23. Januar 2013, von Andreas Kraußer, zuerst erschienen bei MANNdat

Eine Jury um die Sprachwissenschaftlerin Nina Janich hat „Opfer-Abo“ zum Unwort des Jahres 2012 gekürt. Sowohl inhaltlich als auch im Hinblick auf das Auswahlverfahren hat sich die Jury damit der Lächerlichkeit preisgegeben. Dagegen gebührt Jörg und Miriam Kachelmann Dank, mit ihrer kreativen Wortschöpfung einen gesellschaftlichen Missstand im wahrsten Sinn des Wortes namhaft gemacht zu haben.

Opfer-Abo

Dieser von Jörg Kachelmann im Zusammenhang mit dem gegen ihn erhobenen Vergewaltigungsvorwurf geprägte Ausdruck kritisiere Frauen „pauschal und in inakzeptabler Weise“, so die Jury. Es werde der Verdacht erweckt, Frauen seien pauschal selbst Täterinnen und erfänden die sexuelle Gewalt, von der sie betroffen zu sein vorgeben. Die Jury behauptet, nur fünf bis acht Prozent der von sexueller Gewalt betroffenen Frauen schalteten tatsächlich die Polizei ein und es komme nur in drei bis vier Prozent der Fälle zu einer Anzeige und einem Gerichtsverfahren.

 

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Dass man eine Korrelation zwischen dem Einkommen und der Lebenserwartung zeigen kann, ist unter Sozialwissenschaftlern seit langem bekannt: Mit einem geringeren Einkommen geht eine geringere Lebenserwartung einher.

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Je nach ideologischer Färbung wird das Ergebnis dann genutzt, um gegen “Bonzen” zu Felde zu ziehen, die sich einem Mindestlohn widersetzen, um die Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse zu beklagen oder um eine neue Anstrengung zu machen, um das Bildungsniveau der Bevölkerung zu heben. Wenig bekannt, jedenfalls wenig wissenschaftlich fundiert, ist dagegen, was die gemessene Korrelation zwischen Einkommen und Lebenserwartung eigentlich bedeutet.

 

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Wer schon einmal mit dem Flugzeug in London-Heathrow gelandet ist, der hat einen Eindruck davon erhalten, wie eine integrierte Gesellschaft aussieht.

Die Passkontrolle führt ein Brite durch, der offensichtlich afrikanische Vorfahren hat, ein Brite mit offensichtlich asiatischen Vorfahren kümmert sich um die Touristen vom Kontinent, die auf der Suche nach der Tube (U-Bahn) verloren gegangen sind, und ein Polizeibeamter mit klar erkennbarem osteuropäischem Akzent nimmt sich derer an, die nicht verloren gingen, sondern verloren haben, was auch immer.

 

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Wir Menschen sind in einer erkenntnistheoretischen Blase der Unwissenheit eingeschlossen, aus der es kein Entkommen gibt. Wir wissen nicht, wie die Welt jenseits unserer sinnlichen Wahrnehmung und unserer Begriffe von Zeit und Raum beschaffen ist.

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Wie Kant feststellte, ist das Ding an sich, also die Wirklichkeit hinter der Wirklichkeit, die wir mit unserem Bewusstsein erfassen, unerkennbar. Der Mensch steht wie jedes andere seiner selbst bewusste, denkende Wesen im Universum vor dem Dilemma, nach dem Urgrund der Existenz fragen zu können, aber durch die Begrenzung seiner Erkenntnismöglichkeiten niemals zu einer unbestreitbaren Gewissheit über diesen Urgrund zu gelangen.

 

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Ich reibe mir die Augen. Da fordert der Arbeitgeberverband (BDA) und sein Präsident Dieter Hundt eine Verkürzung der Elternzeit auf ein Jahr und erklärt die Kleinkind-Betreuung zur „Kernaufgabe des Staates“. Warum? Um der Wirtschaft möglichst viele Arbeitskräfte zuzuführen, was die Lohndrückung erleichtert?

Die Wirtschaft hat sich an die angebliche „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ gewöhnt, die Eltern ins Hamsterrad und Kleinkinder in die Krippen treibt. Dass immer mehr Eltern im „Burn-out“ landen, interessiert die Wirtschaftsbosse ebensowenig wie der Stress, dem die Kinder in der Krippe und durch ihre ebenfalls gestressten Eltern ausgesetzt sind.

 

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Rezension des Buches „Sehnsucht nach Wahrheit“ von Christa Maria Bauermeister

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Die Initiatorin und Herausgeberin dieses Buches war Oberstudienrätin am Alfelder Gymnasium, hat sich nach Herausgabe des Buches jedoch versetzen lassen. Dieser Wunsch nach Versetzung steht im Zusammenhang mit der Haltung des Kollegiums und des Schulleiters des Alfelder Gymnasiums, Andreas Unger. Seine distanzierende Erklärung zum Projekt „Geld & Leben“ ist im Buch mit abgedruckt worden (S. 666).

 

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Ich habe getan, was ein Mann von Zeit zu Zeit tun muss – und wofür es den ganzen Mann braucht.

Ich habe mich in einer Bibliothek als Leser angemeldet. Weil ich auch unterwegs und auswärts Sorge dafür trage, Zugang zu einschlägiger Literatur, Juris Datenbanken usw. zu haben. Unterschätzt das nicht. Das Anmelden in einer Bibliothek kann ein Abenteuer sein, gegen das sich Indiana Jones im Tempel des Todes wie das Sandmännchen ausnimmt.

Ich weiß, wovon ich rede, denn ich habe mich im Laufe meines ereignisreichen Lebens sicherlich in weit mehr als zwei Dutzend Bibliotheken von der Gemeindebibliothek Unterföhring bis hin zum Bundesgerichtshof sowie in diversen Ländern und Spitzenuniversitäten wie Harvard, MIT, Stanford herumgetrieben. Und überall ist das irgendwie alles anders, überall gibt es andere Sitten, Gebräuche und Verhaltensweisen, die man mit noch so viel Erfahrung nicht vorhersehen kann und die den jeweiligen Bibliothekarinnen (aus irgendwelchen Gründen immer Frauen) stets ermöglichen, den Neuankömmling von oben herab wie einen törichten Dumpfling zu belehren. Schon die Arten des Zugangs, der Ausleihe und der Rückgabe unterliegen einem erstaunlichen Variantenreichtum. Eine Vereinheitlichung ist offenbar nicht gewollt.

 

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