Die Bundeswehr ist in einem desaströsen Zustand.  Seit Jahrzehnten wird sie kaputtgespart, ihre Truppenstärke reduziert, das Material ist kaum einsatzfähig, mit Ausnahme einiger Verbände (z.B. der KSK-Spezialkräfte) ist sie den Herausforderungen moderner Kriegsführung kaum gewachsen. Durch ständige „Reformen“ wird nur die Illusion einer Verbesserung ihres Zustands erzeugt.

soldaten lagh7639

Josef Kraus, Publizist und Pädagoge, und Richard Drexl, Oberst a.D., behandeln in dem Buch Nicht einmal bedingt abwehrbereit. Die Bundeswehr zwischen Elitetruppe und Reformruine Geschichte, Funktion und Zustand der Bundeswehr, wobei sie den Schwerpunkt ihrer Untersuchungen auf die Zeit nach der Wiedervereinigung legen.

Das Buch beinhaltet folgende Kapitel: „Gesellschaftliche und politische Umstände: Armee in einer postpatriotischen Gesellschaft“, „Strategische Lage“, „Defizite und Konsequenzen“, „Sieben Jahrzehnte Bundeswehr – ihr Auftrag im Wandel“, „Armee im Auslandseinsatz: Bedarf, Grenzen, Risiken, Belastungen“, „Eine europäische Armee – reales Ziel oder Fata Morgana?“ und „Deutsche Sonderwege“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Bundesrepublik Deutschland pazifistisch ausgerichtet. Das Militärische wurde – insbesondere durch die intellektuellen Eliten – verpönt. Diese Tendenz verstärkte sich durch das Aufkommen und das Erstarken der „Grünen“. Die Deutschen sind ein Volk der Extreme: früher extrem militaristisch, heute extrem pazifistisch. Das Verhältnis der Bevölkerung zur Bundeswehr oszilliert aufgrund der pazifistischen Grundstimmung zwischen Gleichgültigkeit und Feindschaft/Ablehnung. Hinzu kommt noch die geopolitische Lage Deutschlands: Die Bundesrepublik ist in der EU, umgeben von Ländern, mit denen sie freundschaftliche Beziehungen unterhält. Der Pazifismus und der Frieden in Mitteleuropa sind die Gründe dafür, dass die politischen Elite und die ihr folgende mediale Elite an einer starken Armee kein Interesse haben. Die Milliarden, die eigentlich die Bundeswehr erhalten sollte, gibt man lieber für gesellschaftspolitische Experimente wie Gender-Mainstreaming aus.

Die Autoren geben unzählige Beispiele für den katastrophalen Zustand der Bundeswehr. Alleine damit avanciert ihr Buch zu einem Standardwerk. 2018 war zeitweise keines der sechs U-Boote der 212A-Klasse fahrbereit. Von den 128 Eurofightern waren kaum mehr als vier ohne jede Einschränkung einsatzbereit. Von den 68 Hubschraubern des Typs Tiger sind nur 12 voll einsatzfähig. Von den 13 Fregatten sind fünf und von den 244 Leo-II-Panzern nur 105 voll einsatzfähig.

Es fehlen Ersatzteile, viele Geräte werden nicht betriebsbereit gehalten, stillgelegt oder verschenkt. Bei der Einführung von neuen Waffensystemen wurde darauf verzichtet, ausreichend Ersatzteile zu beschaffen, weil man sparen wollte.

Die Verantwortlichen in der Politik gehen davon aus, dass man von Freunden umgeben ist und dass der ewige Frieden zumindest in Europa ausgebrochen ist. Das ist sehr trügerisch, denn aus Freunden können  Feinde werden. Das geht ganz schnell, wie wir aus der Geschichte wissen. Deutschland befindet sich ja faktisch seit 25 Jahren im kriegerischen Einsatz (Auslandseinsatz).

Die Autoren machen des Weiteren auf die Personalprobleme der Bundeswehr aufmerksam. Der Übergang von der Wehrpflicht- zur Freiwilligenarmee ist nicht gelungen. Es gibt zu viele Offiziere und zu wenig Soldaten. Die Verwaltung, die Bürokratie, wurde aufgebläht, was das Funktionieren einer jeden Armee verunmöglicht. Der demografische Wandel und die ablehnende Haltung gegenüber der Bundeswehr werden gravierende Personalprobleme zur Folge haben. Anfang 2019 waren 25000 offene Stellen nicht besetzt.

