An den Rundfunkrat des SWR sowie an Herrn Peter Boudgoust (Intendant des SWR) und Herrn Gerold Hug (Hörfunkdirektor des SWR)

01. März 2015

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir schreiben Ihnen anlässlich der SendungMaskulinistenKrieger im Geschlechterkampf, die in diesen Tagen bei SWR2 mehrfach ausgestrahlt wird.

BriefSchreiben-lksh7829 Mit einem überraschend konsequenten Freund-Feind-Denken und vielen offenbar bewusst gesetzten Falschinformationen macht diese Sendung Stimmung gegen eine politische Entwicklung, die wir ausdrücklich begrüßen und die zur demokratischen Öffnung von erstarrten Debatten führen kann.

Die Entwicklung, gegen die Ihre Sendung so massiv ausschlägt, lässt sich knapp so darstellen:

Männer äußern sich weitaus häufiger und selbstbewusster zu geschlechterpolitischen Themen als noch vor einem Jahrzehnt, und sowohl Männer als auch Frauen greifen die Vorstellung an, Geschlechterdebatten könnten legitim nur aus einer feministischen Perspektive geführt werden.

Ein Motor dieser Entwicklung war die Erfahrung Tausender von Vätern, die aufgrund geschlechtsspezifischer rechtlicher Benachteiligungen willkürlich von ihren Kindern getrennt wurden.

Es äußern sich Männer, die selbst Opfer häuslicher Gewalt wurden und zugleich erleben, dass sie in offiziellen Darstellungen zu diesem Thema, bloß weil sie Männer sind, allein als Täter in Frage kommen.

Männer und Frauen weisen darauf hin, dass Jungen an den Schulen offenkundig große geschlechtsbedingte Nachteile erleben.

Männer und Frauen diskutieren gesundheitspolitische Nachteile von Männern, sie fragen, warum Männer so viel häufiger als Frauen obdachlos werden oder Selbstmord begehen – und ob es dafür auch soziale Ursachen gibt.

Männer und Frauen stellen offen die Frage, was es eigentlich mit „linker“ Politik und mit sozialer Gerechtigkeit zu tun hat, wenn die Familienministerin eine Frauenquote in Aufsichtsräten als oberste Priorität ihrer Politik vorstellt, von der nur eine kleine Handvoll ohnehin schon privilegierter Frauen profitiert.

Eben diese Kritik wird von Ihnen massiv diffamiert – bis hin zu Vergleichen mit völkermörderischen Antisemiten und dem Massenmörder Anders Breivik. Die Logik der Sendung kulminiert in der tief inhumanen, von gruppenspezifischer Feindseligkeit geprägten Unterstellung, dass Männer nur deshalb über eigene Leiderfahrungen sprechen würden, weil sie damit ihre männertypischen Gewaltausbrüche legitimieren und vertuschen wollten.

Dabei ist diese Sendung gegenüber vermeintlichen Experten der sozialdemokratischen Friedrich Ebert Stiftung und der grünen Heinrich Böll Stiftung so ungehemmt distanzlos, dass dies mit einem journalistischen Ethos nicht zu vereinbaren ist.

Zur einen Seite hin also Hetze gegen Bürger, die diese Hetze auch noch selbst finanzieren müssen – zur anderen Seite hin ebenso bedenkenlose politische Liebedienerei: Ihre Sendung wirkt, als würden sich die Autorin Bust-Bartels und der ganze SWR um den Karl Eduard von Schnitzler-Gedächtnispreis bewerben.

Die politische Unabhängigkeit aber ist ja eine der Bedingungen dafür, dass der Bestand öffentlich-rechtlicher Sender überhaupt legitimiert werden kann. Um zu dieser Unabhängigkeit zurückzukehren, braucht es keine Lobhudeleien für eine offenere, nach allen Seiten hin antisexistische Politik. Aber es ist wichtig, dass Sie denjenigen, die Sie so erheblich diffamiert haben, eine reale Möglichkeit geben, sich auch selbst zu äußern.

Wichtig dabei ist auch, dass diejenigen auf allen Seiten, die bei allen politischen Differenzen an einer zivilen Auseinandersetzung interessiert sind, sich gemeinsam gegen diejenigen (ebenfalls auf allen Seiten) stellen, die mit Verleumdungen, Drohungen, Beleidigungen und primitiven Freund-Feind-Logiken operieren.

Dazu fordern wir Sie ausdrücklich auf.

Oder auch, ganz einfach formuliert: Kehren Sie zurück zur ernsthaften journalistischen Arbeit – und hören Sie auf, sich weiter zwischen politischer Hetze und politischer Liebedienerei zu verirren.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Günter Buchholz (Frankfurter Erklärung)

Arne Hoffmann (Genderama, Autor u.a. vom Plädoyer für eine linke Männerpolitik)

Johannes Meiners (Mitverfasser der Club of Vienna-Studie Die Teilhabe von Männern und Frauen am Geschlechterdiskurs und an der Neugestaltung der Geschlechterrollen)

Christian Schmidt (Alles Evolution)

Lucas Schoppe (man tau)

Dr. Alexander Ulfig (cuncti)

 

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Bis zu meinem Master-Abschluss verlief mein Leben sehr geradlinig. Dann traf ich Sie und alles geriet aus den Fugen.
Mein Leben begann sehr vielversprechend und einfach. Abitur, Wehrdienst, dann mit kurzer Wartezeit ein Studium der Biologie. Und nie wäre ich auf die Idee gekommen, dass man als Mann diskriminiert werden würde.