23. Juni 2012, von Hadmut Danisch, zuerst erschienen in Hadmut Danischs Blog

Aus der deutschen Blogosphäre erreichte die Cuncti-Redaktion soeben folgende Meldung:

Ich hatte neulich gebloggt, dass ich der Piratenpartei beigetreten bin, allerdings erst mal probeweise für ein Jahr. Und dass ich darüber berichten wolle, im Guten wie im Schlechten. Hier nun ein Bericht über schlechte Erfahrungen.

Nachrichten von der politischen Front

Ich war vorhin bei der zweiten Sitzung der AG Familienpolitik in der Münchner Zentrale der Piraten (S71). Die AG heißt zwar Familienpolitik, und kümmert sich theoretisch auch um Themen wie etwa Kinder- und Jugendschutz, dreht sich derzeit aber um Frauenquoten (sind die Piraten generell dafür oder dagegen, soll es innerhalb der Piraten Frauenquoten geben usw.) und die Frage, wie man die Piratenpartei für Frauen attraktiver machen könnte.

Dazu hatte man heute sogar „Prominenz” eingeladen, nämlich Michaela Pichlbauer, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt München. Sie betonte eingangs „privat” da zu sein, weil sie für einen offiziellen Besuch eine Genehmigung gebraucht hätte, die sie nicht mehr rechtzeitig bekommen hätte. Sie würde aber das gleiche sagen, meinte sie.

Sie erzählte so etwas allgemeines, wenig konkretes über ihre Arbeit, so ein paar Allgemeinpositionen, etwa dass die Gleichstellungsbereitschaft altersabhängig sei und es da so eine Schwelle gebe (weigerte sich aber später, meine Rückfrage zu beantworten, ob damit gemeint sei, dass es lebensalters- oder generationenabhängig wäre. Denn es ist ja ein wesentlicher Unterschied, ob man sagt, dass junge Leute gegen und ältere Leute für die Quote sind, es also auf der eigenen Alterssituation beruht, und man damit auch implizit unterstellt, dass Leute im Laufe ihres Lebens ihre Ansicht ändern, oder ob man sagt, daß die Generation, die etwa ab dem Jahr x geboren ist, das anders sieht, weil es etwa kulturell oder von einer historisch veränderten Ausgangssituation abhängt, und sich die Quote damit kulturell herauswächst und erledigt, sobald die Befürworterinnen alle das Rentenalter erreicht haben). Sie erklärte vor allem, dass ihre Tätigkeit nicht so wäre, wie das häufig missverstanden würde, Frauen um jeden Preis durchzuboxen, sondern dass es eben darum ginge, bei Personalauswahlen dafür zu sorgen, dass wirklich die „besten” Bewerber genommen würde. In der Praxis sei das nämlich nicht der Fall, da würden häufig Männer ausgewählt, obwohl sie nicht die besten Bewerber waren, wenn konkurrierende Frauen besser waren. Es habe sich einfach gezeigt, dass da zu Ungunsten von Frauen keine echte Bestenauslese stattfände. Das allein sei das Ziel, und wenn man dies erreichen würde, bräuchte man doch keine Quote mehr. Sie sei nur notwendig, um das zu erreichen.

Dazu habe ich dann eine Rückfrage gestellt. Mir käme das unlogisch vor. Denn die Bestenauslese ist für den öffentlichen Dienst ohnehin verfassungsrechtlich zwingend vorgeschrieben, nämlich durch Art. 33 Abs. 2 GG, der die Bestenauslese nach der Kriterientrias der Eignung, der Befähigung und der fachlichen Leistung vorschreibe. Völlig geschlechtsunspezifisch. Davon bewusst abzuweichen, ist eine Straftat, was im Verfassungs- und im Strafrecht längst geklärt ist. Es handelt sich dabei bekanntlich um Untreue, man nennt diesen Spezialfall Ämterpatronage, also eine der Korruptionsstraftaten. Wenn es also so wäre, wie sie sage, dass es einzig und allein darum ginge, eine Bestenauslese zu gewährleisten und Abweichungen davon zu verhindern, dann bräuchte man doch meines Erachtens keine Gleichstellungsbeauftragte, sondern eine Korruptionsbeauftragte. Wenn das doch das Problem ist. Und wenn sie objektiv nachweisen könne, dass die weibliche Bewerberin nicht genommen wurde, obwohl sie höher qualifiziert ist, dann ist doch der Straftatbestand nachweislich erfüllt und die Sache ein Fall für die Strafverfolgung.

