Verbände fordern die rechtliche Definition von Vaterschaft über die biologische Abstammung

Pressemitteilung der Interessengemeinschaft  Jungen, Männer und Väter (IG-JMV)

Berlin. Nach geltendem Recht ist in Deutschland derjenige Mann Vater, der mit der Mutter eines Kindes verheiratet ist - eine Definition über den Ehestand. „Ein Anachronismus“ meint Gerd Riedmeier, Sprecher der Interessengemeinschaft Jungen, Männer und Väter (IG-JMV) und fordert die Neudefinition von Vaterschaft analog zur Mutterschaft über die biologische Abstammung ein. Eine zeitgemäße Korrektur sei überfällig.

 Die Rechtsvorschriften des BGB formulieren seit 1896 einen Vermutungsgedanken und stellen eine „gesetzliche Fiktion“ dar, so Riedmeier. § 1592 definiere weder die Verwandtschaft des Kindes noch den Begriff Vaterschaft über die tatsächliche Abstammung. Das ist nicht mehr zeitgemäß, kritisiert die IG-JMV und präsentiert der Politik ihre Stellungnahme zur Neuregelung.

Jedes Kind hat das Recht, zu wissen, woher es kommt: Welche genetischen Eigenschaften bekam es vererbt und welche genetischen Krankheiten kann es erben? Aus welchem sozio-kulturellen Umfeld stammt es und welche erbrechtlichen Anrechte hat es? Diese Fragen werden heute oft nicht eindeutig geklärt.

Im 21. Jahrhundert sind die Methoden in medizinischer Gendiagnostik weit fortgeschritten, so Riedmeier. Der Nachweis von biologischer Abstammung sei leicht zu erbringen. Die Genauigkeit und Verlässlichkeit derartiger Untersuchungen eignen sich als Grundlage für die Ausgestaltung eines modernen Abstammungsrechts. Die entstehenden Kosten seien im Vergleich zum Gewinn von Rechtssicherheit für das Kind, den Vater und die Gesellschaft als vernachlässigbar anzusehen.

Die Definition von Mutterschaft und Vaterschaft über die biologische Abstammung setzt konsequent den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes um. Auch habe der leibliche Vater das Recht zu wissen, welches Kind seiner Abstammung ist und für welches Kind er die verfassungsrechtlich vorgesehenen Rechte und Pflichten eingeht.

Bedauerlich und gefährlich sieht die IG-JMV Gesetzesinitiativen aus den SPD-geführten Ministerien und von den Grünen, die den Begriff „Vater“ weiter verwässern und ihn durch „2. Elternteil“ oder „Mitmutter“ ersetzen wollen. Dieser Ansatz ignoriere weitgehend den Blick aus der Kinderperspektive. Anstelle des Blickes aus Kindersicht werden Erwachsenenpositionen vertreten. Es gäbe, so lautet die Botschaft, ein „Recht am Kind“ oder ein „Recht auf ein Kind“. Besonders irreführend seien dabei die angeführten Argumentationen über das „Kindeswohl“.

Es bestehen grundlegende Beziehungen des Kindes zu seiner leiblichen Mutter und seinem leiblichen Vater, so die IG-JMV. Sie sind zuerst genetischer und epigenetischer Art und werden in der großen Mehrzahl der Fälle durch innige soziale Beziehungen erweitert. Dabei ist unstrittig: Das Kind profitiert von möglichst umfassenden sozialen Kontakten zu beiden (biologischen) Eltern.

Es ist Aufgabe der Politik, rechtliche Maßnahmen zu ergreifen, die das Wohl des Kindes stärken: Die Kenntnis seiner leiblichen Eltern und den größtmöglichen Umgang mit ihnen. Die zeitgemäße Definition von Vaterschaft über die biologische Abstammung ist dazu Voraussetzung.

