetik bedeutet, stellt somit eine moralische Mindestanforderung für alle dar, die die Grundlagen moralischen Urteilens ernst nehmen sowie die moralische Wichtigkeit nichtmenschlicher Tiere anerkennen wollen.

Mögliche Einwände gegen den Speziesismusvorwurf sowie gegen die Tierrechtsidee

Abschließend soll noch einmal ein Blick auf mögliche Kritiken am Speziesismusbegriff sowie an der Tierrechtsidee geworfen werden. Da die vorangegangenen Überlegungen recht ausführlich vorgetragen worden sind, werden die wichtigsten Kritikpunkte jetzt gleichsam schlaglichtartig beleuchtet.

1.) Die Unhaltbarkeit eines „unqualifizierten Speziesismus“(8), also der Auffassung, dass die Spezieszugehörigkeit allein von moralischer Relevanz ist(9) und den Menschen signifikant von anderen Lebewesen unterscheidet, wurde schon weiter oben begründet. Spezieszugehörigkeit an sich ist ebenso wenig moralisch relevant, wenn es um die Bewertung elementarer Interessen geht, wie ethnische Zugehörigkeit, Hautfarbe oder Geschlecht innerhalb der zwischenmenschlichen Moral. Mit anderen Worten: Wer die Spezieszugehörigkeit allein als moralisch relevantes Bewertungskriterium ansieht, der muss auch notwendigerweise solche Eigenschaften wie ethnische Zugehörigkeit, Hautfarbe oder Geschlecht als moralisch relevante Bewertungskriterien ansehen.

2.) Es ist freilich möglich, speziesistische Ansichten gleichsam etwas „nachzuqualifizieren“. Nicht mehr soll die Spezieszugehörigkeit allein moralisch von Bedeutung sein, sondern vielmehr rechtfertigen die an die Spezies des Homo sapiens gebundenen Eigenschaften bzw. Fähigkeiten wie Vernunft, Sprache oder Moral eine grundlegend unterschiedliche Bewertung (und Behandlung) menschlicher Interessen im Gegensatz zu nichtmenschlich-tierlichen Interessen. Zu diesen eben genannten Fähigkeiten und Eigenschaften sowie zur Behauptung ihrer moralischen Relevanz lässt sich Folgendes sagen:

a) Vernunft

Ein Lebewesen, das über Vernunft verfügt bzw. welches vernünftig ist und somit denken kann, kann einige Dinge tun, die ein Lebewesen, welchem diese Fähigkeit fehlt, nicht tun kann. So kann wohl nur der Mensch mathematische Beweise führen, chirurgische Operationen vornehmen, chemische Verfahren entwickeln oder prachtvolle Bauten wie etwa den Kölner Dom erschaffen; andere Tiere können freilich malen (andere Menschenaffen als der Mensch, Elefanten) oder bauen sich geräumige unterirdische Bauten (Ameisen/Termiten) oder verändern gar ihre Umwelt gemäß ihren Bedürfnissen (Biber) oder bauen kunstvolle Netze, die selbst ein Mensch nicht nachzubauen vermag (Spinnen), doch stecken hinter diesem Tun mit hoher Wahrscheinlichkeit keine derart komplexen Überlegungen, wie sie ein Mensch anzustellen in der Lage ist. Auch kreieren Menschen Staatsgebilde und versuchen, diese stetig weiterzuentwickeln. Kurz: Vermöge der Vernunft haben die Menschen mehr und vor allem andere Bedürfnisse bzw. Interessen als alle anderen Tiere, sodass man mit Fug und Recht behaupten darf, der Mensch unterscheide sich durchaus qualitativ von anderen Tieren, was eine generelle Andersbehandlung seiner Interessen (im Sinne einer Aufwertung) gegenüber nichtmenschlich-tierlichen Interessen als gerechtfertigt erscheinen lässt. Doch rechtfertigt dieser Unterschied eine moralische Andersbehandlung (im Sinne einer Abwertung) elementarer nichtmenschlicher Interessen?