Da wurde sie gleich fuchtig und blockte das sofort ab. Nein, nein, das sei keine Korruption, das sei Frauendiskriminierung. Als wollte ich ihre Zuständigkeit und Daseinsberechtigung in Frage stellen. (Genau das wollte ich ja auch, jedenfalls wenn sie die Frauenquote als sowas verkaufen will.) Man merkte so richtig, wie sie das Thema unbedingt bei sich behalten will, und gegen alles tritt, was dem nicht entspricht. Nein, Korruption sei das auf gar keinen Fall. Das hätte ich ganz falsch verstanden. Na, sagte ich, ich käme aber aus dem Bereich der Korruptionsbekämpfung und hätte mich schon einige Jahre mit der Straf- und Verfassungsrechtsliteratur dazu befasst. Nein, meinte sie, das sei ja alles gar nicht objektiv, so wie ich mir das vorstellte. Aha. Reingelegt. Das ging ja einfach. Denn wenn’s nicht objektiv feststellbar ist, woher will sie dann wissen, daß die nicht ausgewählte Frau besser als der ausgewählte Mann war? Ist Gleichstellung etwa, einfach zu behaupten, die Frau sei die beste Bewerberin gewesen, damit man einfach unterstellen kann, Männer hätten sie diskriminiert, um die Frauenquote als Verbesserung der Bestenauslese zu verkaufen? Das ist doch unlogisch. An dieser Stelle merkte sie dann selbst, dass sie sich logisch verheddert hatte und dass das nicht plausibel ist. Also fing sie wieder an, mich persönlich anzugreifen, ich hätte das alles nicht verstanden und irgendwie keine Ahnung. Auf meinen Vorhalt, dass ich durchaus einiges an Literatur dazu gelesen hatte, erwiderte sie barsch, die Gewerkschaftspublikationen müsse ich lesen, und sagte sonst nichts mehr dazu. Beantwortet hat sie die Frage nicht.

Was doppelt seltsam ist. Denn eingangs hatte sie sich kompetenzaufplusternd damit beschrieben, dass sie per Gesetz politisch neutral sein müsse. Und dann beruft sie sich auf Gewerkschaften? Als ob Gewerkschaften neutral oder wissenschaftlich wären? Und welcher halbwegs kompetente Mensch bezieht denn sein Wissen über Einstellungsverfahren im öffentlichen Dienst nur aus Gewerkschaftspostillen und nicht aus der Rechtsliteratur? Obwohl ihr Thema eigentlich ein juristisches ist, und obwohl sie selbst und von sich aus sagte, dass sie angeblich auf die Bestensauslese und damit auf Art. 33 Abs. 2 GG hinauswill, also ein verfassungs- und strafrechtlich intensives Thema, schien sie sich mit Recht überhaupt nicht auseinandergesetzt zu haben und das alleine als Frauendiskriminierung und als soziologisches Problem sehen wollte. Sie sagte, sie habe Soziologie, BWL und Psychologie studiert, und fast alle Gleichstellungsbeauftragte, mit denen ich bisher zu tun hatte, kamen aus dem Bereich Soziologie. Aber man weiß ja auch, dass für den, der nur einen Hammer kennt, alles wie ein Nagel aussieht. Vielleicht sollte man einfach mal die Stellenbeschreibungsprofile für Gleichstellungsbeauftragte und deren Anforderungen grundlegend überarbeiten. Gemessen an dem bisschen, was ich heute von ihr gehört habe, machte die Frau einen ziemlich inkompetenten, aber gar nicht glaubwürdigen Eindruck. Ich persönlich bin der Meinung, dass wer sich mit Bestenauslese im öffentlichen Dienst befasst, das Thema auch juristisch einfach drauf haben müsste.

