Der Anglizismus „Gender Studies“ bezeichnet in Deutschland faktisch nicht etwa „Geschlechterforschung“, die eine Forschung wäre, die Fragen im Hinblick auf beide Geschlechter und ihr wechselseitiges biologisches, soziales und kulturelles Verhältnis zueinander stellte und dann wissenschaftlich untersuchte, sondern sie ist einseitig Frauenforschung, also Forschung von Frauen über Frauen für Frauen, teilweise sogar nur für kleine Minderheiten von Frauen (Queer Studies).

Geschlechter-nhux1946

Abgesehen davon, dass m. W. für diese Absonderung keine einleuchtende Begründung existiert, liegt bereits darin eine Verkürzung und Verzerrung des Themen- und Forschungsbereichs, die kaum folgenlos bleiben kann.

Forschung ist das individuelle und zugleich gesellschaftliche Bemühen, neue Erkenntnisse zu gewinnen, also den Raum des Wissens zu erweitern, auch wenn dieses Wissen in der Regel vorläufig und überholbar bleibt. Nicht immer, aber doch oftmals ergeben sich daraus früher oder später positive und neuartige Anwendungen, die der Gesellschaft zugute kommen und in diesem weiten Sinne Nutzen stiften. Manchmal gibt es epochale Durchbrüche, meist aber nur kleine Fortschritte, und nicht selten können die Ergebnisse je nach Anwendung Nutzen stiften oder Schaden anrichten. Und weil irren eben menschlich ist, gibt es selbstverständlich auch in der Forschung solche Ergebnisse, die sich als bedeutungs- und wertlos erweisen: den Abfall des Forschungsprozesses.

Abgesehen von persönlichen Motivationen muss für Forschung Zeit und Geld aufgewendet werden. Weder Zeit noch Geld sollten, darüber dürfte noch Einigkeit bestehen, verschwendet werden, jedenfalls dann nicht, wenn sich die Gesellschaft daran beteiligt, z. B. indem sie die Forschung finanziert. Aus gesellschaftlicher Sicht ist Forschung weiter nichts als ein Zweig der gesellschaftlichen Arbeitsteilung für Spezialisten, die gelernt haben und wissen, wie man durch Anwendung geeigneter wissenschaftlicher Methoden zu tragfähigen Ergebnissen gelangt, die neue Erkenntnisse darstellen und dadurch den Raum des Wissens erweitern. Das ist Forschungsarbeit; sie führt zu Ergebnissen, die nicht nur nachvollzogen, überprüft und bewertet werden können, sondern die bewertet  (oder - mit anderen Worten - evaluiert) werden müssen. Und genau diese kritische Überprüfung abgelaufener Forschungsprozesse ist die Aufgabe einer Forschungsbewertung (Forschungsevaluation).

Für "Gender Studies" in Niedersachsen gibt es nun eine Forschungsevaluation, die im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst (MWK) von der untergeordneten Wissenschaftlichen Kommission Niedersachsens (WKN) im Jahre 2013 durchgeführt worden ist; möglicherweise ist es die erste und einzige ihrer Art.

In einer Forschungsevaluation „Gender Studies“ werden notwendigerweise Fragen gestellt: ob die Forschungen, die im Zusammenhang der „Gender Studies“ bzw. der Frauenforschung bearbeitet worden sind, wissenschaftstheoretisch und methodisch begründet und fundiert sind, ob sie zu nachvollziehbaren und überprüfbaren Ergebnissen geführt haben, und ob sich aus ihnen - in einem weiten Sinne - ein gesellschaftlicher Nutzen ergeben hat und worin dieser bestehen soll.

In dem längeren Text in den unten angegebenen Quellen wurden diese Überlegungen aufgenommen, und es wurde versucht,  die Forschungsevaluation der WKN ihrerseits zu bewerten. Der Ergebnisbericht dieser WKN-Evaluation wird dargestellt und kritisch kommentiert.

Das Ergebnis der Kritik lautet, dass im Sinne der obigen Anforderungen gar keine Evaluation des Forschungs-Outputs vorgenommen worden ist, sondern dass es der beauftragten Kommission nur darum ging, die Input-Strukturen zu stärken, indem mehr Stellen, mehr finanzielle Mittel  und noch weniger Kontrollen gefordert wurden.

Letztlich geht es um die allgemeine Frage, ob es gesellschaftlich vernünftig ist, für den jeweiligen Forschungszweig zeitliche und finanzielle Mittel einzusetzen und diese unwiderruflich zu verbrauchen und damit nicht mehr für andere Zwecke einsetzen zu können; oder eben nicht.  