Die Antwort lautet: Nein, denn dieser Unterschied, so beeindruckend er auch ist, ist letztlich nur gradueller, nicht aber prinzipieller Art. Zwar können andere Tiere als der Mensch keine Gotteshäuser bauen, doch vermögen sie es durchaus, ihre Umwelt gemäß ihren Bedürfnissen zu verändern, auch wenn diese Veränderung sich nicht mit den Veränderungen vergleichen lässt, welche der Mensch an seiner Umwelt vornimmt. Außerdem können eben auch nicht alle Menschen solch anspruchsvolle Dinge tun wie etwa das Planen des Baus eines Gotteshauses oder das Führen mathematischer Beweise. Viele Interessen des Menschen sind zwar komplexer, jedoch nicht gänzlich anderer Art als viele Interessen nichtmenschlicher Tiere. Hinzu kommt noch, dass es Menschen gibt, welche gar nicht oder gar nicht mehr über Vernunft verfügen (kleine Säuglinge und Kinder, geistig schwer beeinträchtigte Menschen). Wäre das Haben oder Nicht-Haben von Vernunft für die moralische Berücksichtigungswürdigkeit der Interessen eines Lebewesens, so müsste man entsprechend die Interessen kleiner Säuglinge, Kinder oder geistig schwer beeinträchtigter Menschen schwächer gewichten als die Interessen normaler erwachsener Menschen – und das wird in der Alltagsmoral, völlig zu Recht, entschieden zurückgewiesen, hier achtet man in Gegenteil besonders darauf, dass die Interessen solch wehrloser und schwächerer Menschen angemessen Berücksichtigung finden.

Wenn demnach die bloße Spezieszugehörigkeit moralisch irrelevant ist und stattdessen nur der Grad von Vernunft darüber entscheidet, wie stark die Interessen eines Lebewesens berücksichtigt werden, dann steht der Mensch vor der Wahl, vernunftlose oder vernunftschwache Menschen moralisch geringer schätzen zu müssen als normale erwachsene Menschen oder aber auch die Interessen vernunftloser bzw. vernunftschwacher nichtmenschlicher Individuen moralisch ebenso ernst zu nehmen wie die Interessen vernunftloser bzw. vernunftschwacher menschlicher Individuen. Im besten Interesse aller ist natürlich die zweite Alternative, also die moralische Berücksichtigung sowohl von allen Menschen als auch von allen Tieren, die über elementare Interessen sowie Bewusstsein verfügen.

Es gibt noch einen weiteren Grund, weshalb das Haben von Vernunft nicht dafür entscheidend sein darf, die elementaren Interessen nichtmenschlicher Tiere gegenüber den Interessen von Menschen abzuwerten. Menschen haben beispielsweise das Interesse, Auto zu fahren und müssen zur Realisierung dieses Interesses zunächst einen Führerschein erwerben. Andere Tiere haben dieses Interesse nicht, so dass es also auch nicht zu der absurden Situation kommen kann, Hunden, Katzen oder anderen Tieren die prinzipielle Berechtigung erteilen zu müssen, einen Führerschein erwerben zu können, da ein solches Interesse gar nicht existiert. Vernunft mag also als moralisches Kriterium der Gewichtung unterschiedlicher Ansprüche im zwischenmenschlichen Bereich durchaus eine Rolle spielen, doch kommt der Vernunft diese Funktion spätestens dann nicht mehr zu, wenn es um die Abwägung elementarer Interessen geht, denn sonst müsste man eben mit der Konsequenz leben, nicht nur die Interessen vernunftloser bzw. vernunftschwacher Nichtmenschen geringer zu schätzen, sondern auch die Interessen vernunftloser bzw. vernunftschwacher Menschen gegenüber den Interessen normaler erwachsener Menschen abwerten zu müssen.