Einige Zeit später setzte ein anderer Fragender da nochmal an, aber leider nur sehr zaghaft und ohne Nachdruck. Denn Zwischendurch hatte Pichlbauer (es waren überwiegend Frauen anwesend, die partout die Frauenquote hören wollten) durchaus etwas anderes gesagt, nämlich dass es eben um eine Frauenquote gehe, die man anstrebe. Und so fragte der, wie denn das nun sei, ob man denn nun Bestenauslese oder Quote anstrebe. Ist ja nicht automatisch dasselbe. Das beantwortete sie nicht wirklich inhaltlich. Frauen seien qualifiziert, Bestenauslese und Quote dasselbe, weil die Quote dazu diene, den Frauen die Bestenauslese zu bringen, die ihnen gebühre. Was auf deutsch ja nun wieder heißt, dass die Bestenauslese nur Schwindel ist, wenn die Quote vorgeben soll, wer der Beste ist. Man merkte da schon sehr deutlich, dass die Bestenauslese nur rhetorische Fassade ist, um eine durchgesetzte Quote zu tarnen und als rechtskonform auszugeben. Man will zwar eine Frauenquote durchsetzen, sie nach außen hin aber als etwas anderes, als unproblematisch und von der Mehrheit nicht Abgelehntes aussehen zu lassen. Meines Erachtens Betrug.

Ich war dann irgendwann wieder dran und habe nachgesetzt. Denn die gender-feministische Argumentation für eine Frauenquote (wenn man mal das Eingemachte und nicht die Softie-Version für die Öffentlichkeit liest, weil die notorisch nach außen etwas anders behaupten als intern) beruht ja eben nicht auf Gleichbefähigung, sondern auf der Argumentation, dass technisch-logisch-wissenschaftliches Denken, sich jahrelang mit dem Lernen eines Berufs abzumühen, Wahres von Falschem zu trennen usw. (demnächst dazu mehr) typisch männlich sei und Frauen kulturell von kleinauf ausgetrieben würde. Genaugenommen gebe es Frauen ja gar nicht, so die Gender-Sichtweise, sie seien nur eine kulturelle Erfindung zum Zweck der Unterdrückung. Und eben nicht intellektuell, sondern emotional-kommunikativ-sozial ausgelegt. Deshalb würden jegliche Qualitätskriterien und Bestenauslese sie benachteiligen und diskriminieren. Gleichstellung hieße deshalb, auf jegliche solche Anforderungen zu verzichten und Frauen pauschal als gleich gut einzustufen. Ist natürlich völliger Quatsch, aber ist ja auch nicht meine Meinung. (Die meisten Frauen wissen gar nicht, auf was für einen Käse sie sich einlassen, wenn sie für Gleichstellung stimmen.) Aber ich habe Pichlbauer eben mal vorgehalten, dass ihre Aussage nicht zu gender-feministischen Standpunkten passe, wonach die Quote notwendig sei, weil Frauen eben nicht gleichqualifiziert sein könnten, weil sie qua kulturellem Geschlecht intellektuell unterlegen seien und sowieso mehr Wert auf work-life-balance als auf Berufsausbildung legten. Pichlbauer und alle anderen Frauen gingen auf mich los. Frechheit, Unverschämtheit, was mir einfiele. Die hätten lieber mal hingehört, anstatt sich immer nur selbst beim Reden hören zu wollen. Denn Pichlbauer sagte zuerst, dass es Positionen gebe, die für sie nicht diskutabel seien, sich also zuerst gegen diese Feministinnen wandte, dann aber, als sie merkte, daß die anderen Frauen alle zusammen auf mich losgingen und mich beschimpften, ihre Windrichtung wechselte und mich als blöd hinstellte, das sei ihr zu blöd, sich damit zu befassen. Auf meinen Hinweis, dass ich das beleidigend fände, kam man schnell zum allgemeinen feministischen Konsens, dass es in Ordnung wäre, mich für blöd zu erklären, weil ich doch eben die Frauen für blöder als Männer erklärt hätte. Und sie würde von mir jetzt gar keine Fragen mehr beantworten (als ob sie schon mal eine beantwortet hätte).