Quellen

http://serwiss.bib.hs-hannover.de/frontdoor/index/index/docId/405

oder
http://www.odww.de/index.php?navID=100&uid=601

 

Weitere Beiträge

Sind Gender Studies Wissenschaft?


Der Feminismus stimmt mit der Biowissenschaft darin überein, daß es Mann und Frau, also den biologischen Dimorphismus als Voraussetzung der Fortpflanzung der Gattung, tatsächlich gibt, und dies war und ist zugleich immer schon selbstverständlicher Teil des Alltagswissens. Der Genderismus bestreitet jedoch in den Gender Studies, die einen wissenschaftlichen Anspruch erheben, genau dies. Es komme...

Wie uns die „Zeit“ wieder mal davonlief


Ich schaue ja immer gerne nach, wo Artikel des man tau-Blogs verlinkt worden sind. Als ich heute Abend nach Hause kam, fand ich in meinen Statistiken beispielsweise Besuche von der Seite der Zeit – dort hatte der Leser gran_torino77 einen Text von mir im Kommentarbereich verlinkt.
Vielen Dank dafür! Am selben Tag wurde mir noch ein weiterer Link aus der Zeit angezeigt, aus deren mit Abstand...

Niedergang der Presse am Beispiel der „Brigitte“


Ich fange das mal anders an. Ich war zweimal im Laufe meines Berufslebens bei Internet-Providern tätig. Trotzdem unterschieden sich die Tätigkeiten extrem.
Beim ersten Provider war ich bei einem der beiden ersten deutschen Provider, bei dem wir damals noch alles selbst machten und wirklich jede Schraube und jedes Bit persönlich und beim Vornamen kannten. Es gab damals nichts anderes. Wir waren sehr...

Von Versteinerungen und der Angst vorm Tanzen - Zu Robert Claus' "Maskulismus"


Robert Claus‘ Text Maskulismus. Antifeminismus zwischen vermeintlicher Salonfähigkeit und unverhohlenem Frauenhass, den er gerade für die SPD-nahe Friedrich Ebert Stiftung veröffentlicht hat, ist ein Kunstwerk.
Wie in vielen literarischen Werken ist auch hier der ganze Inhalt eigentlich schon in den ersten Zeilen enthalten – so dass der aufmerksame Leser sich den Rest eigentlich sparen könnte.
...

Erschienen: "Gender Studies - Wissenschaft oder Ideologie?"

Was bedeutet “Gender”? Womit beschäftigen sich Gender Studies? Genügen ihre Grundkonzepte und Methoden wissenschaftlichen Standards? Wie beeinflussen Gender Studies die Politik? Die Publikation "Gender Studies - Wissenschaft oder Ideologie?" informiert über Gender Studies und ihre Auswirkungen auf die Politik.
Der Feminismus gehört zu den erfolgreichsten sozialen Bewegungen der neueren...

Antifeminismus zwischen Demagogie und Flirthilfe


Da lese ich, im Zug sitzend, unschuldig auf meinem Laptop ein paar Texte zum Thema „Antifeminismus“, kämpfe mich zum Beispiel ohne Rücksicht auf mich selbst durch Rolf Pohls „Männer – das benachteiligte Geschlecht? Weiblichkeitsabwehr und Antifeminismus im Diskurs über die Krise der Männlichkeit“
und bleibe trotz des wikipedia-Artikels mit der großen Überschrift „Antifeminismus“ wach – und in der...

Ein Mordsgeschäft: Frauenpreise der Heinrich-Böll-Stiftung


Es ist schon bizarr, aus welch trüben Quellen der Inspiration die Feministinnen der Heinrich-Böll-Stiftung ihren Nektar schlürfen. Passend zum notorischen Weltfrauentag verleiht die Stiftung am 7.3.2014 den Anne-Klein-Frauenpreis an die mexikanische Frauenrechtlerin Imelda Marrufo Nava.
"Ihr Beitrag zur Klassifizierung der geschlechtsspezifischen Gewalt gegen Frauen in Ciudad Juarez als...

Facebook: Nazi-Mist ist okay, Feminismus-Kritik muss weg


Vor ein paar Monaten habe ich zum ersten (und letzten) Mal ein Bild bei Facebook gemeldet. Das Bild vom 4.1. zeigt eine Dose Nüsse, beschriftet ist sie mit den Worten „Buchenwald’s Beste“, darunter steht „Cash-Jews“ (also etwa: Geldjuden), neben den Schriftzug „Nur echt mit dem Stern“ ist ein Judenstern gezeichnet, unten prangt ein Hakenkreuz mit dem Satz „Hergestellt nach dem deutschen...