Weshalb sollte es beispielsweise von Bedeutung sein, dass ein Mensch Vernunft hat, wenn es darum geht, zu entscheiden, ob man ihn foltern darf oder nicht? Das elementare Interesse, nicht unnötig Schmerzen erleiden zu müssen, hängt eben nicht von der Vernunft ab, sondern erwächst aus der biologischen Eigenart des Menschen, ein Lebewesen zu sein, das Schmerzen als schlecht zu empfinden vermag; eine Eigenart, die er mit vielen anderen Tieren teilt und die deswegen in solchen Fragen moralisch als wichtiger eingestuft werden muss, als das Haben oder Nicht-Haben von Vernunft. Vernunft zu haben zeichnet den Menschen zwar aus, das ist unbestritten, doch taugt die Vernunft nicht, wie gerade gesehen, als Hauptkriterium zur Entscheidung aller moralischen Interessenabwägungen. Der Philosoph James Rachels drückt dies so aus:

Daher kann die Beobachtung, dass Menschen vernünftige und autonome Akteure sind, nicht die gesamte Bandbreite unserer unterschiedlichen Behandlungen zwischen Menschen und Nichtmenschen rechtfertigen. Dies kann einige unterschiedliche Arten der Behandlung rechtfertigen, jedoch nicht andere.“(10) 

b) Sprache

Hinsichtlich der Fähigkeit zur Sprache verhält es sich ähnlich wie zur Fähigkeit, vernünftig denken zu können. Zunächst sieht es so aus, dass nur Menschen über Sprache verfügen, sodass ein klares Unterscheidungskriterium zwischen Menschen und Nichtmenschen gefunden scheint. Bei genauerem Hinsehen aber zeigen sich die Schwierigkeiten dieser Annahme. Zum einen gibt es nämlich sehr wohl einige Tiere, welche über Ansätze einer Sprache verfügen (Delphine, Große Menschenaffen, gegebenenfalls auch Elefanten, Graupapageien oder Rabenvögel), sodass mitnichten alle Tiere als sprachlose Wesen vorgestellt werden dürfen; zum anderen gilt auch für die Fähigkeit zu sprechen: In manchen Fällen mag sie moralisch bedeutsam sein und eine unterschiedliche Interessenbehandlung im zwischenmenschlichen Miteinander oder zwischen Menschen und nichtmenschlichen Tieren rechtfertigen, doch wird sie dann moralisch irrelevant, wenn es darum geht, elementare Interessen wie das Interesse zu leben oder das Interesse, keine unnötigen Schmerzen empfinden zu müssen, zu bewerten, da Sprache und Schmerzempfinden nichts miteinander zu tun haben. Um Schmerzen empfinden zu können, bedarf es keiner Sprache.(11)

c) Fähigkeit, moralisch zu handeln

Eng mit dem Haben von Vernunft ist die Fähigkeit, moralisch zu handeln, verknüpft. In der Tat setzt die Fähigkeit, moralisch zu handeln, voraus, sich seine Handlungsabsichten bewusst machen und sich in seinem Handeln von bestimmten kritisch reflektierten Prinzipien oder Werten leiten lassen zu können. Nach allem, was der Mensch aus der modernen Verhaltensforschung über das Verhalten nichtmenschlicher Tiere bislang weiß, scheint es in der Tat so zu sein, dass nur der Mensch über diese komplexe Fähigkeit verfügt. Die an dieser Stelle interessierende Frage lautet nun: Erlaubt diese Fähigkeit zur Moral, die Interessen des Menschen gegenüber den Interessen nichtmenschlicher Tiere prinzipiell aufzuwerten?