Dass das aber nicht meine Meinung, sondern nur die Wiedergabe der Gender-Feministinnen-Meinungen war, ich sie für falsch erklärt hatte, und sie außerdem Pichlbauer zum Widerspruch vorhalten wollte, begriffen die schon nicht mehr. In der feministischen Literatur heißt es oft, Männer seien kommunikative Neandertaler, nur Frauen seien wirklich kommunikativ begabt. Die Exemplare, die heute da waren, waren aber offenbar schon mit indirekter Rede überfordert.

Auf Twitter und in der Mailingliste überschlug man sich hinterher mit Lob für Pichlbauer, sie sei so gut vorbereitet gewesen und so toll und überhaupt. Nach meiner Wahrnehmung war sie aber gar nicht vorbereitet und hat nicht eine einzige Frage beantwortet. Insbesondere wenn Männer fragten, kamen immer nur so Phrasen und Abwehrrhetoriken wie aus dem Revolver, die sie offenbar fest einstudiert hat, sie spult einfach ihr Repertoire ab:

  • Den Fragenden grundsätzlich als blöd hinstellen, ihm unterstellen, dass er nicht zuhören kann und ihn lächerlich machen, insbesondere als Mann vor Frauen als Trottel hinstellen. Einen solchen Spruch, den ich abbekommen habe, twitterten sie sogar gleich als Expertin zu Maskulinist: „Du musst scho erstmal zuahern lerna!” (Maskulinist ist das feministische Universalschimpfwort für Männer mit anderer als ihrer Meinung.) Auf meinen Gegenhalt, dass ich sie einfach sprachlich nicht richtig verstehe (sie nuschelt manchmal und spricht manchmal brachial bayerisch), weil ich nicht aus Bayern bin, hieß es, wir seien halt in München, da wäre das so. Das ist beachtlich, denn eigentlich gehört es zu den Aufgaben einer Gleichstellungsbauftragten dafür zu sorgen, dass Leute nicht wegen ihrer Herkunft diskriminiert werden.

  • Dem anderen unterstellen, dass er blöd sei und nicht genug gelesen habe. Was die Gewerkschaft schreibt, hätte ich lesen müssen, ohne auch nur irgendwie anzudeuten, was die Gewerkschaft denn schreibt. So wird rhetorisch suggeriert, der Fragende sei ein Laie, ein desinformierter Dummkopf, der nicht weiß, worum es geht, obwohl damit eigentlich nichts gesagt wird. Man könnte es auch nicht nachlesen oder widerlegen. Sowas geht immer. (Genau die gleiche Methode kam später von den anderen Feministinnen, wo es pauschal hieß, es gäbe „wissenschaftliche Veröffentlichungen”. Nicht welche, nicht wozu, nicht was sie behaupten, sondern einfach nur, um zu unterstellen, dass Wissenschaft das Gegenteil der vom Fragenden geäußerten Meinung sei und er quasi ein unterwissenschaftlicher Laie sei.)

  • Solche selbstqualifizierenden Floskeln wie „Das hab ich mit meinen xx Jahren noch nie gehört”, als ob ihr Alter irgendetwas über die Wahrheit der Aussage sagen könnte. Wieder nur der plumpe Versuch, sich durch Floskeln in eine Überlegenheitssituation zu bringen, statt zu antworten. Und sowas von einer studierten Psychologin. (Sie hat sich damit übrigens selbst ins Knie geschossen, ich bin nämlich ungefähr gleich alt – anscheinend aber hat sie mich aufgrund meines Aussehens für deutlich jünger geschätzt.)

  • Ich hatte „Gender” mit deutschem G und nicht englisch „Dschänder” ausgesprochen, weil das Wort sowieso nur noch eingedeutscht verwendet wird („Gendern”, „Genderbeauftragte”) und eigentlich aus dem Lateinischen kommt (Genus). Da hieß es, ich könne es ja nicht mal richtig aussprechen. Damit wären meine Fragen natürlich auch inhaltlich Unfug und beantwortungsunwürdig.

  • Das ist mir zu blöd.

