19. Oktober 2012, von Arne Hoffmann

Jörg & Miriam Kachelmanns "Recht und Gerechtigkeit" und das mediale Echo

Ich hatte in meinen Blogs immer wieder über das Gerichtsverfahren gegen Jörg Kachelmann berichtet, aber besonders eilig damit, mir sein Buch darüber zu besorgen, hatte ich es offen gesagt nicht. Das lag an vielen Gründen: Durch die intensive mediale Berichterstattung hatte ich den Eindruck, über diesen Prozess jetzt schon eher überinformiert zu sein. Was konnte man da von einem Buch des Angeklagten mehr erwarten als noch mehr Kleinklein nach dem Motto "Das wurde behauptet, aber in Wirklichkeit war es so ...".

 

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Der von der Politik in Sonntagsreden gerne beschworene „mündige Bürger“ hat in Zeiten der Eurodauerkrise einen schweren Stand. 

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Gerade jetzt offenbart sich besonders drastisch, wie wenig unser politisches Führungspersonal noch in seine eigene Urteils- und Handlungskraft vertraut und wie sehr es sich gleichzeitig scheut Verantwortung zu übernehmen. Dabei zeigt die Politikerkaste eine zunehmend offener zu Tage tretende Geringschätzung gegenüber ihrem Souverän: dem Volk – das sich ja gerade aus der Gesamtheit aller mündigen Bürger zusammensetzt, wie jeder weiß, der im Politikunterricht seiner Jugendtage auch nur ein bisschen aufgepasst hat.

 

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Baron Byron

Dass die Leiden geschiedener Väter auch in der Vergangenheit nicht unbekannt waren, daran möge in der Woche der Frankfurter Buchmesse das folgende erschütternde Gedicht des englischen Romantikers George Gordon Noel, 6th Baron Byron, kurz Lord Byron genannt, in der Übersetzung von Heinrich Heine, erinnern. Er sandte es 1816 seiner Frau Annabella Milbanke, die nach kurzer Ehe mit der gemeinsamen kleinen Tochter zu ihren Eltern geflohen war - wovor, darüber streiten die Biographen und Literaturwissenschaftler bis heute.

 

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Eine intelligente Alternative zum Gender-Mainstreaming

Erinnert sich noch jemand? Die Sexualhysterie der deutschen Medien erreichte Mitte letzten Jahres einen Höhepunkt. Das reale alter ego des Herrn Kaiser von der Hamburg-Mannheimer reiste nach dessen Rückzug aus der Werbung ins Gellért-Hotel nach Budapest, wo er mit vielen Kollegen ein (nach Zeugenaussagen: rauschendes) Sexfest feierte. Das eigentlich justiziable Problem lag in der Absetzbarkeit der Kosten.

Die beteiligten Wesen weiblichen Geschlechts wurden von der deutschen Presse meist Frauen genannt, weil selbst der lateinisch-saubere Fachausdruck „Prostituierte“ Zweifel an der Opferrolle aufkommen lassen könnte, die „Frauen“ im medialen Diskurs unbedingt zukommt.

 

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Ausgangspunkt dieses Beitrags ist eine eMail, die mir ein Leser vor einiger Zeit geschickt hat. Darin berichtet er von einem Schriftwechsel mit der BAG Wohnungslosenhilfe e.V., dessen Ziel für ihn darin bestand, die Angabe der BAG, dass 74% der Obdachlosen männlich und 26% weiblich sind, zu verifizieren. Entsprechend hat er bei der BAG Wohnungslosenhilfe e.V. nachgefragt – und wie es bei eMail-Wechseln mit Institutionen in Deutschland offensichtlich üblich ist, hat er keine Antwort erhalten.

 

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In Milton Friedmans Klassiker „Kapitalismus und Freiheit“ stellte der us-amerikanische Ökonom fest: „Es ist eine auffallende historische Tatsache, dass die Entwicklung des Kapitalismus begleitet war von einer beträchtlichen Abnahme des Ausmaßes, in dem bestimmte religiöse, rassische und soziale Gruppen unter besonderen Behinderungen in Bezug auf ihre wirtschaftliche Entfaltung leben mussten, mit anderen Worten diskriminiert wurden.“

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In „Kapitalismus und Freiheit“ lieferte Friedman zu gleich die Erklärung für dieses Phänomen. In der Regel interessiert es uns als Verbraucher wenig, von wem und unter welchen Umständen ein Gut, das wir erwerben, produziert worden ist. Für den Verbraucher zählen in erster Linie die Qualität und die Kosten eines Gutes. Die Hautfarbe, das Geschlecht, die Religionszugehörigkeit derjenigen, die das Gut produzierten, spielen für die Verbraucher selbst dann kaum eine Rolle, wenn diese im privaten Leben durchaus Vorurteile oder persönliche Abneigungen gegen die Angehörigen einer bestimmten Gruppe hegen.

 

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Viele können sich nicht mehr vorstellen, wie die Welt aussah, bevor der damalige Außenminister Willy Brandt mit einem historischen Knopfdruck das Farbfernsehen einführte. Damit wurde plötzlich „alles so schön bunt hier“, wie Nina Hagen später singen sollte.

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Doch es ging nicht so fix, die verschiedenen Farbwelten existierten noch ein Weilchen nebeneinander her. Und es fanden sich gelegentlich noch Zeugnisse aus der Übergangszeit, die mich geradezu rührten, wenn ich etwa ein verschlafenes Hotel entdeckte, das damit warb, dass es auf allen Zimmern neuerdings „Farbfernsehen“ gäbe, und ich habe auch erst spät herausgefunden, was hinter der Abkürzung des großen Elektroladens WAKÜFA steckt: Waschmaschine, Kühlschrank, Farbfernsehen. Inzwischen ist alles bunt.

 

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