Wie im Zuge der vorangegangenen Überlegungen über Vernunft und Sprache muss auch über dieses potenzielle Unterscheidungsmerkmal zwischen Menschen und nichtmenschlichen Tieren gesagt werden, dass es in manchen Fällen sicherlich moralisch relevant ist, die aus dieser Fähigkeit zur Moral erwachsenden Interessen in besonderer Weise zu berücksichtigen (etwa wenn es darum geht, Menschen bestimmte Ämter ausüben zu lassen, welche eine besondere moralische Integrität erfordern), doch spielt die Moralfähigkeit keine besondere Rolle mehr, wenn es darum geht, abzuwägen, ob ein Lebewesen gefoltert oder getötet werden darf. In einem solchen Falle ist allein die Fähigkeit, Schmerzen empfinden bzw. leiden zu können, moralisch von Bedeutung und die elementaren Interessen all der Wesen, die diese Fähigkeit in ähnlicher Weise haben, sind hinsichtlich dieser Fähigkeit und dieser Interessen (also der Fähigkeit, Schmerzen empfinden zu können, und dem Interesse, nicht unnötig Schmerzen empfinden zu müssen), gleich zu berücksichtigen.

Überdies hätte man, setzte man die Moralfähigkeit als entscheidendes Kriterium für die moralische Berücksichtigung von elementaren Interessen eines Lebewesens an, erneut das Problem, dass es Menschen gibt, die, wie viele nichtmenschliche Tiere auch, nicht moralisch handeln können. Interessen dieser Menschen müsste man dann konsequenterweise in eben solcher Weise gegenüber den Interessen normaler erwachsener Menschen abwerten wie die Interessen moralunfähiger nichtmenschlicher Tiere.

Die Fähigkeit, moralisch handeln zu können, zeichnet den Menschen aber noch in anderer Hinsicht aus, denn er kann aufgrund derselben Verpflichtungen gegenüber anderen Lebewesen haben, welche Lebewesen, denen diese Fähigkeit fehlt, nicht zugesprochen werden dürfen. So ist der Mensch, da er die in diesem Aufsatz vorgestellten moralischen Fragestellungen zu bedenken und entsprechende Handlungskonsequenzen aus seinen Überlegungen zu ziehen vermag, in der Lage, auf den Konsum tierlicher Leichenteile zu verzichten. Ein Löwe allerdings vermag dies nicht und ebenso wenig vermag er es, sich alternativ (also rein pflanzlich) zu ernähren. Mit anderen Worten: Ein Löwe kann nicht moralische Überlegungen anstellen und hat deshalb auch keine moralischen Pflichten gegenüber anderen Tieren. Zudem hat der Löwe vermutlich auch aufgrund seiner Physiologie keine Möglichkeit, sich rein pflanzlich zu ernähren. Viele Menschen aber können moralisch reflektieren und entsprechend moralische Verpflichtungen gegenüber anderen Lebewesen erkennen bzw. diesen Verpflichtungen in der Praxis nachkommen, es sei denn, ihnen stünden keine Handlungsalternativen zu Gebote. Insofern ist es nicht notwendig und auch gar nicht möglich, einen Beutegreifer daran zu hindern, andere Tiere zu töten, denn der Beutegreifer hat keine andere Wahl und kann überdies nicht über Moral nachdenken.

3.) Pflanzenrechte?

Nicht nur wurde in den vergangenen Jahrzehnten versucht, die Ideen des Speziesismus und der Tierrechte zu entkräften, sondern es hat auch Versuche gegeben, diese Ideen ad absurdum zu führen, d.h. nachzuweisen, dass aus der Anwendung dieser Ideen unsinnige bzw. höchst problematische Konsequenzen erwachsen würden. Ein solcher Versuch, die Idee, dass auch bewusst empfindungsfähige nichtmenschliche Tiere hinsichtlich ihrer Interessen moralisch berücksichtigt werden sollen, als absurd zu enttarnen, besteht darin, zu behaupten, auch Pflanzen könnten Bewusstsein bzw. Interessen haben und müssten demgemäß moralisch ebenso berücksichtigt werden wie Menschen und bewusst empfindungsfähige nichtmenschliche Tiere.