  • Dafür ist mir die Zeit zu schade.

  • Das führt hier zu weit.

  • Das kann ich hier jetzt nicht beantworten.

  • Etwas so nuscheln oder stark bayerisch sagen, dass man es nicht versteht, oder bayerische Universalphrasen einsetzen, die es hier kulturell bedingt vielfältig gibt (siehe oben, Thema „Zuhören“).

  • Ganz intensiv persönliche Angriffe und Polemik, um den Fragenden (und damit implizit seine Frage) vor dem Publikum zu entwerten und verächtlich zu machen, was besonders bei einem feministischen und damit verachtenswilligen Publikum sehr gut funktioniert.

  • Die latente Grundhaltung und Suggestion, dass Männer eigentlich sowieso keine vernünftige Frage zu dem Thema stellen könnten und Fragen von Männern nur der Demonstration und Vorführung dienen, wie ahnungslos sie sind.

Und ich hatte den starken Eindruck, als ginge es ihr auch darum, Männer als Fragende grundsätzlich als blöd hinzustellen und vorzuführen, also ob Männer gar nicht erst in der Lage wären, eine beantwortungswürdige (=feminismuskonforme) Frage zu stellen.
Besonders Frauen scheint man mit sowas beeindrucken zu können. Hat man aber ein bisschen Erfahrung mit Rhetorik und Rabulistik, wirken diese zusammengepappten, substanzlosen Versatzstücke einfach nur lächerlich.

So weit, so gut. Pichlbauer gehört ja nicht zu den Piraten, also sagt das erst mal nicht viel über selbige.

Was mir aber wirklich sauer aufgestoßen ist, das waren die Piratinnen. Ich war zweimal drauf und dran, einfach aufzustehen und zu gehen, bin aber schließlich nur dieses Blogartikels wegen geblieben.

Frauen waren in der Mehrheit (ja, sowas gibt’s sogar bei den Piraten). Ein Gespräch war aber nicht möglich, die haben gegen jede Meinung, die nicht feministisch war, und gegen Männer schlechthin nur gepöbelt. Und mehrfach zum Ausdruck gebracht, dass Männer hier eigentlich überhaupt nichts sagen und gar nicht erst mitreden dürften. Nichts sagen, keine Meinung, nicht abstimmen.

Eine beschwerte sich darüber, dass sich in irgendeiner anderen Piratengruppe die Männer in den Vordergrund spielten, aggressiv redeten und „Schwächere” nicht zu Wort kommen ließen oder sie für unfähig hinstellten. Alle waren sich einig, dass das typisch männliches, frauendiskriminierendes Verhalten sei. Dass sich die Frauen hier, wo sie in einer Mehrheit waren und sich für kompetenter hielten, exakt so verhielten, wie sie es den Männern vorwarfen, nur weit exzessiver, als Männer es miteinander tun würden, merkten die gar nicht. Das zu beobachten, da zuzuhören, war ein Paradebeispiel für feministische Doppelmoral und Selbstgerechtigkeit. Fühlen Frauen sich niedergeredet, dann ist es unfaire Frauendiskriminierung, weil Männer die Meinung nicht hören wollten. Redeten aber Frauen Männer nieder, dann ist das gerecht und „Expertin gegen Maskulinist” oder Belehrung des unwissenschaftlichen Dummkopfes.

Denn Männer haben da keine Meinung zu haben. Eine schlug allen Ernstes vor, Männer von der Abstimmung auszuschließen, weil ein ordentliches Abstimmungsergebnis nur ohne Männer zu erzielen sei. Die Frage des Abends, zu der in der AG geladen war, war (neben der Frauenquote), wie man die Piratenpartei für Frauen attraktiver machen kann. Eigentlich heißt es doch bei den Piraten immer, dass das Geschlecht irrelevant sei und jeder die gleichen Rechte habe. Nicht hier. Ich habe dazu etwas gesagt, und es wurde als Unverschämt bezeichnet, dass ich dazu überhaupt was sage. Auf Twitter hieß es dazu

Wenn ein Mann vorträgt, warum so wenige Frauen zu den ?#Piraten? kommen, stimmt vielleicht was nicht?

