„There is no alternative“ (Margret Thatcher) - oder: TINA

Einerlei um welche Frage es jeweils geht: Durch nichts wird der freie öffentliche Diskurs so sehr beschädigt wie durch die Suggestion, dass es nur eine - völlig alternativlose - Antwort oder nur eine mögliche Wahrnehmung und nur eine zulässige Sichtweise gäbe.

Alternative-lknj8946

Auf dem Gebiet der Wirtschaftspolitik wird von der Regierung und den Medien suggeriert, es gebe nur die mikroökonomische bzw. neoklassisch-neoliberale Auffassung und die aus ihr abgeleitete Austeritätspolitik (vgl. hierzu das Buch von Ingo Stützle, Austerität als politisches Projekt – Von der monetären Integration Europas zur Eurokrise, Münster 2013).

Auf zwei alternative Zugänge zum Thema Wirtschaftspolitik soll hier hingewiesen werden:

Erstens auf  die wissenschaftliche Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik, die mit ihren „Memoranden“ seit den 70er Jahren regelmäßig wirtschaftstheoretisch fundierte und empirisch gestützte Analysen der wirtschaftlichen Entwicklung sowie wirtschaftspolitische Empfehlungen abgibt; jüngst ist das Memorandum 2014 mit dem Untertitel „Kein Aufbruch – Wirtschaftspolitik auf alten Pfaden“ im Verlag PapyRossa in Köln als Buch erschienen.

Zweitens ist auf die Website von Heiner Flassbeck und Friedrike Spieker hinzuweisen. Flassbeck & Spieker orientieren sich stark an der keynesianischen makroökonomischen Wirtschaftstheorie, die aufgrund ihrer Kreislauflogik einen deutlich anderen als den markttheoretischen, neoklassisch-neoliberalen Blick auf die Wirtschaft bietet. Und sie leiten hieraus folglich andere Empfehlungen an die Außenhandels-, Geld- und Fiskalpolitik ab.

Insbesondere jene Fachjournalisten, die über Wirtschaft, Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik schreiben, sollten m. E. solche Positionen aufarbeiten, reflektieren und kontrastierend zur offiziellen Wirtschaftspolitik darstellen, um den falschen Eindruck aufzulösen, dass es angeblich keine Alternativen gebe. Es würden sich daraus im übrigen fruchtbare Debatten entwickeln können, die unsere Gesellschaft so dringend braucht.

 

Weitere Beiträge

Ökonomische Zeitenwende – eine Rezension


Das hier rezensierte Buch verdient eine Hervorhebung, weil es in einer Zeit einer großen ökonomischen Krise, vergleichbar mit der von 1929 ff., eine tragfähige Analyse und eine Zukunftsorientierung für das 21. Jahrhundert bietet. In einer Zeit erheblicher politischer und theoretischer Verunsicherung ist das besonders bemerkenswert.
Der Autor ist Dr. Johannes Müller, Prof. für...

Government Failure – ein Tabu deutscher Sozialwissenschaften


Eine der erstaunlichsten Lücken politikwissenschaftlicher und ökonomischer Forschung betrifft das Versagen von Regierungen. Regierungen treten regelmäßig an, um "ihre Kraft dem Wohle des deutschen Volkes zu widmen, seinen Nutzen zu mehren, Schaden von ihm zu wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes zu wahren und zu verteidigen, und ihre  Pflichten gewissenhaft zu erfüllen, und...

Armutsdebatte: Der Fisch stinkt vom Kopf her


Die Vermögen konzentrieren sich und zugleich frönt das Bürgertum selbstgefälliger Zukunftsferne. Die oberen Etagen der Gesellschaft müssen wieder mehr investieren. Denn ohne Investitionen in die Realwirtschaft sinken die Lebenschancen aller.
Machen wir uns nichts vor: Obwohl die offiziellen Arbeitslosenzahlen in den letzten Jahren deutlich gesunken sind und die Konjunktur im Vergleich mit so manchem...

Wer ist der bessere Chef?

Über feministische Mythenbildung zum Nachteil der Frauen
Deutschlands Großkonzerne wollen die Frauenoffensive auf die Chefsessel unterstützen. In der Telekom sollen bis 2015 rund 30 Prozent Frauen Führungsverantwortung übernommen haben.
Fast ein Drittel der Führungsmannschaft der Allianz-Versicherung soll, jedoch ohne Terminnennung, aus Frauen bestehen. Infineon will bis 2015 etwa 15 Prozent...

Die Frauenquote: Ein Praxisbericht

02. Januar 2014, der Autor, der anonym bleiben möchte, ist Personalleiter eines weltweit tätigen Unternehmens.
Der Koalitionsvertrag hat uns Personalleitern – neben vielen anderen regelungsintensiven Segnungen – ein noch zu erstellendes Regelwerk „Gesetzliche Frauenquote“ beschert, das, so scheint mir, die Leistungskriterien für Einstellung und Beförderung gleichsam auf dem Verwaltungswege...

Von der Wehrpflicht zum nächsten Krieg?


Die 2007 einsetzende und bis heute nicht überwundene globale Finanzkrise, die aufgrund der Theorie des Postkeynesianers Hyman P. Minsky zu erwarten gewesen war, löste ein Déjà-vu-Erlebnis aus, nämlich bezüglich des Schwarzen Freitags der Weltwirtschaftskrise von 1929-32 sowie der nachfolgenden Depression der 30er Jahre bis zum II. Weltkrieg.
Die Ähnlichkeiten hängen damit zusammen, dass die...

Leidet die deutsche Volkswirtschaftslehre unter Grünem Star (Glaukom)?


Grüner Star ist eine Augenkrankheit, bei deren Verlauf es von den Wahrnehmungsrändern her zu einem allmählichen und weitgehend unbemerkten Gesichtsfeldausfall kommt. Es entwickelt sich dadurch zunehmend das, was man einen Tunnelblick nennt.
Dabei wird alles dunkel - bis auf das berühmte Licht am Ende des Tunnels. Allerdings wird dieses - in einer ähnlichen Metapher ersehnte - Tunnelende nie...

Die politische Linke und der Feminismus

Interview mit Professor Günter Buchholz
Alexander Ulfig: Herr Professor Buchholz, Sie verstehen sich selbst als Linken. Was heißt für Sie links?
Günter Buchholz: In der bürgerlichen Gesellschaft steht politisch links, wer innerhalb der objektiven gesellschaftlichen und ökonomischen Herrschaftsverhältnisse für eine wirtschaftliche, soziale, rechtliche und politische Besserstellung der...