Viele Kommentatoren haben aufgrund der jüngsten Vorschläge der Grünen, von denen der zu einem fleischlosen Tag in deutschen Kantinen nur der spektakulärste ist, festgestellt, dass diese Partei etwas Oberlehrerhaftes hat.

GemüseVegetarisch-argu8752

Nicht ohne Grund sehen manche auch einen messianischen Weltverbesserungsdrang, der schon ideologische Züge trägt. Eine Partei der Besserwisser mit höherem Bewusstsein, die die Wahrheit gepachtet haben.

Im Grunde zeigt sich in dem erwähnten Vorschlag, der ja durchaus bedenkenswert, aber keineswegs neu ist, eine parareligiöse Ausrichtung. Die Ähnlichkeit zum katholischen Brauch, am Freitag kein Fleisch zu essen, ist offenkundig - aber es muss bei den Grünen natürlich der Donnerstag sein, um das Ganze als nicht zu sehr abgekupfert aussehen zu lassen.deutsche-befindlichkeiten

Die Grüne Partei hat, wie sich nicht nur bei diesem Beispiel zeigt, eine merkwürdig doppelte Moral. Ist sie doch die Friedenspartei, die erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder deutsche Kriegsteilnahmen möglich gemacht hat. Diese janusköpfige Ausrichtung zeigt sie auch bei der vehementen Unterstützung der sogenannten Homo-Ehe, während die ihr nahestehende politische Stiftung nach Heinrich Böll benannt ist, der ein rheinischer Katholik war und mit einer ganzen Reihe von grünen Themen sicher nicht konform gewesen wäre. Aber er kann sich leider nicht mehr wehren.

Die Entrüstung über den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch katholische Priester haben die Grünen am lebhaftesten demonstriert, aber die eigene Verstrickung in pädophile Verirrungen wollen sie nicht ganz so energisch untersuchen. Christa Meves hat schon früh auf die fatale Sexualisierung von Kindern durch linksalternative Ideologen hingewiesen, doch wurden ihre Hinweise abgetan als altmodische Einwürfe einer religiösen Psychologin.

Als linke Partei sind die Grünen eigentlich atheistisch, doch schwammen schon früh alle möglichen auch religiösen Splittergruppen in ihrem Fahrwasser mit. Heute ist die Vorsitzende dieser Partei eine engagierte Protestantin, die eine gelockerte Auffassung von Kirche und Religiosität hat, wie sie nicht nur in Ostdeutschland gepflegt wird, sondern sich auch in immer mehr Verlautbarungen der EKD überhaupt zeigt. Während also immer mehr Grüne eine unverbindliche religiöse Haltung aufweisen, empfiehlt sich die Evangelische Kirche mit irritierenden, nicht gerade bibelkonformen Papieren wie dem jüngsten zur Ehe als eine genau zu dieser janusköpfig unverbindlichen Partei passende.

Womöglich ist Beliebigkeit eine vielen Menschen entgegenkommende Haltung. Patchwork eben. Das könnte den Erfolg der Grünen erklären. Aber wie bei Günter Grass, der den Oberlehrer Deutschlands gab, bis er zugab, jahrzehntelang über eine Mitgliedschaft in der SS geschwiegen zu haben, hat es einen üblen Beigeschmack, wenn an Andere hohe moralische Maßstäbe angelegt werden, die man selbst nicht erfüllt.

 

Weitere Beiträge

Wo sind die Linken aus den islamischen Ländern geblieben?


Während meiner Studienzeit in den 80er Jahren lernte ich viele Studenten aus den islamischen Ländern kennen. Sie waren alle links und atheistisch. Was ist aus ihren Überzeugungen geworden?
Während meiner Studienzeit in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts lernte ich sehr viele Studenten aus den sog. „islamischen Ländern“ kennen (damals sprach man gar nicht von „islamischen Ländern“,...

Herrn Prantl´s Panik


Der Erfolg der jungen Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) in der sächsischen Landtagswahl hat Herrn Heribert Prantl erschreckt. In seiner Charakterisierung greift er Beobachtungen und Details auf, die ein vorläufiges Mosaik ohne klares Bild ergeben.
Prantl hält die AfD insgesamt für rückwärtsgewandt, bestreitet damit aber implizit, dass es ernsthafte Probleme geben könnte, die den Erfolg...

Männliche Kulturen der Selbstdisziplinierung

Frauen das friedliche, Männer das gewalttätige Geschlecht? Obwohl Frauen als Mörder und Totschläger statistisch weniger auffällig werden, ist die Sache weitaus komplexer.
Gewalt ist kein Charaktermerkmal ausschließlich von Männern, auch Frauen sind, auf je spezifische Weise, zu Grausamkeiten aller Art in der Lage. Auch waren und sind sie weder nur Opfer noch Unbeteiligte. Zu allen Zeiten und in...

Empörungstheater


„Frauen würden sich ihrer Obdachlosigkeit schämen und verstecken, sagt Renate Kaufmann. ‚Männer hingegen feiern ihr Schicksal quasi mit einem Doppelliter in der Öffentlichkeit‘, überspitzt die Bezirksvorsteherin von Mariahilf (SP) die Tatsache, dass obdachlose Frauen viel weniger sichtbar sind."
Das wurde aber auch Zeit: Während oberflächlich argumentierende Menschen die geringere Sichtbarkeit...

Die grüne Unfähigkeit, sich zu schämen


Wenn ich mich richtig erinnere, war es Václav Havel, der einmal gefordert hat, Politikern zu verbieten, Kinder auf den Arm zu nehmen, sich mit ihnen ablichten zu lassen und sie so für die eigene Präsentation zu benutzen. Ich mache mir diese Forderung jedenfalls gern zu eigen und möchte sie auf Wahlkampfplakate ausweiten.
Kinder sind für die beauftragten Werbeagenturen offenbar Mittel der Wahl,...

Das Große Spiel – Geopolitische Strukturen und Entwicklungen


Das „Große Spiel“ meint bezüglich der Geopolitik eine theoretisch-strategische Sichtweise von Konflikten, die von John von Neumann und Oskar Morgenstern im innovativen Ansatz der Spieltheorie formuliert und formalisiert worden ist. Strategisch ist diese theoretische Perspektive, weil sie die Entscheidungen und Verhaltensweisen des einen von den erwarteten Entscheidungen und Verhaltensweisen der anderen...

Ach Mädchen ...


Wladimir Putin, Barbie, Heidi Klum, Markus Lanz, nun also auch Kardinal Meisner. Die Femen kommen weit rum. Soll mal einer sagen, Frauen wüssten ihren Körper nicht einzusetzen.
Josephine Witt hat sich ausgezogen. Auf dem Altar des Kölner Doms. In der Weihnachtsmesse am 25. Dezember. Wir feiern die Geburt Jesu. Es war zudem der Geburtstag von Kardinal Meisner, der die Messe zelebrierte. Es sollte wohl ein...

What if Women Rule the World?


Vom 12. bis zum 14. April fand an der Volksbühne „ein soziologisches Experiment, bei dem wir etwas über Humanität lernen können“ statt - so zumindest die Erläuterung der Regisseurin über ihre eigene semi-fiktionale Theater-Performance. Und wie sieht so etwas aus? Fünf reale Expertinnen und fünf Schauspielerinnen sitzen an einem runden Tisch, um eine globale Katastrophe zu verhindern. Das Stück:...