Unter dem obigen Titel soll die Herbsttagung 2013 des Arbeitskreises Politische Ökonomie durchgeführt werden. Sie schließt an die Herbsttagung 2011 in Trier an und widmet sich der Zukunft der Industrienationen und der kapitalistischen Produktionsweise.

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Der erste Ausgangspunkt ist die Hypothese, dass der „…Beginn des 21. Jahrhunderts (…) durch eine in der Geschichte noch nie dagewesene Situation gekennzeichnet [ist], die uns mit dem gleichzeitigen Auftreten weltweiter Umwelt-, Ressourcen-, Klima- Wirtschafts- und Finanzkrisen konfrontiert.

Das völlige Scheitern an den sich auftürmenden globalen Problemen ist zumindest als Möglichkeit ins Auge zu fassen. Diese Krisen, die in der öffentlichen Diskussion zumeist als voneinander getrennt wahrgenommen und diskutiert werden, haben ihre gemeinsame Ursache in der widersprüchlichen kapitalistischen Dynamik. Die Logik der Produktion des relativen Mehrwerts und der ihr inhärente ´prozessierende Widerspruch` liefern hierfür die Begründung. Die daraus resultierende Diagnose verweist allerdings nicht auf eine bloße Reinigungskrise im Sinne der Schumpeterschen ´schöpferischen Zerstörung`, sondern auf nichts weniger als das Endstadium der kapitalistischen Produktionsweise.“ (Claus-Peter Ortlieb: "Der prozessierende Widerspruch", in: Ökonomie und Gesellschaft – Jahrbuch 24: Entfremdung – Ausbeutung – Revolte, Hrsg. Gerd Grözinger und Utz-Peter Reich, Marburg 2012, S. 127 – 144)

Der zweite Ausgangspunkt ist das kleine aber wichtige Buch „Utopistik – Historische Alternativen des 21. Jahrhunderts“ des Weltsystemtheoretikers Immanuel Wallerstein, und damit seine Diagnose, dass das Weltsystem in eine längere Phase der Turbulenz eingetreten sei, in der es in den gesellschaftlichen Konflikten um historische Weichenstellungen des 21. Jahrhunderts für die fernere Zukunft geht (vgl. hierzu: http://www.praxisphilosophie.de/weltsystem.htm).

Eine dieser Weichenstellungen betrifft die Frage, ob ein ökologisch verträglicher Entwicklungspfad gefunden und eingeschlagen werden wird, denn ohne die Weltökologie kann die Weltökonomie angemessen nicht mehr gedacht werden.

Die Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise hat dazu geführt, dass die übermäßige Ausnutzung der Quellen des gesellschaftlichen Reichtums, der Arbeitskraft und der Natur, und die Entwicklung der Produktivkräfte, also des technischen Fortschritts, des Wissens und der Arbeitsproduktivität, auch die Ökonomie an Grenzen der Kapitalakkumulation herangeführt hat. Dabei spielen gesellschaftsinterne Widersprüche der Produktion, der Verteilung, des Konsums sowie des Geld- und Kreditsystems einschließlich der Finanzialisierung ihre eigene bedeutende Rolle. Diese Widersprüche haben sich in der Großen Krise seit 2007 Geltung verschafft.

Wie werden sich, hiervon ausgehend, die Triade, die BRIC-Länder und die Entwicklungsländer im 21. Jahrhundert voraussichtlich entwickeln?

Während auf diese Fragen – mit zahlreichen wichtigen Beiträgen und Büchern – üblicherweise mit im Grunde konservativen Fragestellungen nach einer für das bestehende Wirtschaftssystem besseren Wirtschafts- und Sozialpolitik geantwortet wird, soll es hier um die Frage nach einer historischen Grenze der kapitalistischen Produktionsweise und ihrer möglichen oder notwendigen Transformation gehen; einer möglichen Transformation deswegen, weil die produktiven Bedingungen dieser Produktionsweise vermutlich ausgereift sind, und eine notwendige Transformation, weil die entwickelten Produktionsbedingungen eine Transformation zu einer Alternative hin nahe legen oder verlangen.

Zu den vorgestellten Fragen waren ursprünglich die folgenden Themenkreise geplant, von denen aber Nr. 2 und 3 leider nicht abgedeckt werden können:

1 Die Weltsystemtheorie (Immanuel Wallerstein) und ihre Perspektiven
2 Die Zukunft der Triade (USA, EU, Japan) im 21. Jahrhundert
3 Die Zukunft der BRIC–Staaten im 21. Jahrhundert
4 Die Zukunft der Entwicklungsländer und der Entwicklungspolitik im 21. Jahrhundert
5 (K)eine Zukunft der kapitalistischen Produktionsweise?
6 Transformation der kapitalistischen Produktionsweise? Und ihre Alternativen?

Die Tagung soll vom Freitag dem 18. bis Sonntag den 20. Oktober in Hannover (im Hanns-Lilje-Haus, Knochenhauerstr. 33, Altstadt/Nähe Marktkirche) stattfinden. Interessenten sind herzlich eingeladen. Wer an der Tagung teilnehmen möchte, sollte möglichst eine E-Mail an den Initiator Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! schreiben, um die Planung zu erleichtern.

Die Feinplanung der Tagung finden Sie hier.

 

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