Jemand, der eine solche Behauptung aufstellt, müsste jedoch erklären können, wie Pflanzen überhaupt Bewusstsein hervorbringen könnten. Nach allem, was die Menschen gegenwärtig über die Entstehung von Bewusstsein sowie über die damit verbundenen Funktionen des Gehirns wissen, muss ein bewusstes Lebewesen ein komplexes Nervensystem sowie ein die von dort kommenden Impulse verarbeitendes Gehirn haben, das Bewusstsein hervorzubringen vermag. Pflanzen erfüllen diese Voraussetzung nicht, haben also aller Wahrscheinlichkeit nach kein Bewusstsein. Pflanzenbewegungen sind mithin nicht von Bewusstsein begleitet, sondern vollständig nach dem Muster von Reiz und Reaktion zu erklären. Auch wenn es beeindruckend ist, zu sehen, dass Pflanzen sich gegen Schädlinge durch Freisetzung chemischer Stoffe „zur Wehr setzen“ können, so muss doch zugegeben werden, dass diese Reaktion höchstwahrscheinlich nicht von Bewusstsein begleitet ist.

Sollte nun angezweifelt werden, dass solche Prozesse ohne Bewusstsein ablaufen können, sehe man sich einmal an, wie viele biochemischen Prozesse im menschlichen Organismus ablaufen, ohne dass dazu in irgendeiner Weise Bewusstsein notwendig wäre (zum Glück, muss man sagen, da die dazu notwendige Fähigkeit der Datenverarbeitung das Gehirn heillos überlasten würde). Als Beispiel könnte man etwa die Immunabwehr des Menschen heranziehen. Kein Mensch merkt, wenn er tagtäglich in nahezu jeder Minute von Millionen Bakterien attackiert wird und wie das Immunsystem solche Angriffe für gewöhnlich souverän abzuwehren vermag. Der Organismus reagiert auf die äußeren Einflüsse perfekt – und zwar ohne Bewusstsein. Deshalb ist es auch nicht einsichtig, weshalb man Pflanzen Bewusstsein zuschreiben sollte, ohne dass die dafür notwendige physiologische Basis vorhanden ist. Die Beweislast liegt zumindest aufseiten der Personen, welche solche Behauptungen aufstellen. Bislang wurde diese Last jedoch von niemandem geschultert.

4.) Fleisch zu essen ist natürlich und normal

In der Tat verhält es sich so, dass Menschen prinzipiell Nahrung tierlicher wie pflanzlicher Herkunft gut verdauen können und es scheint ebenfalls korrekt zu sein, anzunehmen, dass die Vorfahren des heute lebenden Menschen sich in nicht unerheblichem Maße von tierlichem Fleisch ernährt haben. Wie aber bereits bei der Beurteilung natürlicher Eigenschaften zur moralischen Bewertung von elementaren Interessen zu sehen war, lassen sich von Fakten aus der Erfahrungswelt keine direkten moralischen Wertungen ableiten. Weder funktioniert dies in Ansehung der Spezieszugehörigkeit oder des Geschlechts noch funktioniert dies in Ansehung dessen, was in der Vergangenheit einmal war und in der Gegenwart womöglich noch immer funktioniert. Natürlich kann der Mensch tierliches Fleisch verdauen, die in der Moral interessierende Frage jedoch ist, ob der Mensch das, was er kann, überhaupt umsetzen sollte.

Die Tatsache, dass der Mensch, wenn er sich dazu entschließt, andere Tiere zu töten bzw. töten zu lassen, die elementaren Interessen dieser Lebewesen geringer schätzt als die je eigenen Interessen darf nicht, wie oben zu sehen war, ohne (lebens-) wichtigen Grund (also etwa zur Wahrung eigener elementarer Interessen) geschehen, welcher jedoch bei den in den modernen Industrienationen lebenden Menschen in aller Regel nicht gegeben ist, denn diesen Menschen ist die Wahrung ihrer elementaren Interessen für gewöhnlich ohne größere Schwierigkeiten auch ohne die Tötung anderer sogenannter „Nutztiere“ möglich.

