Grüner Star ist eine Augenkrankheit, bei deren Verlauf es von den Wahrnehmungsrändern her zu einem allmählichen und weitgehend unbemerkten Gesichtsfeldausfall kommt. Es entwickelt sich dadurch zunehmend das, was man einen Tunnelblick nennt.

Tunnel-kldh6734

Dabei wird alles dunkel - bis auf das berühmte Licht am Ende des Tunnels. Allerdings wird dieses - in einer ähnlichen Metapher ersehnte - Tunnelende nie erreicht, sondern das restliche Sehvermögen erlischt endgültig.

Diese Metapher kennzeichnet m. E. bedauerlicherweise den heutigen geistigen Zustand der deutschen Volkswirtschaftslehre. Das ist für uns alle fatal, weil die Politik von führenden Vertretern dieser Volkswirtschaftslehre beraten wird.

Der AStA der Goethe-Universität Frankfurt/Main veröffentlichte einen Offenen Brief, in dem gefordert wird, diese gefährlichen Gesichtsfeldverengung nicht länger zuzulassen, sondern ihr entgegenzuwirken.

Offener Brief der Kritischen Ökonomen bezüglich der inhaltlichen Umstrukturierung des Bachelor-Kurses „Einführung in die Volkswirtschaftslehre“ (vom 5.2.2014):

Die Kritischen Ökonomen an der Universität Frankfurt bedauern mit diesem offenen Brief ausdrücklich, dass der volkswirtschaftliche Einführungskurs im Bachelor Studiengang Wirtschaftswissenschaften ab dem kommenden Semester weniger Raum für pluralistische und theoriengeschichtliche Inhalte bieten wird.“

Dieser Offene Brief und seine inhaltlichen Forderungen werden durch den Allgemeinen Studierendenausschuss der Goethe Universität Frankfurt unterstützt.“

Die Argumentation des AStA ist m. E. sachlich zutreffend und angemessen formuliert, so dass ich mich diesem Offenen Brief anschließen kann. Überdies geht es um ein Problem, das alle deutschen oder sogar alle deutschsprachigen Hochschulen mit dem Fach Volkswirtschaftslehre betrifft.

Man sieht an diesem Beispiel auch, wie nachteilig sich das Bachelor-Master-Konzept auswirkt, nämlich u.a. in einer schädlichen Ausdünnung und inhaltlichen Verkürzung der Bachelor-Studiengänge. Ich habe mich 2007 hierzu geäußert.

Ich biete nach meiner Pensionierung neben Wirtschaftsethik noch eine VWL-Lehrveranstaltung „Geschichte des ökonomischen Denkens“ an. Weiter unten finden sich einige der Quellen, die in diesen Zusammenhang gehören. Denn es ist einfach hochgradig töricht, auf die reichhaltige Geschichte des ökonomischen Denkens von Aristoteles über Quesnay, Smith und Ricardo, Marx, Walras, Schumpeter und Keynes bis Davidson, Minsky und Krugman zu verzichten und statt dessen nur noch eine empirisch leere statische mathematische Theorie wirtschaftlichen Handelns zu vermitteln, die auf der Stufe von Newtons physikalischer Mechanik, ihrem großen Vorbild, stehen geblieben ist.

Einen Zugang zur Frage des Grundverständnisses von Wirtschaft und ihres Verhältnisses zur Gesellschaft soll der folgende Text ermöglichen:
http://www.grundrisse.net/grundrisse36/wirtschaft_grundlagen.htm

Bezüglich des Neomarxismus sei verwiesen auf:

http://de.wikipedia.org/wiki/Praxisphilosophie

und

http://www.praxisphilosophie.de/start.htm

mit den dort angegebenen Quellen.

Ein Vergleich zwischen Neoklassik, Keynesianismus und Marxismus findet sich hier:
http://f4.hs-hannover.de/fileadmin/media/doc/f4/Aktivitaeten/Veroeffentlichungen/2009/gb-09-04.pdf

Im Hinblick auf Keynes und den Postkeynesianismus (Davidson, Minsky) sowie auf die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise sei hingewiesen auf „Globale Finanz- und Wirtschaftskrise - Ursachen, Verantwortung, Konsequenzen“:
http://f4.hs-hannover.de/fileadmin/media/doc/f4/Aktivitaeten/Veroeffentlichungen/2009/GB-JM-09.pdf

„Die Wirtschafts- und Finanzkrise mit Blick auf Marx und Keynes – Teil I“:
http://f4.hs-hannover.de/fileadmin/media/doc/f4/Aktivitaeten/Veroeffentlichungen/2011/gb-02-11.pdf

