Die „Scientists for Future“ vermengen Wissenschaft mit politischem Aktivismus - kann das funktionieren?

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Politik und Wissenschaft sind ein ungleiches und unverträgliches Paar: das Telos der Wissenschaft ist das Streben nach Erkenntnis und Wahrheit - dasjenige der Politik ist Macht. Anders ausgedrückt ist die Wissenschaft ein "Truth Seeking Game", während die Politik ein "Power Seeking Game" darstellt. Die Vermischung beider Spielarten ist ausgesprochen gefährlich, da ihre jeweiligen Spielregeln zueinander inkompatibel sind - so beschreibt es der berühmte Sozialpsycholge Jonathan Haidt.

„Truth Seeking“ erfordert fortlaufende Kritik und Gegenkritik, wobei den Spielern ein Höchstmaß an Höflichkeit und gegenseitigem Respekt abverlangt wird. Ebenso ist es ein ehernes Gebot, abweichenden Außenseiterperspektiven nicht etwa geringere sondern besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Gänzlich anders verhält es sich beim „Power Seeking“ - vordergründig sind hier das Bündeln von Mehrheiten, Meinungsformung und die Verdrängung gegnerischer Anliegen.

Die Klimadebatte als „Power-Seeking Game“

Beobachtet man soziale Gruppen von einem äußeren Standpunkt - mit ausreichend innerer Distanz - so kann aus ihrem Verhalten abgeleitet werden, welches der beiden Spiele sie betreiben. Die Klimadebatte ist demgemäß eindeutig zu einem "Power-Seeking Game" eskaliert, was daran ersichtlich wird, dass sie zunehmend moralisch geführt wird und gewisse Akteure gezielt auf die persönliche Diffamierung ihrer Kontrahenten setzen.

So dient etwa Greta Thunbergs Kindlichkeit manchen Erwachsenen als Immunisierungsmittel gegen jedwede Kritik. Sie sei doch ein Kind, man dürfe sie nicht so hart kritisieren, was erlaube man sich denn da? So oder so ähnlich hört und liest man es öfters. In radikalem Kontrast entwickelte sich die autophile Gegenbewegung "Fridays for Hubraum", die durch bissigen Humor aber auch durch Hass besticht. Jedoch beruht dieser Hass auf Gegenseitigkeit - es ist Hass, der von Klimaaktivisten gesät und von ihnen nun geerntet wird. Ingredienzen dieser Saat sind Beschämungsrhetorik und Anfeindungen gegen jene, die sich aus Sicht der Klimaaktivisten nicht korrekt genug verhalten. Skeptiker und unangenehm Fragende werden pauschal als Leugner stigmatisiert, einige Klimaaktivisten gehen gar so weit, sogenannte Klimaleugner assoziativ und strafrechtlich auf dieselbe Stufe wie Holocaustleugner zu stellen. Ein Professor der Uni Graz träumt dabei offen von der Todesstrafe. Zur Kriminalisierung der Kritiker gesellt sich auch ihre Pathologisierung - angeblich hätten sie nur Angst, - aber vor was und vor wem - vor Klimaaktivisten, die Kritiker einsperren und töten wollen?

Die Kriminalisierung, Pathologisierung und Einschüchterung des Gegners entspricht der Strategie des Machteifernden - nicht der des Wahrheitssuchenden. Das Ziel ist eine Gleichschaltung der öffentlichen Meinung mit Kampfmitteln der moralischen Dominanz. Ganz offensichtlich folgt die Klimadebatte also den Regeln des "Power-Seeking". Das "Truth Seeking" und damit auch die Suche nach rationalen, nachhaltigen und gesellschaftlich verträglichen Lösungen wurde inzwischen aufgegeben - oder womöglich nie beabsichtigt.

Wissenschaftler auf politischem Plateau

Wissenschaftler, die sich politisch in der Klimadebatte engagieren, werden sich mit einer bestimmten Seite solidarisieren - ob sie wollen oder nicht. Ihre Objektivität geben sie ab diesem Moment auf und sie werden nicht mehr primär als Wissenschaftler, sondern als politisch Verbündete oder politische Gegner wahrgenommen. Von nun an wird ein Terrain beschritten, dessen Regeln im Widerspruch zu denen der Wissenschaft stehen. Dies sind zudem Regeln, die Wissenschaftler oftmals nicht beherrschen und sie zwangsläufig überfordern.

Sobald Wissenschaftler sich auf politisches Plateau begeben, vertreten sie gerne den Anspruch, Kraft ihres wissenschaftlichen Status eine besondere Autorität und Stellung genießen zu dürfen. Das ist ein folgenschwerer Irrtum! Gesellschaftspolitische Debatten unterliegen zu Recht keinen feudalen Regelwerken. Einem akademischen Titel- und Würdenträger wird an dieser Stelle kein höherer Rang eingeräumt als dem arbeitslosen Kohlekumpel - und das ist auch gut und richtig! Es ist ein besonderes Merkmal der Demokratie.

Ein Wissenschaftler wird und muss mitunter die Erfahrung erdulden, dass seine wissenschaftliche Expertise im Rahmen einer politischen Auseinandersetzung wenig oder keine Würdigung erfährt. Die Regeln des "Power-Seeking" bedingen, dass er als politischer Akteur und nicht als Wissenschaftler wahrgenommen und letztlich auch so behandelt wird. Denn, wer sich politisch engagiert, vertritt mutmaßlich immer die Interessen bestimmter Gruppen. Im Zentrum des Interesses steht sodann nicht die fachliche Kompetenz des Wissenschaftlers. Vielmehr werden seine Absichten und persönlichen Involviertheiten hinterfragt: welche partikularen Interessen werden durch seine Forderungen vertreten und zu welchen anderen Interessen stehen sie im Widerspruch? Folgernd werden andere Interessensträger diesen Wissenschaftler gemäß den Regeln des "Power-Seeking Game" angreifen – so handhabt man es mit politischen Gegnern.

Die stille Verwandlung der Wissenschaft zur Politik

Am Ende mögen politisch engagierte Forscher bestürzt darüber sein, dass man sie in der Öffentlichkeit so ungewohnt grob angeht. Möglicherweise ist es in ihrem Empfinden gar "Hass und Hetze", denn schließlich - so meinen sie - vertreten sie doch "wissenschaftliche Standpunkte", während die heftigen Gegenreaktionen aus ihrer Sicht irrational erscheinen. Doch in jenem Moment, da Wissenschaftler ihre Arbeit mit politischem Aktivismus verbinden, agieren sie in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit eben nicht mehr als Wissenschaftler, sondern als Politiktreibende. Ab hier gelten nicht nur andere Regeln, es setzt darüber hinaus auch ein retroaktiver Prozess ein, dessen Ergebnis politische Lagerbildung innerhalb der Wissenschaften ist: als Reaktion auf die äußeren Angriffe verbünden und solidarisieren sich Wissenschaftskollegen untereinander mit den Angegriffenen - man rückt zusammen und synchronisiert sich - Ansichten und Positionen verfestigen sich.

Dieser Vorgang besitzt eine eigene, schleichende Dynamik, die von den beteiligten Wissenschaftlern oft unbemerkt bleibt. Langfristig setzt somit ein dichotomes Denken ein: wir und die anderen. Nach dieser Weise akkomodieren Wissenschaftler ungewollt die Regeln des "Power Seeking". Machtstreben, Lagerdenken und der Kampf um Deutungshoheiten diffundieren auf diesem Wege in die Wissenschaften hinein. Wissenschaftliche Objektivität und Integrität sind fortan verloren - Wissenschaft wird selbst zu Politik.

 

 

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