Die Tötung nichtmenschlicher Tiere zu Nahrungszwecken ist somit moralisch falsch, auch wenn es in vergangenen Zeiten zum Teil sicherlich moralisch in Ordnung mithin natürlich war, eine solche Tötung zu vollziehen; gegenwärtig herrschen einfach nicht mehr die Verhältnisse, welche es notwendig machten, andere Tiere zu Nahrungszwecken zu töten. Ein anderes Beispiel mag zusätzlich verdeutlichen, weshalb die moralische Rechtfertigung des Fleischkonsums durch Bezugnahme auf die Natürlichkeit desselben letztlich nicht funktioniert.

Menschen haben nicht nur seit Jahrtausenden das Fleisch anderer Tiere (aber auch Menschenfleisch!) gegessen, sondern ebenso in großer Zahl Kriege geführt bzw. Streitigkeiten mit gewalttätigen Mitteln „gelöst“. Menschen haben sich im Laufe der vergangenen Jahrtausende gegenseitig beraubt, vergewaltigt und abgeschlachtet, sodass es durchaus nicht ganz verfehlt ist, zu behaupten, es sei immer schon so gewesen, dass Menschen anderen Menschen gegenüber gewalttätig waren. Aus diesem Faktum, dass Menschen „immer schon“ anderen Menschen Leid zugefügt haben, lässt sich freilich nicht ableiten, dass es auch heute noch legitim sei, anderen Menschen Gewalt anzutun, auch wenn sich dies in der Geschichte der Menschheit als nachgerade natürliches Bestreben vieler Menschen herausgestellt hat.

Aus der Tatsache, dass etwas in einer bestimmten Art und Weise ist, lässt sich aus logischen Gründen nicht direkt herleiten, dass dies auch so sein soll. Um begründen zu können, weshalb etwas sein soll, muss man den Bereich der Fakten verlassen und in den Raum moralischer Argumentation eintreten. Um den  Fleischkonsum heute lebender Europäer zu rechtfertigen reicht der Hinweis, Menschen hätten immer schon Fleisch gegessen, nicht aus, sondern es muss vielmehr begründet werden, weshalb dieser Fleischkonsum gerechtfertigt sein soll, obschon die Lebensvoraussetzungen der vergangenen Jahrtausende heutzutage nicht mehr gegeben sind. Diesen logischen Fehler, ohne weitere Begründung auf der Basis von Fakten direkt moralische Wertungen abzuleiten, nennt man in der Philosophie auch „Sein-Sollen-Fehlschluss“; nur weil etwas ist, soll es nicht automatisch auch so sein.

Schluss

Die vorangegangenen Überlegungen haben gezeigt, dass es sehr gute moralische Gründe gibt, auf die Nutzung nichtmenschlicher Tiere zu verzichten und im besten Falle, so machbar, eine vegane, mindestens jedoch eine vegetarische Lebensweise für sich zu übernehmen. Die Last der Rechtfertigung einer auf Fleischkonsum (sowie auf den Konsum tierlicher Produkte im Allgemeinen) basierenden Lebensweise ruht nun auf den Schultern eines jeden fleischessenden (bzw. tierliche Produkte konsumierenden) Menschen. Wenn ein Mensch zeigen möchte, dass der Verzehr nichtmenschlich-tierlichen Fleisches sowie die dazugehörige Tötung des entsprechenden Lebewesens moralisch in Ordnung sind, müsste die betreffende Person plausibel begründen, dass eine unterschiedliche Einschätzung und Behandlung elementarer Interessen von Menschen und nichtmenschlichen Tieren (zu Ungunsten der nichtmenschlichen Tiere) nicht gegen das Gleichheitsprinzip verstößt. Zu diesem Zwecke müsste die betreffende Person eine bislang noch nicht entdeckte moralisch relevante Eigenschaft ausfindig machen, welche es erlaubte, eine scharfe Trennlinie zwischen Menschen und nichtmenschlichen Tieren zu ziehen und die zugleich wirklich ausnahmslos allen Menschen, nicht aber mindestens auch irgendeinem nichtmenschlichen Tier eigen ist. In den vergangenen rund vier Jahrzehnten des Philosophierens über diese Fragen hat sich abgezeichnet, dass dieses Unterfangen aussichtslos und der Konsum des Fleisches nichtmenschlicher Tiere nicht weiter zu rechtfertigen, mithin moralisch falsch ist. Man könnte auch sagen: Hinsichtlich der Frage nach der Legitimität der Nutzung nichtmenschlicher Tiere durch des Menschen Hand endet die Freiheit des Menschen dort, wo die elementaren Interessen dieser Lebewesen verletzt werden.