Doch die Autoren bleiben bei ihrer Kritik nicht stehen. Sie bieten Vorschläge zur Verbesserun g des Zustands der Bundeswehr und das ist ein weiteres Verdienst des Buches. Ich möchte hier einige Vorschläge aufgreifen: ein Nachdenken über eine allgemeine Dienstpflicht für beide Geschlechter ist angebracht (wer Rechte in Anspruch nimmt, sollte Pflichten übernehmen), ein „aufgeklärter Patriotismus“ (im Gegensatz zum Nationalismus) als ein positives Verhältnis zum eigenen Land und seinen Errungenschaften ist wünschenswert, Strategien zum Schutz der Bürger vor Bedrohungen sollten ausgearbeitet werden, die Bundeswehr muss modernisiert werden (dazu gehören: qualifiziertes Personal, mehr gepanzerte Fahrzeuge, mehr Kampfflugzeuge, Hubschrauber und Schiffe usw.).

Immer wieder verwenden die Autoren den Begriff „Wehrhaftigkeit“. Eine Gesellschaft, die auf ihre Errungenschaften stolz ist, sie verteidigen möchte, muss wehrhaft sein. Das gilt sowohl für den Einzelnen als auch für das Kollektiv. Ansonsten werden diese Errungenschaften rückgängig gemacht. Auch das kann ganz schnell gehen, wie wir aus der Geschichte wissen. Ich rufe diese Errungenschaften kurz in Erinnerung: Gleichheit vor dem Gesetz, Gleichberechtigung von Mann und Frau, individuelle Freiheitsrechte, Meinungs-, Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit. Anders gewendet: Nur wer wehrhaft ist, kann die Werte und Errungenschaften unserer Kultur gegen ihre Feinde verteidigen.

Josef Kraus/Richard Drexl, Nicht einmal bedingt abwehrbereit. Die Bundeswehr zwischen Elitetruppe und Reformruine, FinanzBuch Verlag München 2019.

 

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren

Kommentare  

-2 # Leander 2019-08-16 17:10
für die genannten Werte sehe ich eher Gefahren von innen heraus durch zunehmende AFD-Erfolge und verstärkten Populismus, innere Spaltung.
Da kann mehr Bundeswehr gar nicht helfen!

Ich vermisse eine aktive Friedens- und Abrüstungspolitik. Die USA müssen hier nicht zwingend in Ramstein sitzen und von da aus Drohnenangriffe führen.
Wo ist denn bitte die Bedrohung, gegen die es sich lohnen würde, eine allgemeine Wehrpflicht wieder einzuführen?
Russland? Dass ich nicht lache! Dieser Popanz wird von den USA lediglich als Feindbild gepflegt, weil die Rüstungsindustrie darauf besteht, dass die Waffen immer mal modernisiert werden sollen. Danke, da müssen wir nicht mitmachen!
Das Geld brauchen wir dringend für die Infrastruktur, für den Umbau in Richtung mehr Klimaschutz und vieles mehr!
Antworten
0 # Ansgar Grauwind 2019-09-04 17:28
Die AfD ist eine populäre, politische Partei nationalkonservativer Ausrichtung, die sich aus dem verselbstständigten rechten Flügel der CDU konstituiert hat und stellt in dieser Eigenschaft eher einen Ansatz für eine potenziell wirksame Lösung der gegenwärtigen, multiplen Problemlage dar.
Die umgehende Beendigung der militärischen Präsenz der USA auf deutschem Territorium ist unumgänglich für die Wiederherstellung der nationalstaatlichen Souveränität Deutschlands und damit einhergehend die unabdingbare Grundlage für eine an den nationalen Interessen bzw. den Interessen der Bürgerschaft Deutschlands orientierte Außen-, Verteidigungs- und Sicherheitspolitik.
Das Klima kann als statistischer Wert gar nicht geschützt werden! Der seit 1905 durch einschlägige Messungen konstatierte Anstieg der Erdtemperatur ist minimal und der behauptete kausale Zusammenhang mit dem anthropogenen CO2-Emissionen bis heute nicht schlüssig und abschließend belegt - der Kohlenstoffdioxidausstoß entfaltet seinerseits als Nahrung der für die Produktion des für alle Gattungen unseres Planeten lebensnotwendigen Sauerstoffs verantwortlichen Gewächse keinesfalls eine ausschließlich ökologisch schädliche Wirkung.
Antworten
Weitere Beiträge

Buchvorstellung: „Verwundbar sind wir und ungestüm. Erzählungen aus der unsichtbaren Welt der Männer"

02. Dezember 2014, von Arne Hoffmann
Vor einigen Wochen zitierte die Wochenzeitung "Die Zeit" den verstorbenen Väterrechtler Dietmar Nikolai Webel mit der Einschätzung, es entstehe seit einiger Zeit eine ähnlich starke Welle von Literatur über die Benachteiligungen von Männern, wie es sie in den siebziger Jahren zum Frauenthema gegeben hatte – und so wie damals fast nur in kleinsten Verlagen...