Was hatte ich Schlimmes gesagt? Ich hatte den Grund, dass die Piratenpartei für Frauen nicht so attraktiv ist, darin verortet, dass die Piraten mehr so eine Selbstzweck-Partei sind. Überall heißt es, die Piraten hätten keine Standpunkte und zu nichts eine Meinung, sondern wären ausschließlich mit sich selbst, Liquid Democracy und dem extrem aufwendigen Basis-Politikstil beschäftigt, also eher Selbstzweck. In meinem Bekanntenkreis (ich habe das ausdrücklich auf meinen Bekanntenkreis bezogen und beschränkt) sind die Frauen ziemlich pragmatisch veranlagt und wollen, (wenns nicht um Schuhe geht) wissen, was sie davon haben, wenn sie etwas kaufen sollen. Solche Selbstbeschäftigungsorganisationen seien gut als Männerwerkzeuge, aber für die Frauen, die ich kenne, wenig attraktiv. Konkrete Meinungen müssten her, damit frau weiß, worauf sie sich einläßt.

Oh, da war der Teufel los. Was bin ich da beschimpft worden, was mir einfiele. Aber in so einem rotzfrech-beleidigenden Ton. Ich könne als Mann doch nicht auf alle Frauen verallgemeinern (was ich gar nicht getan habe), und überhaupt auf die Idee kommen, wissen zu wollen, was Frauen attraktiv fänden.

Warum stellen die überhaupt eine Frage und veranstalten einen Sitzung dazu, wenn sie keine Antworten und Meinungen hören wollen?

Komischerweise nehmen sie für sich selbst in Anspruch, genau zu wissen, was Frauen wollen. Es geht darum, irgendwo einen Stand aufzubauen, und da machen sie dann die Themen, die Frauen interessieren. Als ob man das so pauschal für 50+% der Menschheit sagen könnte, was die zu interessieren hat und was nicht. Als ob mein Geschlecht als Mann mich automatisch inkompetent und deren Geschlecht als Frau sie automatisch allwissend machte. Als ob es sowas wie „Themen, die Frauen interessieren” überhaupt gäbe. Gäbe es sowas nämlich, müsste man daraus folgern, dass damit auch die Kompetenz und Qualifikation bei Frauen ganz anders verteilt wäre als bei Männern. Und dann wär’s Essig mit der Frauenquote durch Bestenauslese. Im Prinzip sagen die mit dieser „Themen, die Frauen interessieren”-Sichtweise ja nichts anderes, als die indirekte Aussage, für die sich mich lynchen wollten, nämlich dass Frauen anderes lernten und weniger technisch interessiert seien. Mich wollen sie umbringen, und dann sagen sie selbst so etwas.

Übrigens schwingt in so einer Aussage wie „Themen, die Frauen interessieren” immer auch mit, was Frauen nicht zu interessieren hat. Und sowas kommt von Frauen…

Besonders eine, so ein junges Mädel in den Zwanzigern, ist mir da besonders negativ und als überaus aggressiv aufgefallen. Ich sage das deshalb, weil sie – ich bin mir nicht hunderprozentig sicher, ob ich da Gesichter und Namen richtig gematcht habe – bei den Piraten schon irgendwie höher in der Hierarchie zu stehen scheint und angeblich auch schon mehrfach im Fernsehen war, also auch für das Bild der Piraten nach außen und innen steht (nein, es geht nicht um Marina Weisband, sondern um so ne kleine Blonde). Arrogant, selbstgefällig, überheblich und herablassend in Ton, Aussagen, Gestik und Mimik, extrem männerfeindlich und hochaggressiv, schneidet anderen das Wort ab und lacht Leute laut aus. Erwähnte so ganz „nebenbei und zufällig” aber deutlich, dass sie an ihrer Dissertation schreibe, um sich da also besonders wissenschaftlich hervorzutun. (Als Wissenschaftler und Wissenschaftskritiker frage ich mich, was das eigentlich für ein Promotionsstudium und Promotionsbetreuer sein sollen, wenn sie anscheinend noch gar nichts über den wissenschaftlichen Umgang mit den Auffassungen anderer Leute gelernt hat und auch ihren eigenen Standpunkt nicht inhaltlich, sondern nur durch Fäkalsprache darlegen kann.) Und markierte da den Alpha-Rüden, fiel anderen ins Wort, gab Meinungen vor, wollte bestimmen, was gesagt werden darf und was nicht. Und hat nicht ein einziges Mal irgendetwas sachlich-argumentatives gesagt, sondern sich auf Beleidigungen beschränkt.