Anmerkungen

(1) Gary L. Francione: Animals as Persons – Essays on the Abolition of Animal Exploitation, S. 50, Fußnote 71.
(2) Ebd. S. 51.
(3) Tom Regan: The Case for Animal Rights, S. 243 ff.
(4) Ebd., S. xvi.
(5) Ebd., S. 260 ff.
(6) Ebd., S. 248 ff.
(7) Regans Argumentation ist freilich komplexer und verläuft etwas anders als hier dargestellt, doch sind die hier angeführten Erträge derselben unverändert geblieben.
(8) Dieser Ausdruck wurde von James Rachels geprägt; man sehe dazu Rachels Buch Created from Animals – The Moral Implications of Darwinism, S. 183.
(9) Ebd.
(10) James Rachels: Created from Animals – The Moral Implications of Darwinism, S. 186.
(11) Falls dies so wäre, dann könnten auch kleine Säuglinge noch keine Schmerzen empfinden, was sicherlich kaum jemand annehmen würde.

Verwendete Literatur

Francione, Gary L.: Animals as Persons – Essays on the Abolition of Animal Exploitation, Columbia University Press, New York 2008.
Rachels, James: Created from Animals – The Moral Implications from Darwinism, Oxford University Press, Oxford/New York 1990.
Regan, Tom: The Case for Animal Rights, University of California Press, 2nd Edition, Berkeley/Los Angeles 2004.
Rowlands, Mark: Animal Rights – All that matters, Hodder & Stoughton, London 2013.
- Animals like us, Verso, London/New York 2002.
Singer, Peter: Animal Liberation – Die Befreiung der Tiere, Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1996.
Wolf, Jean-Claude: Tierethik – Neue Perspektiven für Mensch und Tier, Harald Fischer Verlag, 2. Auflage, Erlangen 2005.

Empfohlene Literatur zur Einführung und zum Weiterlesen

Brensing, Karsten: Persönlichkeitsrecht für Tiere – Die nächste Stufe der moralischen Evolution, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2013. (Plädoyer eines Ethologen für die Zuerkennung von Grundrechten für Tiere mit Selbstbewusstsein, worunter für Brensing Wale/Delphine, Elefanten, Große Menschenaffen sowie womöglich auch Rabenvögel gehören.)
DeGrazia, David: Animal Rights – A very short Introduction, Oxford University Press, New York 2002. (Sehr gute kleine Einführung in die Tierrechtsethik.)
Knörzer, Guido: Töten und Fressen?, Kösel Verlag, München 2001. (Kritische Beleuchtung des Umgangs des Menschen mit nichtmenschlichen Tieren aus theologischer Perspektive.)
Regan, Tom: Empty Cages – Facing the Challenge of Animal Rights, Rowman & Littlefield 2004. (Eine der besten Einführungen zu Tierrechtstheorie überhaupt. Sehr empfehlenswert!)
Radisch, Iris/Rathgeb, Eberhard (Hrsg.): Wir haben es satt – Warum Tiere keine Lebensmittel sind, Residenz Verlag, St. Pölten – Salzburg 2011. (Vorzügliche Sammlung unterschiedlicher Texte, die sich alle mit dem Thema „Vegetarismus“ auseinandersetzen. Die Einleitungen zu den jeweiligen Texten sind außerordentlich gut gelungen.)
Rippe, Klaus Peter: Ethik im außerhumanen Bereich, Mentis Verlag, Paderborn 2008. (Vermutlich die gegenwärtig beste deutschsprachige Publikation zu den Bereichen Tierethik und Ökoethik.)
Ryder, Richard D.: Speciesism, Painism and Happiness, Societas 2011.
Wise, Steven M.: Drawing the Line – Science and the Case for Animal Rights, Perseus Books, Cambridge Massachusetts 2002.
Wolf, Ursula (Hrsg.): Texte zur Tierethik, Reclam Verlag, Stuttgart 2008. (Kompilation mit Texten sämtlicher namhafter Denker, die sich in den letzten rund vier Jahrzehnten mit dem Themenbereich Tierethik beschäftigt haben; zum Teil liegen auch deutsche Übersetzungen von englischen Originaltexten vor, die bislang nirgendwo sonst zu finden sind.)