„Die Wirtschafts- und Finanzkrise - Teil II: Präsentationen“:
http://f4.hs-hannover.de/fileadmin/media/doc/f4/Aktivitaeten/Veroeffentlichungen/2011/gb-11-03-10a.pdf

Zur aktuellen wirtschaftspolitischen Problemlage sei abschließend auf die makroökonomischen Beiträge von Flassbeck und Spieker hingewiesen; sie stehen in der Tradition Keynes´schen Denkens:
http://www.flassbeck-economics.de/author/heiner-flassbeck/

 

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren

Weitere Beiträge

Cuncti-Dossier „Medienkritik“

Gegen den „propagandistischen Einheitsbrei“
Medienkritik ist angesichts der beunruhigenden Entwicklung der Mainstream-Medien wichtiger denn je.
Immer mehr Menschen merken, dass mit den bundesrepublikanischen Leitmedien Vieles nicht stimmt.
 

Wo sind die Linken aus den islamischen Ländern geblieben?


Während meiner Studienzeit in den 80er Jahren lernte ich viele Studenten aus den islamischen Ländern kennen. Sie waren alle links und atheistisch. Was ist aus ihren Überzeugungen geworden?
Während meiner Studienzeit in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts lernte ich sehr viele Studenten aus den sog. „islamischen Ländern“ kennen (damals sprach man gar nicht von „islamischen Ländern“,...

Rundfunkrat entscheidet: "Hart-aber-fair"-Sendung muss in den Giftschrank


Es war die vielleicht einzige Sendung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, bei der Feminismus und Gender nicht als Nationalheiligtümer dargestellt wurden, die man auf keinen Fall kritisch in Frage stellen darf: die "Hart-aber-"Fair"-Talkrunde am 2. März dieses Jahres mit dem Titel "Nieder mit den Ampelmännchen – Deutschland im Gleichheitswahn?"
Viele Zuschauer wagten daraufhin die Hoffnung,...

Das neoklassische Monopol und seine Konkurrenten

15. Mai 2014, von Prof. Günter Buchholz
Ein Aufstand (welch ein Wort!) der Wirtschaftsstudenten ist es zwar nicht, der von den in der „Gesellschaft für Plurale Ökonomik“ organisierten Studenten ausgeht, aber ein kräftiger Hinweis auf einen bedenklichen Missstand ist es sehr wohl.
Eingefordert wird mit Blick auf Wirtschaftstheorien: Vielfalt statt Einfalt!  Konkurrenz statt Monopol! Das ist ein...

Braucht unsere Gesellschaft „Gender Studies“?


Der Anglizismus „Gender Studies“ bezeichnet in Deutschland faktisch nicht etwa „Geschlechterforschung“, die eine Forschung wäre, die Fragen im Hinblick auf beide Geschlechter und ihr wechselseitiges biologisches, soziales und kulturelles Verhältnis zueinander stellte und dann wissenschaftlich untersuchte, sondern sie ist einseitig Frauenforschung, also Forschung von Frauen über Frauen für...

Reaktionäre?


“Der Klimawandel? Erfunden. Die Evolution? Eine Lüge. Gleichberechtigung von Mann und Frau? Emanzen-Quatsch. Reaktionäre ignorieren alle Fakten. Applaus ist ihnen dennoch sicher”, so Georg Diez in einem Artikel auf Spiegel Online.
Sehr geehrter Herr Diez,wenn Sie schon Leute mit anderer Auffassung meinen zusammenstauchen und als angebliche Reaktionäre bezeichnen zu dürfen, dann sollten Sie sich...

Wie uns die „Zeit“ wieder mal davonlief


Ich schaue ja immer gerne nach, wo Artikel des man tau-Blogs verlinkt worden sind. Als ich heute Abend nach Hause kam, fand ich in meinen Statistiken beispielsweise Besuche von der Seite der Zeit – dort hatte der Leser gran_torino77 einen Text von mir im Kommentarbereich verlinkt.
Vielen Dank dafür! Am selben Tag wurde mir noch ein weiterer Link aus der Zeit angezeigt, aus deren mit Abstand...

Die politische Linke und der Feminismus

Interview mit Professor Günter Buchholz
Alexander Ulfig: Herr Professor Buchholz, Sie verstehen sich selbst als Linken. Was heißt für Sie links?
Günter Buchholz: In der bürgerlichen Gesellschaft steht politisch links, wer innerhalb der objektiven gesellschaftlichen und ökonomischen Herrschaftsverhältnisse für eine wirtschaftliche, soziale, rechtliche und politische Besserstellung der...