Meine Meinung bekam von ihr das Prädikat „Kackscheiße!”

So ist da der Umgang. Und weil es ihnen nicht reicht, jemandem das an den Kopf zu werfen, wird es simultan getwittert:

Typ, der sexistische Kackscheiße labert, ist auf dem besten Weg, Quotengegner umzustimmen.

Das ist dann die Internet- und Medienkompetenz, die die Piraten vor anderen Parteien auszeichnen soll. Und ausgerechnet die schicken sie dann zum Fernsehen, um die Piraten zu vertreten, und wundern sich dann, dass Frauen fernbleiben. Und das war kein Einzelfall, man schreibt ihr auch den öffentlichen Ausspruch „Nur Idioten sind gegen Quoten” zu. Tolle Form der intellektuellen Auseinandersetzung, die bekommt sicher ihren Doktor. (Kommt bei mir gleich auf die TODO-Liste für Forschungsmafia.de) Bei Frauen reicht sowas heute zur Promotion. Überhaupt bewegten die sich alle auf oder nicht wesentlich über diesem Niveau. (Zum Vergleich: Die Leute von der Müllabfuhr hier haben übrigens ein drastisch feineres Vokabular und einen weitaus komplexeren, gebildeteren und höherstehenden Satzbau, mit denen kann man sich ganz normal und vornehm unterhalten. An der Sprache merkt man so richtig, wann man es mit Proleten zu tun hat.)

Nun habe ich inzwischen knapp 20 Jahre Berufserfahrung. Und bin durchaus in der Lage, mich in einer Gesprächsrunde gegen Gegner durchzusetzen, sowas lernt man mit der Zeit. Aber ich habe keinen Bock dazu. Überhaupt nicht. Aus dem Alter bin ich raus. Ich bin nicht im Krieg und nicht beruflich unterwegs, werde nicht dafür bezahlt. Ich bin privat, freiweillig und in meiner Freizeit da, und habe so überhaupt keine Lust auf solche Auseinandersetzungen. Eigentlich wollte ich bei den Piraten was bewegen und nicht altern.

Man kann sich mit solchen Leuten heftig und ewig streiten. Man kann. Aber man muss nicht. Man kann’s auch bleiben lassen. Es kommt nämlich sowieso nichts dabei heraus. Zwei wesentliche Überzeugungen habe ich heute auch ohne mitzustreiten mitgenommen:

  • Die von den Piraten propagierte Basis-Demokratie, wo jeder seine Meinung äußern kann, jeder mitmachen kann und niemanden interessiert, welches Geschlecht man hat, gibt es hier jedenfalls nicht. Männer sind dumm, Frauen haben von Natur aus Recht und wer davon am lautesten schreit und am dreckigsten beleidigt, hat am meisten Recht.

  • Man liest so häufig vom feministischen Weltbild, wonach Männer aggressiv, hierarchie- und machtbesessen seien, Kommunikationslegastheniker, die andere nicht zu Wort kommen lassen, der Alpha-Rüde sein wollen, andere niedermachen und allein ihre Meinung durchsetzen. Frauen dagegen seien sozial, kommunikativ begabt, empathisch, würden zuhören und jede Meinung achten, jeden gleichberechtigt zu Wort kommen lassen und niemanden unterdrücken.

Pustekuchen. Heute war es genau andersherum, und diese Frauen haben sich schlimmer benommen als ich es unter Männern je erlebt hätte. Würden Männer in einer Firma die Meinung anderer, insbesondere einer Frau als „Kackscheiße” bezeichnen, noch dazu öffentlich, wäre das ein Kündigungsgrund. Es bestätigt eher meine langjährige Beobachtung, dass ziemlich viele Frauen sich überhaupt nicht benehmen können und so gut wie gar kein Sozialverhalten entwickelt haben, Modell verzogenes Einzeltöchterchen.