Mein Leserbrief an die Zeit


Sehr geehrte Frau Niejahr,
ich möchte in meiner Funktion als Erster Vorsitzender von MANNdat e.V. auf Ihre Berichterstattung zur Frauenquote (Ausgabe Nr. 42 v. 9.10.14) Stellung beziehen.
Zunächst sei darauf hingewiesen, dass in Publikationen von MANNdat nicht wie in Ihrem Artikel suggeriert von Schreckschrauben, die keinen abbekommen oder Familien zerstören, die Rede ist. Auch aus dem Forum von...

Erschienen: "Gender Studies - Wissenschaft oder Ideologie?"

Was bedeutet “Gender”? Womit beschäftigen sich Gender Studies? Genügen ihre Grundkonzepte und Methoden wissenschaftlichen Standards? Wie beeinflussen Gender Studies die Politik? Die Publikation "Gender Studies - Wissenschaft oder Ideologie?" informiert über Gender Studies und ihre Auswirkungen auf die Politik.
Der Feminismus gehört zu den erfolgreichsten sozialen Bewegungen der neueren...

Der Mythos von der „sozialen Konstruktion“

Und warum sich der Sozialkonstruktivismus sehr gut dafür eignet, Lobby- und Klientelpolitik zu betreiben
Der Begriff „soziale Konstruktion“ spielt eine Schlüsselrolle in den Gender Studies. Die Vorstellung, dass das soziokulturelle Geschlecht (Gender) eine soziale Konstruktion sei, wird dort als eine Selbstverständlichkeit betrachtet.
Sie bildet das Fundament, auf dem Gender Studies aufgebaut...

Familienbilder in Deutschland und Frankreich - Monitor Familienforschung 34/2015


In ihrer aktuellen Stellungnahme zum Monitor Familienforschung 2015 vergleicht Frau Bundesministerin Manuela Schwesig die unterschiedlichen kulturellen Herangehensweisen zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Deutschland und unserem Nachbarland Frankreich. Dabei weist sie zu Recht darauf hin, dass diesseits des Rheins in den letzten Jahren große Verbesserungen erzielt werden konnten.
Ich...

Grüne Staatsrätin fordert: „Schluss mit der Umerziehung von Frauen und Männern!“


"Wir müssen die Geschlechterfrage neu denken!" verkündet das Backcover von Gisela Erlers jüngst erschienenem Buch Schluss mit der Umerziehung!: Vom artgerechten Umgang mit den Geschlechtern.

Weiter heißt es dort: "Warum sind Frauen in Spitzenpositionen so spärlich vertreten? Warum sind Jungen so häufig Bildungsverlierer? Es sind unterschiedliche Anreize, die beide Geschlechter antreiben. Frauen...

Warum Linke die Männerrechtler brauchen (aber Männerrechtler die Linken nicht)


„Vor allem die linken Parteien schrecken inzwischen immer mehr Männer ab, die eigentlich für die Anliegen dieses Lagers mehr als aufgeschlossen wären“, schreibt Arne Hoffmann in seinem gerade erschienenen „Plädoyer für eine linke Männerpolitik“. (S. 19)
Der Text listet viele Beispiele panischer Abgrenzungen und Feindseligkeiten irgendwie linker Parteien gegenüber Männerrechtlern auf:
...

Der Unterschied zwischen Männern und Schlachtvieh

Diskursanalytische Bemerkungen zur Wehrpflichtfrage aus Gender­ Perspektive
Es kann darüber gestritten werden, ob zehn Sandkörner noch ein Sandhaufen sind. Man kann auch darüber streiten, ob eine befruchtete Eizelle schon ein Mensch ist. Und es mag auch Verhaltensweisen von Menschen geben, die so unmenschlich sind, dass es gerechtfertigt sein kann, den Ausführenden der Handlung als Schwein zu...