 

 

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren

Kommentare  

0 # George Zimmermann 2018-12-10 10:57
Richtig. Damit werden auch die Lebenslangen "Notlügen" der Mütter verhindert, die Kuckuckskinder "schützen" wollen. Das Veto-Recht der Mütter gegen den Gentest zur Feststellung der biologischen Abstammung gehört ebenfalls abgeschaftt.
Antworten
Weitere Beiträge

Wettbewerb für Kinderbuch: "Wenn Wurzeln Flügel tragen"


Die geschlechterpolitische Initiative Gleichmaß e.V. veranstaltet den nachfolgend beschriebenen Wettbewerb für Kinder.
Die Anthologie “Wenn Wurzeln Flügel tragen” gehört zu einem unserer seit Langem geplanten Projekte. Wir würden uns sehr freuen, wenn nachfolgende Meldung auch virtuell eine möglichst große Weiterverbreitung findet; Teilen, Rebloggen und Weitermailen in die eigenen...

Josef und Nivea. Und eine Weihnachtsgeschichte.


Mit Blick auf das nahende Weihnachtsfest empfahl Franziskus seinen Mitarbeitern Josef als Vorbild. Dieser habe sich fürsorglich ‚um seine Braut und das Kind‘ gekümmert und dabei ‚still‘ an der Seite Marias gestanden.“
Ganz ähnlich wie von Papst Franziskus, aber mit ganz anderer Bewertung, wird Josef von Marcus Spicker im Kuckucksvaterblog beschrieben:
 

Was ist denn nun eigentlich ein „Masku“?


Zugegeben – ich weiß nicht so recht, was „Männerrechte“ eigentlich sind. Der Begriff ist in meinen Augen ebenso fragwürdig wie der Begriff „Frauenrechte“.
Rechte gelten schließlich allgemein, nicht nur für bestimmte Gruppen – sonst sind es keine Rechte, sondern Vorrechte. Als beispielweise Christian Schmidt vor einigen Wochen über „Einschränkungen von Männerrechten“ schrieb, ging es eigentlich nicht...

Britisches Familienrecht: Das Gemetzel kann beginnen


Britische Mütter müssen neuerdings mit drastischen Strafen rechnen, wenn Sie Vätern den Umgang mit den Kindern verweigern. Im schlimmsten Falle kann dies sogar mit einer Gefängnisstrafe enden.
"Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt", ließ uns der Feldherr Napoleon Bonaparte einst angedeihen. Und in der Tat sind sich die Liebe und der Krieg näher als uns lieb sein mag. Die Übergänge sind...

Framing Relotius. Wie der deutsche Journalismus an die Wand gefahren wird


Die Entscheidung der DuMont Mediengruppe, sich von sämtlichen Regionalzeitungen zu trennen, hat gerade noch einmal auf die tiefe Krise des deutschen Journalismus aufmerksam gemacht. Die zwei großen journalistischen Skandale der letzten Wochen – der Relotius-Skandal beim Spiegel und der Skandal des Framing Manual bei der ARD – haben Gemeinsamkeiten, an denen der politische Hintergrund dieser...

Menschenrechte in Beton

Zur Achtung der Menschenrechte in Deutschland. Update 2015
„Menschenrechte sind in der Bundesrepublik offenbar nur deklamatorischer Natur.“ Dieser Satz bezieht sich auf das deutsche Familienrecht und ist mehr als zwanzig Jahre alt. Er stammt aus dem Essay „Die Achtung der Menschenrechte in Deutschland – Anspruch und Wirklichkeit. Gedanken zum Jahr der Familie“, den Prof. Dr. Michael Reeken im Jahr...

Was bringt das neue Sorgerecht für unverheiratete Männer?


Die Gesetzesreform zum Sorgerecht nicht verheirateter Väter ist am 19. Mai 2013 in Kraft getreten. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte bereits 2009 die bisherige Sorgerechtsregelung in Deutschland, nach der unverheiratete Väter ohne die Zustimmung der Mutter kein Sorgerecht für ihre Kinder erhalten konnten, als Diskriminierung der Väter verurteilt.
Die dadurch erforderlich...

Was hat das Deutschlandradio eigentlich gegen Menschenrechte?


Die Situation deutscher Mütter ist – von der breiten Öffentlichkeit wie üblich unbemerkt – unerträglich geworden. „Unverheiratete Mütter und ihre Kinder geraten (…) in eine noch nie da gewesene Situation des Ausgeliefertseins an den Kindesvater.“
Durch gesetzlichen Zwang sieht sich die unschuldige Mutter der Willkür eines missgünstigen Vaters ausgesetzt, der sich zwar – wir kennen diese...