Davon abgesehen heißt es immer, Männer würden Frauen körperlich nachstellen. Heute hat sich eine Frau in einer körperlichen Nähe neben mich gesetzt, durch die und durch deren Motorik ich mich körperlich und olfaktorisch signifikant belästigt gefühlt habe. Meine körperliche Integrität wird da nicht geachtet. Ob man der schon mal gesagt hat, dass man sowas einfach nicht macht, dass man Körperabstand zu wahren hat, auch als Frau? Irgendwann fing sie dann an, unangekündigt vor meinem Gesicht eine Fliege jagen und zerklatschen zu wollen, die längere Zeit um sie herumschwirrte.

Erwähnenswert finde ich, dass ein Mann über seine Auseinandersetzungen mit seinen Exen berichtete, die ihn mehrfach angegriffen hätten. Er meinte aber, sich noch hinreichend verteidigen zu können, er habe jahrelang Karate und Tae-Kwon-Do gemacht. Hieß es nicht immer, Gewalt ginge von Männern gegen Frauen aus? Das haben sie übrigens nicht getwittert.

Mit der Angst bekam ich es dann zu tun, als am Ende einer diese AG besonders lobte, sie sei von allen Piraten-AGs, in der er wäre, die strukturierteste, sachlichste und themenorientierteste. Ich weiß nicht, ob ich noch weitere Piraten-AGs verkrafte. Mein Karate-Training liegt nämlich schon zu lange zurück, bin ja auch nicht mehr der Jüngste. Ach, und zum Schluss meinte eine von diesen Feministinnen, sie fände es gut, daß sich hier „Männer und Frauen unterhalten”. Ich fass es nicht. Ich krieg zuviel.

Kommen wir auf die eigentliche Frage des Abends zurück: Wie macht man die Piratenpartei für Frauen attraktiver?

Seit heute abend frage ich mich, ob man das überhaupt tun sollte, worin der Vorteil und Nutzen liegen soll. Ich glaube nicht, dass diese Sorte Frau den Piraten einen Nutzen bringt.

Meines Erachtens wäre die weit bessere Strategie, diese feministischen ordinären Streittanten den Grünen unterzuschieben, da passen sie nämlich genau hin. Die haben noch mehr davon und stehen auf sowas. Und dann können die da streiten und ordinär fluchen soviel sie wollen, die haben sich dann gegenseitig verdient. Die Grünen haben auch sicherlich einen Kompost für sowas.

Vielleicht löst sich das Problem des Frauenanteils ja dann schon von selbst. Vielleicht kommen ja automatisch mehr „normale” Frauen zu den Piraten, wenn die Genderistinnen weg sind.

Wenn sich da nicht bald mal irgendwo etwas positives, erfreuliches, nützliches findet, hat sich jedenfalls meine Piratenschaft bald wieder beendet. Was hab ich davon, mich mit solchen Leuten da herumzustreiten?

Ach ja, ich war übrigens der Einzige, der heute überhaupt einen konkreten Gedanken zu der Frage der Attraktivität geäußert hatte, die „Kackscheiße” kam ja von mir. Immerhin. Von den allwissenden Frauenexpertinnen kam nicht mal das. Null. Nichts. Gar nichts.

Sorry dafür, dass der Artikel etwas länger wurde. Aber als Mann bin ich sprachlich minderbegabt und kann nicht so gut zuhören und bekomme das deshalb nicht so gut wie Frauen in drei oder vier Twitter-Meldungen unter. Mir als Mann ist die kommunikative Gabe nicht so gegeben, die Beschreibung anderer Leute oder anderer Meinungen auf ein einzelnes Wort zu reduzieren.

Nachtrag: Pichlbauer war zuvor auch schon bei der CSU mit den gleichen schlechten Eigenschaften negativ aufgefallen

Bildnachweis: Radio Operator, Signal Corps Photo: GHQ SWPA SC 43 5901 (T/4 Harold Newman)

 

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