Internetseiten

Fishcount – http://fishcount.org.uk/ - (Zahlen und Statistiken zur weltweiten Fischerei; zuletzt besucht am 25. August 2013)
Food and Agriculture Organization (FAO) – http://kids.fao.org/glipha/ (Zahlen und Statistiken zur weltweiten Nutzung nichtmenschlicher Tiere; zuletzt besucht am 25. August 2013).
Positionspapier der American Dietetic Association (ADA) in deutscher Übersetzung – http://www.vebu.de/files/ADA_position_paper_2009.pdf (Ernährungswissenschaftlicher Kommentar, in welchem auch der Veganismus als eine vollwertige, in jeder Lebensphase anwendbare Ernährungsweise angesehen wird; zuletzt besucht am 25. August 2013).

Informative Internetseiten zum Themenfeld „Tierrechte und Speziesismus“

www.abolitionistapproach.com (Die Internetpräsenz Gary L. Franciones bietet eine Fülle an Artikeln und Podcasts zu allen relevanten Fragen der gegenwärtigen Tierrechtsdebatte.)
www.tier-im-fokus.ch (Sehr informative Seite, bietet viele weiterführende Artikel zu Tierrechtsfragen oder zur aktuellen Tierrechtsliteratur.)
www.rezeptefuchs.de (Internetseite mit vielen Informationen rund um die vegane Ernährung.)

 

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Kommentare  

0 # Imre Majstorovic 2018-09-05 19:41
Warum sollten Angehörige unserer Spezies (Homo sapiens) auf den Verzehr des Fleisches der sogenannten nicht-menschlichen Tiere verzichten, wenn Angehörige einer Vielzahl von Gattungen derselben - wie beispielsweise Löwen - sich vom Fleisch von Angehörigen anderer Gattungen - wie z.B. Gazellen - ernähren und diese eigens zu diesem Zweck töten, wenngleich auf weit weniger brutale Weise und mit dem Sinn des Erhalts und der Sicherstellung der eigenen Existenz und gegebenenfalls der eigenen leiblichen Nachkommenschaft.
Die gegen meine Kritik am Verzicht auf den Verzehrs des Fleisches nicht-menschlicher Tiere erhobene - und für jedes verständige nicht-menschliche Tier nachvollziehbare - Einwendung, wonach man die nicht-menschlichen Raubtiere nicht zu Vegetariern umerziehen kann, würde allerdings den Ausgangsstandpunkt des Anti-Speziesismus - zumindest in einem bestimmten Maße - ad absurdum führen.
Antworten
0 # Imre Majstorovic 2018-09-08 11:43
*[....] Die gegen meine Kritik am Verzicht auf den Verzehr des Fleisches nicht-menschlicher Tiere erhobene - und für jedes verständige nicht- [....]9
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